Barcelona mit drei Generationen - la Sagrada Familia, die Rambles und Barcelonas Strand

Mit drei Generationen in den Urlaub zu reisen bedarf immer einer gewissen Vorbereitung. Wenn die Altersspanne zwischen 24 und 74 Jahren liegt, gilt es interschiedliche Bedürfnisse zu berücksichtigen. Nach Wien und Paris sollte es diesmal Barcelona werden. Barcelona?! Tatsächlich wusste ich relativ wenig darüber. Vor dreißig Jahren bin ich dort einmal auf dem Flughafen gelandet, war aber nur auf der Durchreise. Mit großer Wahrscheinlichkeit hätte ich sowieso nichts wieder erkannt. Barcelona scheint sich zur Austragung der olympischen Spiele 1992 neu erfunden zu haben und ist dabei trotzdem sich selber treu geblieben. Irgendwie ist es dieser Stadt gelungen ihr historisches Erbe zu bewahren und gleichzeitig ein absolut modernes Flair zu verströmen. Ein Widerspruch? Keinesfalls! Doch seht selber.

























Wir starten wie immer vom Hamburger Flughafen. Unser Flieger macht sich halbwegs pünktlich auf den Weg, der Rückenwind sorgt dafür, dass wir Barcelona bereits nach knapp zweistündiger Flugzeit erreichen. Da meine Tochter eine der Stewardessen kennt, werden wir besonders nett umsorgt und dürfen sogar auf einen Plausch mit den Piloten ins Cockpit. Schon beeindruckend, all diese blinkenden Lämpchen, Hebel und Knöpfe.
Weiter gehts mit dem Taxi, dass uns zu unserem Apartment direkt an der Sagrada Familia bringen soll. Der Taxifahrer nutzt die Zeit für wortreiche spanische Erklärungen, zu denen wir an uns angemessen erscheinenden Stellen einige aahs und oohs beitragen, ohne wirklich zu verstehen was er uns sagen will. Außer meiner Tochter vielleicht, die hatte vor Jahren Spanisch an der Schule. Doch wir folgen seinen Gesten und können dank so bekannter Worte wie "la playa" das eine oder andere hineininterprätieren. Für die Fahrt vom Flughafen bis zur Sagrada Familia im Stadtteil Eixample zahlen wir knappe 30 Euro. Das ist bei einer halbstündigen Fahrt durchaus angemessen, in Hamburg wäre es teurer.
Unser Apartment liegt im 6. Stock, ein kleiner Fahrstuhl fährt uns hinauf. Es ist groß, mit drei Schlafzimmern, was allen ein wenig Privatsphäre bietet, hat eine interessant geflieste Küche, einfach ausgestattet, ein großes Wohnzimmer und vor allem einen Balkon, der einen gigantischen Ausblick bietet. Die Sagrada Familia. Seit Jahrzehnten von Baukränen umgeben wird hier seit dem Jahr 1882 gebaut und die Fertigstellung dieser Kathedrale, Gaudis Schöpfung und Lebenswerk, ist immer noch in weiter Ferne. Und wir haben die nächsten Tage, wann immer wir möchten einen Blick darauf. Wahnsinn!
Schnell frisch gemacht, in etwas sommerlichere Bekleidung geschlüpft - hurra, hier sind Ende Oktober noch weit über 20° - und ab gehts die Stadt erkunden. Wir wollen Richtung Ramblas, der Flaniermeile Barcelonas.
Auf unserem Weg dorthin kommen wir an Fassaden vorbei, die glücklich machen. Zum Beispiel die des Casa Batlló, auch ein von Gaudi errichtetes Gebäude der Modernisme. Gewidmet der Legende des heiligen Georg, des Schutzpatrons Kataloniens, ist es einfach eine Augenweide. Und natürlich Unesco-Weltkulturerbe. 
Auch nebenstehende Häuser weisen Verzierungen auf, die wirklich besonders sind, vielleicht weil man sie einfach nicht erwartet. 
Doch auch anderes unerwartetes ziert hier die Gehwege. Wobei sich uns nicht erschließt wofür das Knochengestell hier eigentlich wirbt. Ist es eine Apotheke? Ist das dann wirklich eine gute Werbung? Oder nicht eher abschreckend? Nun ja...
Wir haben jedenfalls Hunger und setzen uns spontan an den Tisch eines Restaurants. Natürlich befinden wir uns völlig außerhalb der spanischen Essenszeiten, es ist ja grade mal fünf Uhr Nachmittag. Doch die scheinen Kummer gewohnt zu sein, hier gibt es auch zu dieser unüblichen Zeit etwas zu essen. Nicht unbedingt ein kulinarisches Highlight, aber ausreichend sättigend, so dass wir uns gestärkt wieder auf den Weg machen.


