Island - der Osten

Wenn man ein bißchen traurig ist, soll man sich an schöne Dinge erinnern. Also:
Standortbestimmung: Gästehaus Dynjandi in der Nähe von Höfn. Wir wollen heute weiter in den Osten bis kurz hinter Egilstadir. Nach unserem leckeren Frühstück mit ofenwarmen Küchlein und dem unübertroffenen isländischen Skyr versammeln wir uns mit unserer Gastgeberin Inga vor der Landkarte im Flur. Wir lernen: viele Wege führen nach Egilstadir, aber nicht alle sind wirklich gut zu befahren. Also je nach Fahrzeugtyp. Für die Fahrzeuge mit Allrad und die verwegenen Kleinwagenfahrer, die einen Autovermieter haben, der diese Strecke nicht ausdrücklich ausgeschlossen hat oder mit dem eigenen Fahrzeug unterwegs sind, bietet sich bei gutem Wetter die 939 "Öxivegur" an, die mit extremen Steigungen schon Ansprüche an den Fahrer stellt, aber gigantische Aussichten bieten soll und Kilometer spart. Dann gibt es die Ringstraße, auf der ein Teilstück von zirka 60 km leider noch nicht asphaltiert ist und den langen Weg, bei dem man diverse Fjorde komplett umrundet. Der aber durchgehend asphaltiert ist. Das Wetter ist mittelprächtig, die Wolken umschmeicheln die Berge - allerdings sehr tiefhängend, teilweise fast unterwürfig zu ihren Füßen. Kein Grund also das fahrerische Können zu testen, man würde sowieso nur Wolken sehen. Das Geholper auf den Schotterstrecken ist auch nicht unbedingt schön, also entscheiden wir uns für die entspannte Fjordstrecke.
Schon nach kurzer Fahrt merken wir, dass wir den touristischen Teil Islands verlassen haben. Es ist deutlich weniger los auf den Straßen. Die Strecke entpuppt sich als wunderschön, vor allen Dingen nachdem der frische Seewind die Wolken vertrieben hat. Ständig gibt es neue Ausblicke, mal fallen die Felsen schroff zum Fjord hin ab, mal ergießt sich eine blumenbesprenkelte Wiese sanft zum Meer hin. Wunderschön!
Wir lassen uns Zeit... und nur deshalb entdecken wir sie: die Rentiere des Weihnachtsmanns! Auf Sommerurlaub. Total entspannt liegen sie am Strand vor gigantischer Landschaftskulisse. Nur ihre Handtücher haben sie nicht dabei. Den Weihnachtsmann haben wir hier übrigens nicht gesehen. Aber auf den werden ich noch zu sprechen kommen. Später.
In Stöðvarfjörður oder Kirkjuból, wie der Ort verwirrenderweise auch heißt, treffen wir das erste Mal wieder auf eine Ansammlung von Autos und Reisebussen. Hier gibt es ein kleines privates Museum, das die riesige Steinsammlumg von Petra Sveinsdóttir beherbergt. Angesichts des Massenauflaufes entscheiden wir uns aber gegen einen Besuch und genießen stattdessen in einem Café oberhalb der Tankstelle des kleinen Ortes eine wunderbare Tortenkreation mit Blick auf den Fjord. Bestimmt absolut kalorienarm.
Egilsstadir erreichen wir am Nachmittag, der Himmel hat sich wieder zugezogen und es ist kühler geworden. Wir machen unsere Einkäufe und uns dann wieder auf den Weg. Unser Ferienhäuschen liegt 25 Kilometer außerhalb und wie wir feststellen ziemlich einsam auf einer großen Wiese des Vermieters. Wir hatten uns die Umgebung irgendwie anders vorgestellt, aber nun machen wir das Beste daraus. Nämlich erstmal was zu essen. Und dann ausgiebig Pause.
