Eine Reise nach Polen - Darłowo und Łeba - oder Landstraßen, Baustellen und Jahrmarktstrandkultur

Jetzt habe ich hier so lange keinen Reisebericht mehr geschrieben, dass ich mir gar nicht sicher bin, ob ich das noch kann. Es wird Zeit es wieder einmal zu versuchen.
Meist fahre ich mit einer bestimmten Vorstellung von einem Reiseland in den Urlaub. Die Vorstellung resultiert aus vorherigen Reiseerfahrungen, Reiseführern über das Land, Berichten, die ich irgendwo mal gelesen oder gesehen habe, Unterhaltungen mit Menschen, die aus diesem Land kommen oder auch aus Fotos und Filmbeiträgen. In der Regel ist meine Vorstellung nicht so furchtbar weit von der Realität entfernt. Manchmal liege ich aber auch völlig daneben.
In diesem Sommer haben wir zwei Wochen lang die polnische Ostseeküste und Masuren bereist. Ist ja gar nicht so weit weg, habe ich gedacht. Ein Nachbarland, sozusagen um die Ecke... Tja, weit gefehlt!
Danzig
Entfernungen sind in Polen nicht das was bei uns Entfernungen sind. Jedenfalls nicht wenn man mit dem Auto fährt. Als Fußgänger mag das vergleichbar sein...
Für die ersten knapp 400 Kilometer bis zur polnischen Grenze benötigen wir in der Frühe nur etwas über drei Stunden Fahrzeit. Dann aber erwarten uns polnische Landstraßen, in unterschiedlichsten Erhaltungsstadien, die durch jedes noch so kleine Kuhdorf führen, das sich auf dem Wege finden lässt und darüber hinaus mit Baustellen gespickt sind, wie ich sie bisher nur aus Südafrikaurlauben kannte. Eine sehr besondere und etwas lähmende Erfahrung, wenn eine Spur abwechselnd mit dem Gegenverkehr geteilt wird. Wartezeiten von einer halben Stunde sind da nichts ungewöhnliches, so dass wir für die verbleibenden 200 polnischen Kilometer bis Darłowo (dt. Rügenwalde) dann auch nochmal 5 Stunden brauchen. Wer mich und meine Ungeduld kennt, kann sich vorstellen wie begeistert ich grade von den vielen Baustellen war. Mein Verständnis für den Ausbau der polnischen Infrastruktur ist zu diesem Zeitpunkt eher zurückhaltend bis nicht vorhanden, auch wenn ich jetzt im Nachhinein nachvollziehen kann, dass die antiquierten Straßenverhältnisse an das jetzige Verkehrsaufkommen angepasst werden müssen. Doch so quählen wir uns hinter stinkenden Lastwagen mit Tempo 40 durch die Dörfer und ich fühle mich um Jahrzehnte zurückgeworfen in die Zeit meiner Kindheit...
Irgendwann am Nachmittag kommen wir aber schließlich an, beziehen unser Zimmer und machen uns mit den Fahrrädern auf den Weg zum Strand. Natürlich auch mit einer bestimmten Vorstellung im Kopf. Um dann kurze Zeit später mit den Rädern in einer Menschenmenge auf einer Art Jahrmarkt zu stehen. Was ist das?
Plüschtiere am Strand von Darłowo
Tatsächlich entpuppt es sich als Strandpromenade, die mit Buden voller Plüschtieren, Fahrgeschäften in kreischenden Farben und jeder Menge Fress - und Saufbuden dem Strand vorgelagert ist. Ob das hier der Norm entspricht? Hoffentlich nicht! Wir fühlen uns etwas befremdlich, als wir uns zwischen den vielen bunten Windschutzgestellen im wirklich feinen, weißen Sand niederlassen, um noch eine mitgebrachte Kleinigkeit zu essen. Sehen dem Strandleben noch eine Weile zu, bevor wir uns auf den Rückweg machen.
Und dabei über die nächste polnische Besonderheit stolpern. Ich will sie mal Ausflugskogge nennen. So ein Gefährt, augenscheinlich einer Hansekogge nachempfunden, dümpelt nämlich mit lauter musikalischer Beschallung an uns vorbei Richtung Hafeneinfahrt. Ob das Herrn Störtebeker oder einem etwaigen polnischem Pendant gefallen hätte? Ich bin mir nicht sicher.
Darłowo ist nur als Zwischenstop gedacht auf dem Weg zum slowinzischen Nationalpark mit seinen Wanderdünen. Und das ist auch gut so, denn allzuviel hat der Ort nicht zu bieten. Es gibt allerdings ein Schloss, das als solches nicht unbedingt zu erkennen, aber der Geburtsort von Erik dem Wikinger sein soll. Kennt ihr nicht? Der hat für einen kurzen Zeitraum die Geschicke der Dänen, Schweden und Norweger als König gelenkt, bevor er von den dortigen Reichsräten abgesetzt und verjagt wurde, um fortan lieber als Pirat die Handelsschiffe auszurauben. Irgendwo soll er wie jeder Pirat, der was auf sich hält, natürlich auch einen Schatz versteckt haben, allerdings wurde auch der - natürlich - bisher nicht gefunden. Das Schloss hat am späten Nachmittag nicht mehr geöffnet, also keine Möglichkeit mehr nachzuprüfen, ob sich dort noch irgendwo ein Schatz befindet.
Schloss von Darłowo
Nachdem wir erkundet haben, was es hier zu erkunden gibt, lassen wir uns am Wasser nieder bei leckerem Essen und polnischem Bier. Das ist übrigens absolut süffig und außerdem in den unterschiedlichsten Geschmacksvarianten zu bekommen. Und versöhnt uns ein wenig mit den polnischen Straßenverhältnissen und der seltsamen Strandkultur.
Um unser nächstes Ziel -  Łeba - zu erreichen, haben wir uns eine Alternativstrecke rausgesucht, natürlich auch alles Landstraßen, aber solche, die kleiner und deshalb weniger befahren sind. Löcher haben die zwar auch und zwar gar nicht mal so wenig, aber man kann diese häufig ganz alleine genießen. Erstaunlich, dass unsere Fahrräder auf ihrem Träger diese Schaukelei so unbeschadet überstehen.