Die Rambles beginnen am Plaça de Catalunya und führen von dort hinunter bis zum Hafen. Sie sind vor allen Dingen eines, nämlich voll. Unzählige Menschen schieben sich den Boulevard hinunter, 78 Millionen
Menschen sollen hier jährlich flanieren, davon sind heute auf jeden Fall ziemlich viele unterwegs. Obwohl hier wirklich viel zu sehen ist, beschließen wir auf halber Strecke mit der U-Bahn zurück zum Apartment
zu fahren, wir sind irgendwie kaputt. Apropos U-Bahn. Barcelona hat ein wirklich ausgezeichnetes Nahverkehrsnetz und, wenn man sich die Zehnertickets am Schalter kauft, ist man wirklich auf der günstigen Seite. Zehn Tickets kosten knapp über 10 Euro, sie sind nicht personengebunden und man kann, einmal abgestempelt eineinviertel Stunden bis zu viermal umsteigen, um sein Ziel zu erreichen. Wirklich einfach!
Wir verbringen den Abend auf unserem Balkon mit Blick auf die angestrahlte Sagrada Familia bei leckeren spanischen Kleinigkeiten und einem guten Wein. Der nächste Tag wird der Sagrada Familia gewidmet.
So ein Tag beginnt ja eigentlich immer mit einem guten Frühstück. Unsere Idee ist das in einem der vielen Cafés in der avenue gaudi, an der unsere Wohnung liegt, zu uns zu nehmen. Dann müssen wir nicht selber im Apartment etwas zubereiten. Gesagt, getan!
Im Nachhinein lässt sich sagen, der Orangensaft und der Kaffee waren gut. Mit dem restlichen katalanischen Frühstück, bestehend aus einer Art Kartoffel-Ei-Quiches und geröstetem Brot mit Tomatenaufstrich, werden wir nicht richtig warm. Da müssen wir morgen früh etwas anderes suchen.
Heute haben wir Tickets für die Sagrada Familia. Die haben wir bereits vor einiger Zeit im Internet besorgt. Das kann ich wirklich jedem empfehlen, es ist absolut unkompliziert und erspart etliche Stunden Wartezeit, da man zu einer festen Zeit an einem Extraeingang die Kathedrale betreten kann. Die Webseite http://www.sagradafamilia.cat/sf-eng/docs_serveis/infoTarifesInd.php bietet eine englische Menuführung und verschiedene Möglichkeiten der Besichtigung.
Am Eingang ist alles super durchorganisiert. Erst Einlass, dann anstehen für den Audioguide, vor uns zwei junge Männern aus China, die sich über eine Unterhaltung sichtlich freuen, und dann geht es hinein. Hier möchte ich jetzt tatsächlich einmal die Bilder für sich sprechen lassen:



Durch den Lichteinfall der bunten Fenster wähnt man sich in einem Zauberwald. Moderne Elemente mischen sich mit historisch Bekannten, alles ist wie stets bei Gaudi dicht an die Natur angelehnt, die Säulen echten Bäumen nachempfunden, Verästelungen hoch oben zum Gewölbe hin, selbst ein Blätterdach ist angedeutet. Ich kann nur jedem Barcelonabesucher raten diese wunderbare Kathedrale nicht zu versäumen. Das tolle ist, wenn man nach zehn Jahren Barcelona erneut besuchen sollte, kann man hier sicher wieder neue Eindrücke sammeln, denn bis jetzt ist kein bauliches Ende in Sicht. Schon Gaudi hat über die Unmöglichkeit einer schnellen Fertigstellung lediglich gesagt: "Mein Kunde hat keine Eile." Ein weiser Mann.





















