Ferien zu Haus

Wenn ihr euch den Song von I-Fire im Video hier unten anhört, ist es natürlich ganz klar, warum die alle Ferien zu Hause machen. Es fehlt das Geld!


Wie singen sie so schön, die Jungs aus Hamburg-Bergedorf: Heiyoo, die ganze Welt fliegt weg...
Ist was dran, wo auch immer ich mich umhöre, die meisten Leute fliegen oder fahren tatsächlich mindestens einmal im Jahr in den Urlaub. Ich natürlich auch, wobei ich eher so drei- bis viermal fahre und mir gelegentlich schon die Frage anhören muss, ob ich eigentlich 60 Tage Urlaub habe.
Warum aber flüchten wir alle? Ist es zuhaus nicht so schön? Leben wir hier nur in tristem Grau? Oder schauen wir vielleicht nicht so genau hin? Weil alles schon so bekannt ist? Weil alles zum Alltag gehört?
Ich lebe gern hier, wo ich lebe. In Curslack, einem Teil der Vierlanden, die wiederrum zur Millionenmetropole Hamburg gehören. In meine Heimatstadt kommen jährlich hunderttausende von Besuchern, um sie sich anzusehen. So schlimm kanns also hier gar nicht sein.

Wenn ich so drüber nachdenke, ist es eigentlich zu allen Jahreszeiten irgendwie schön. Im Frühling fängt alles an zu blühen, das gefällt so gar unserer Katze.


Auch versteinerte Lebewesen strecken ihr Gesicht den wärmenden Sonnenstrahlen entgegen, überall schreit es nach
neuem Leben, manche arbeiten auch ganz aktiv daran...
Frösche kommen aus dem Wasser und sonnen sich auf den Seerosenblättern. Die Natur erwacht, erst langsam, um dann ekstatisch zu explodieren.



Und das Beste von allem, man kann Feuer machen, sogar besonders große, denn es ist Zeit für das Osterfeuer. Diese Feuer haben eine lange Tradition. Schon die alten Ägypter entzündeten große Scheiterhaufen, um die Sonne auf die Erde zu locken und den Winter zu vertreiben. In unserem ländlichen Teil Hamburgs sieht man am Abend des Ostersamstags etliche Feuer auf den Feldern lodern. Nicht immer zur Freude der Hamburger Feuerwehr.

Im Sommer geht die Sonne schon früh über der Elbe auf, die sich durch die Marschlandschaft windet. Manchmal liegen Nebelschwaden über dem Flussbett und verzaubern die Landschaft.

Manchmal macht sich der Fluss auch breiter, als er eigentlich ist.

Setzt alles unter Wasser und zeigt uns einmal mehr, dass Natur nicht beherrschbar ist.

Der Sommer zeigt uns aber auch, in welch frucht- barer Gegend wir leben, überall grünt es, überall summt es, überall wächst etwas. Auch da, wo wir es vielleicht gar nicht wollen. Oftmals machen wir uns nicht bewusst, wie privilegiert wir sind, wie gut es uns geht. 
Sommer ist die Zeit, sich aufs Fahrrad zu setzen und einfach loszuradeln. Man findet immer schöne Orte.

Und wenn man nicht mehr radeln mag, setzt man sich in eine

Beachbar am Hafen, trinkt ein kaltes Bier und lässt den Blick über das Wasser schweifen.

Das schöne am norddeutschen Sommer ist, man kann auch dann Feuer machen, es gibt genug Nächte, die dafür kalt genug sind.

Im Herbst geht die Sonne dann später auf, es wird kühler, die Tage werden kürzer und man verfängt sich in allgegenwärtigen Spinnennetzen.
Überall schießen Pilze aus dem Boden, auch auf unserem Rasen, wo sie eigent- lich gar nichts zu suchen haben.
und natürlich kann man auch im Herbst Feuer machen...

Im Winter präsentiert sich die Elbe dann im eisigen Outfit. Also manchmal zumindest.

 Dann kann man in der Eiseskälte spazieren gehen.

Man kann auch den guten norddeutschen Eiswein ernten.
Oder in den Hamburger Hafen fahren, um den Fortschritt an besonders steuergeförderten Bauprojekten zu überprüfen. 


Mit Blick auf die Rickmer Rickmers einen Glühwein trinken...

oder einfach eine Rundfahrt durch den Hafen machen, um sich anzusehen wie schön unsere Stadt doch ist. 