Unterwegs machen wir einen Abstecher ins Freilichtmuseum Slowinzisches Dorf, das man in Kluki finden kann, einem verschlafenem Weiler mit vielleicht 300 Einwohnern. Eine alte Dame in oranger Warnweste winkt uns auf ihr Grundstück und bietet uns einen Parkplatz an, den Preis dafür zählt sie mit ihren Fingern ab, 5 Zloty sollen wir zahlen. Offizielle Parkplätze gibt es nicht und die wenigen Menschen hier verdienen sich damit etwas dazu.
Das Freilichtmuseum liegt auf beiden Seiten der kopfsteingepflasterten Dorfstraße verträumt in der Sonne, eingerahmt von einem alten Holzzaun. In den mit bunten Blumen geschmückten Gärten summen die Bienen, eine in Tracht gekleidete Frau sitzt mit einem Akkordeon vor einem der Fachwerkhäuser und spielt alte Weisen, Fischernetze sind zum Trocknen aufgehängt, an einer Stallwand stehen gebundene Garben im Schatten und der Duft von Getreidekaffee steigt uns aus einer offenen Tür in die Nase. Wir dürfen probieren und sitzen eine Weile auf einer Holzbank in der Sonne, neben uns trocknen die Torfballen fürs Feuer. Hach, wie beschaulich! So hatte ich mir Polen vorgestellt und sicher habt ihr Recht, wenn ihr jetzt denkt: wie naiv... Aber hier ist es einfach schön. So friedlich!
Es sind nur wenige Besucher hier, die meisten davon sind Polen oder haben auf jeden Fall einen polnischen Hintergrund. Damit haben sie den Vorteil, dass sie die Informationstafeln lesen können, die leider ausschließlich auf polnisch sind. Wir können das nicht und holen uns die Infos aus unserem Reiseführer. Bis zum Ende des 2. Weltkriegs lebten in dieser Gegend die Slowinzen, deren Alltagskultur hier in den restaurierten Höfen dargestellt wird. Wegen ihrer deutsch klingenden Nachnamen flüchteten viele von ihnen aus Furcht vor russischer Vergeltung.
In den kleinen Räumen, durch die wir streifen, gibt es für mich viel Vertrautes. Möbelstücke, Bilder, Haushaltsgegenstände erinnern mich an die Einrichtung meiner Großmutter, tickende Uhren und gehäkelte Möbeldeckchen lassen verschüttete Erinnerungen aufsteigen. Ein aus der Zeit gefallener Ort, dessen Besuch ich auf jeden Fall empfehlen kann.
Łeba entpuppt sich als Ostseetouristenort mit dem typischen Jahrmarktstrandleben, das so gar nicht unser ist. Wir sind froh, dass unsere Unterkunft ein wenig außerhalb am Yachthafen liegt, denn dort ist es vergleichsweise ruhig. Den ersten Abend nutzen wir, um uns mit einem Glas Rotwein den Sonnenuntergang von einer Ostseedüne aus anzusehen. Das ist übrigens nicht erlaubt - also das mit dem Alkohol am Strand, allerdings scheint sich hier niemand dran zu halten, wir auch nicht.
Der Hauptgrund unseres Aufenthaltes hier ist aber der slowinzische Nationalpark mit seinen Wanderdünen. Dorthin machen wir uns am nächsten Morgen mit unseren Fahrrädern auf den Weg. Knappe 8 km radeln wir durch Kiefern - und Mischwald, links von uns blitzt gelegentlich das Wasser des Jezioro Łebsko durch die Bäume, ab und zu überholt uns ein vollbesetztes Elektrofahrzeug, das die Touristen aus  Łeba an den Fuß der Dünen bringt. Sechs Quadratkilometer groß soll das Dünengebiet inzwischen sein, die Dünen bis zu 40 Meter hoch und wandern tun sie bis zu 10 Meter pro Jahr. Wir sind schon ganz gespannt, als wir unsere Fahrräder am anschließen.
Steil gehts bergauf, das Laufen im feinen, weißen Sand ist ganz schön anstrengend. Oben angekommen kann man erst ermessen welch großes Gebiet diese Sanddünen bereits erobert haben. In weiter Entfernung stehen wie an einem Skihang Gruppen junger Leute, die sich gern mal in die Tiefe hinabtrudeln lassen.
Baumwipfel ragen aus dem Sandmeer wie mahnende Finger, manche mit, manche ohne Blätter. Unten im Wald stehen kleine Wassertümpel, die ein oder andere Mücke verirrt sich auch gerne mal hier hinauf, um die Besucher zu piesacken.
Über die Dünen gelangt man irgendwann an den wunderbaren Ostseestrand, allerdings sollte man die Strecke nicht unterschätzen, man ist schon eine Weile unterwegs. Wir haben Badesachen mitgebracht und machen eine ausgiebige Badepause. Etwas zu trinken oder etwas essbares sollte man auch selber mitbringen, hier im Nationalpark gibt es glücklicherweise keinen Jahrmarkt am Strand und dementsprechend auch keine Getränke oder Speisen. Dafür weißen Sand, Wellen und kühles Ostseewasser. Ein Ausflug, der sich lohnt.
Auf dem Rückweg durch den Wald besuchen wir noch eine Art Raketenabschuss-Freilichtmuseum. Allerdings überzeugt uns diese Ausstellung überhaupt nicht. Alle Informationen sind lediglich auf polnisch und irgendwie wahllos wurden dort  Raketen aus unterschiedlichsten Perioden ausgestellt. Manche rosten mehr oder weniger vor sich hin. Außerdem gibt es noch einen Aussichtsturm, dem die Aussicht fehlt und Militärfahrzeuge, die nichts mit Raketen zu tun haben. Und eine Menge Menschen, die jede Art von Waffen begeisternd finden. Wir suchen auf jeden Fall schnell wieder das Weite.
Den Abend verbringen wir dann im Yachthafen, essen etwas leckeres, während das unvermeidliche Piratenkoggenschiff in der Ferne vorbeidümpelt und mit seinen Bässen ganz Łeba beschallt. Oben im Mast tanzt ein Selbstdarsteller mit freiem Oberkörper - übrigens scheinen Polens Männer gerne ihren Oberkörper zu zeigen, und zwar unabhängig vom Bauchumfang - und feuert seine Mitreisenden an es ihm gleichzutun. Und ich wünsche mich kurzfristig in den Frieden des slowinzischen Freilichtmuseums zurück. Wo die Störche klappern, die Bienen summen und das ganze lediglich von Akkordeonklängen untermalt wird. Morgen gehts dann weiter Richtung Danzig. Mal sehen wie Polens größere Städte so sind.