Wir haben außerdem noch den Turm bestiegen, nein, tatsächlich sind wir mit dem Fahrstuhl hinaufgefahren und müssen dann allerdings 330 Stufen über eine eng gewendelte Treppe wieder heruntersteigen. Eine andere Möglichkeit gibt es leider nicht, wer nicht mehr so gut zu Fuß ist, muss also unten bleiben. Doch da wir ja keine Eile haben, haben es alle geschafft, auch Oma. Es gibt immer wieder Möglichkeiten zum verschnaufen und um die schnelleren Treppengänger vorbeizulassen.
Von dort oben hat man einen wunderbaren Blick über Barcelona und auch auf unser Apartement, das direkt an der Ecke gegenüber liegt. Man kann immer mal wieder auf einen der Balkone mit irgendwie relativ niedriger Brüstung hinaustreten, um aus noch einem neuen Blickwinkel auf die lärmenden Straßen der Stadt hinabzusehen. Außerdem bekommt man einen völlig neuen Einblick in die Baustelle, das heißt man kann die Bauarbeiter bei ihren Arbeiten in luftiger Höhe bewundern.















































Nach so viel Kultur beschließen wir das gute Wetter für einen Strandbesuch zu nutzen, packen unsere Rucksäcke und machen uns auf den Weg. Natürlich ist
auch hier wieder der Fuß- gänger in uns ge- fordert, doch als wir Barce- lonas wunder- bare
Strandpromenade erreichen, belohnen wir uns erst einmal mit einer riesiger Pizza, die mit 10 Euro für diese exponierte Lage keineswegs zu teuer ist. Und auch noch lecker!
Danach gehts ab ins Mittelmeer, das zumindest für Norddeutsche noch eine angenehme Badetemperatur hat. Beim Trocknen in der Sonne können wir den verkaufsfördernden Gesängen der Strandläufer lauschen, nein, hierbei handelt es sich keinesfalls um einen Vogel. Laut "Mojito, Mojito","cool beer" oder "Massage" rufend,
versuchen hier zahlreiche Verkäufer ihre Ware an den Mann oder die Frau zu bekommen. Da kann es schon passieren, dass man plötzlich in ein Tuch gewickelt wird, das man gar nicht haben wollte.
Gut getrocknet machen wir uns erneut auf den Weg, an Sandkünstlern vorbei, die dicht an der Promenade kleine Kunstwerke gestalten.
Wir beschließen uns mit einer Fahrradrikscha zurück an das untere Ende der Rambles fahren zu lassen und bewundern den armen, relativ schmal gebauten Rikschafahrer, der bei unserem Gewicht ganz schön ins pusten kommt, sich aber nichts anmerken lässt. Er bekommt auch ein ordentliches Trinkgeld.
Ein Blick noch in den Hafen...

...einmal Kolumbus auf seiner Säule bestaunen, dann machen wir uns die Rambles hinauf auf den Rückweg. Am unteren Ende sind deutlich mehr Straßenkünstler und Maler zu finden, so dass die Bummelei durchaus kurzweilig ist. Mal sehen was der morgige Tag so bringt.


Kommentare:

  1. Barcelona ist so eine tolle Stadt. Ich war 2003 dort, da stand noch ein großes Gerüst in der Sagrada. Zwei von vieren sind damals zu Fuß den Turm hoch, was bei den Steigungen einen bösen Muskelkater zur Folge hatte. Blöd auch, dass wir das zu Beginn des Aufenthalts gemacht haben, ich habe mehrmals geflucht. Aber es hatte sich gelohnt.
    Neben der Sagrada Familia fand ich auch den Palau de la Musica Catalana wahnsinnig beeindruckend. Ach, eigentlich so vieles. Ich freue mich auf weitere Bilder von dir.

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    1. Da hatten wir ja Glück, dass wir nicht zu Fuß auf den Turm mussten, das hätte meine Mutter auf keinen Fall geschafft. Mit dem Fahrstuhl ist das schon recht komfortabel. Den Palau de la Musica Catalana fand ich auch total beeindruckend, hatte nur Probleme ihn anständig aufs Foto zu bekommen. In den schmalen Gassen ist das manchmal etwas schwierig. Insgesamt bin ich tatsächlich barcelonabegeistert, eine tolle Stadt! Und es kommen auch noch viel mehr Fotos. LG

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