Heute wollen wir uns auf den Weg nach Bakkagerði am Fjord Borgarfjörður eystri machen. Ein kleines Nest am Ende der Welt, zirka 100 Einwohner soll es haben und die Residenz der Elfenkönigin und ihres Hofstaates soll dort liegen. Und zwar unter dem Felsen Álfaborg. Klingt spannend. Also nichts wie los.
Schon der Weg dorthin ist ein Traum, obwohl oder vielleicht auch grade weil es schmale Schotterstrecken sind, die uns hügelauf - hügelabwärts unserem Ziel näher bringen. Der Ort ist nur über einen nicht asphaltierten Pass zu erreichen, der allerdings gut zu befahren ist. Als wir die Passstraße hinauffahren haben wir strahlenden Sonnenschein, auf der anderen Seite hängt dann der Nebel zwischen den Bergen fest.
Es ist frisch als wir unseren Wagen abstellen, also verziehen wir uns erstmal in das rustikale und besonders dekorierte Álfacafé. Da wir inzwischen Mittagszeit haben, versuchen wir die wunderbare Fischsuppe, von der zusammen mit frischem Brot und Butter, Wasser und Kaffee so viel genommen werden kann, wie man möchte. Absolut köstlich. Und umgerechnet 15 Euro pro Person sind auch nicht zuviel dafür.
So gestärkt ersteigen wir den eher unspektakulären Elfenhügel, den ich tatsächlich wenig geheimnisvoll finde. Ich als Elfe hätte mir einen anderen Ort gesucht. Naja, aber ich bin insgesamt eher wenig elfenhaft und habe schon deshalb wahrscheinlich keine Ahnung.
Der Ort hat aber noch mehr zu bieten. Unweit des Álfacafés ist noch ein altes hölzernes Fischtrockengestell in Betrieb, allerdings baumeln hier heute hauptsächlich Fischköpfe, die mit leeren Augen in die Weite gucken. Auch ein altes, pittoresk wirkendes, grasgedecktes Torfhäuschen steht hier noch.
Wir statten der kleinen Bankfiliale noch einen Besuch ab, denn einen Geldautomaten suchen wir hier vergeblich. Nachdem wir artig unsere Schuhe im Vorraum ausgezogen haben, tapsen wir auf Socken an den Schalter, um etwas Geld abzuheben. Unser Ferienhäuschen müssen wir nämlich in bar bezahlen und haben soviel Bares nicht mehr in der Tasche. Man gewöhnt sich schnell daran jeden noch so kleinen Betrag mit der Karte zu bezahlen.
Danach verlassen wir den kleinen Ort, folgen der Straße, die uns zu einem winzigen Hafen führt. Dort gibt es eine Beobachtungsplattform oben in den Klippen und wir haben unsere Hoffnung auf verspätete Papageientaucher immer noch nicht aufgegeben. Doch leider sind auch hier keine mehr zu finden, sie haben sich alle schon wieder auf die Weiten des Atlantiks verzogen. Schade!
Auf dem Rückweg gibt es Kaffee und Kekse auf einer wilden Wiese, die einsam in der Stille liegt. Hier sind außer uns keine anderen Reisenden unterwegs. Langsam kommt auch die Sonne wieder durch. Man braucht auf Island nur wenige Kilometer fahren und kann plötzlich ganz anderes Wetter haben. Kurz vor unserem Ferienhaus liegt am Straßenrand mitten im Grün unverhofft eine rekonstruierte Torfkirche. Wunderschön!

Wir haben noch einen weiteren Urlaubstag in unserem kleinen Ferienhäuschen, den wir aber faul in der Sonne verbringen. Heute kein Fahren. Keine Besichtigungen. Keine Wanderungen. Nur die Sonne. Die Wiese. Das Buch. Muss auch mal sein. Schließlich geht es morgen schon wieder weiter Richtung Akureyri. Schon auf der Strecke dorthin sind unzählige Dinge, die man gesehen haben sollte. Ich bin schon gespannt...






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