Im Winter kann man natürlich besonders gut Feuer machen und weil es so kalt ist, hat man gleich noch einen Grund einen Glühwein oder einen Eierpunsch mehr zu trinken.
Es ist durchaus schön hier, das ist mir schon klar.  Und wie heißt es im Lied von I-fire: ...ich liebe diese Stadt, drum ist das alles gar nicht tragisch... 
Warum fahre ich dann trotzdem immer wieder weg? 
Das hat drei Gründe:
Erstens ist grau nicht meine Lieblingsfarbe. Denn obwohl meine Fotos ein strahlendes Hamburg zeigen, gibt es hier durchschnittlich 133 Regentage pro Jahr. Und auch an den Tagen, an denen es nicht regnet, ist nicht automatisch blauer Himmel. Ich bin ein Sonnenkind und habe es gerne warm.
Zweitens bin ich ein absolut neugieriger Mensch und muss immer wissen, was hinter der nächsten Ecke ist. Das erfahre ich nicht, wenn ich hier bleibe.
Drittens bin ich irgendwie unfähig meinen Alltag abzustellen, wenn ich zu Hause bleibe. So ist jeder Urlaub auch immer eine Flucht aus dem Alltag.
Aber...
Es kommt drauf an was man draus macht. Da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.
Und hier noch einmal Originalton I-Fire:
...Scheiß drauf, man sieht sich im Freibad für 1,70...









Kommentare:

  1. Warum zieht es uns die Ferne? Eine wirklich gute Frage! Für mich ein ganz wichtiger Grund: weil ich es kann. Finanziell und gesundheitlich. Ich kenne noch Zeiten da hatte ich leider kein Geld um groß zu verreisen, jetzt lege ich jeden Euro dafür zur Seite. Außerdem lebe ich jetzt, immer alles auf später schieben ist auch keine Lösung. Später kann ich zu arm, zu krank, oder gar zu tot sein.
    Ein weiterer Grund ist wie bei dir die Neugier. Fremde Dinge mit eigenen Augen sehen ist was Tolles, diese Eindrücke kann einem keiner nehmen. Außerdem wird einem (mir) durch das Reisen bewusst wie gut ich / wir es doch haben, das erdet.
    Ich nenne es übrigens nicht Flucht aus dem Alltag, sondern Pause vom Alltag.
    Ja, du wohnst in einer tollen Stadt, aber auch mir ist sie meist zu kalt. Auch ich bin ein Sonnenkind. Aber auch hier am Niederrhein kann es schön sein.

    Also, auf in die Sonne um von weiteren Urlauben zu berichten. Ich freu mich drauf.

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    1. Auf jeden Fall :) ...Urlaub ist mir viel zu wichtig, als dass ich darauf verzichten würde. Und du hast natürlich völlig recht, gerade die Reisen sind es, die mich mein Leben aus einer anderen Perspektive sehen lassen. In Südafrika, Marroko und Ägypten wurde mir doch sehr klar, in welch einem Wohlstand wir hier leben.
      Tatsächlich aber liegt es bei mir auch oft daran, dass ich nicht in der Lage bin meinen Alltag auszustellen, auch wenn ich zuhause Urlaub habe. Mir gelingt das erst, wenn ich wegfahre. Ich bin irgendwie unfähig mich hier richtig auszuklinken. Das führt zu häufigen Kurzurlauben, was ja auch nicht das schlechteste ist.
      Und wenn ich so darüber nachdenke, bin ich seitdem ich selber entscheiden konnte immer gereist. Sicher nicht so komfortabel wie heute, aber auch mit unseren Kindern haben wir immer ausgedehnte Reisen unternommen. Kurz gesagt, ich liebe es einfach.
      Deine Berichte und die Fotos über Andalusien sind wirklich sehr schön, vielleicht bleibt nächstes Jahr noch irgendwo eine Woche, um dahinzufahren. Oder, noch besser, vielleicht kann man nächstes Jahr mal wieder nach Ägypten.

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  2. Ich muss ja gestehen, dass ich nicht gerne meinen Urlaub zu Hause verbringe - es klingt nicht gut, aber ich empfinde es als "vergeudete Zeit". Das letzte Mal hab ich fast eine Woche mit dem Ausmisten meines Kellers verbracht - was hatte ich davon (außer einen sauberen Keller)???
    Auf Reisen vergeht die Zeit anders, in kurzer Zeit kann man so wahnsinnig viel Erleben. Alltag muss sein, aber Reisen ist irgendwie die Krönung vom Alltag.
    Und ich hab Fernweh, irgendwie bin ich schon ein wenig süchtig nach dem Wegfahren, nicht nur wegen der Eindrücke, auch für die Beziehung ist es immer eine gute Sache, da verbringen wir die Abende nicht jeder vor seinem Rechner :-D.

    Ich möchte Reisen nicht missen.
    LG!

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    1. Genau solche sinnfreien Geschichten mache ich dann auch immer, Schränke ausmisten, Fenster putzen, Garten aufräumen. Statt einfach alles so zu lassen, wie es ist und stattdessen auf den Michel zu klettern, eine Hafenrundfahrt zu machen, die internationale Gartenschau zu besuchen. Nichts davon habe ich in diesem Jahr gemacht und ich hatte einige Tage Urlaub zu Hause.
      Ich möchte Reisen auch nicht missen, es ist gut für die Seele. Und natürlich auch für die Partnerschaft, wie du so richtig sagst. Ich wünsche mir nur manchmal, ich könnte bewusster mit meiner freien Zeit zuhause umgehen.
      Einen lieben Gruß zurück.

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