Tembe besuchen ist wie nach Hause kommen

Alles was zu sagen ist, wird in diesem Video gesagt...


Eigentlich könnte ich gleich wieder los...

Eine Woche in Luxor - bewegte Bilder...

Und hier gibt es jetzt für alle Interessierten eine filmische Zusammenfassung unserer Urlaubswoche in Luxor:



Ich hoffe, dass es euch gefallen hat.



Ägypten geht auch anders - eine Woche Luxor (Teil 1)

Meine letzten Berichte bestanden eigentlich hauptsächlich aus Videos,so geht es natürlich auch nicht, obwohl mir das tatsächlich im Moment echt Freude bereitet. Jetzt gibt es aber mal wieder einen richtig geschriebenen Bericht. Über unsere Woche in Luxor.
Die meisten Leute, die Urlaub in Ägypten machen, findet man am roten Meer pauschalurlaubend in All-inclusive-Hotels. Das haben wir natürlich auch schon gemacht, man hat zuverlässig Sonne, Wärme, Wasser in Badetemperatur, Fische zum gucken und ist wunderbar umsorgt. Doch wenn ich an Ägypten denke, ist Hurghada nicht der Ort, den ich meine. Mein Ägypten liegt an den fruchtbaren Ufern des Nils. Diesem Fluss ohne den Leben in Ägypten nicht vorstellbar scheint. Der vor Jahrtausenden hier eine Hochkultur entstehen ließ, auf deren Spuren wir auch heute noch allerort stoßen. Deren Geschichte sich mir vor inzwischen 40 Jahren (Gott, bin ich alt...) irgendwie tief ins Herz geschlichen hat, so dass dieses Land für lange Zeit mein unereichtes Traumreiseland blieb. Und auch jetzt, wo ich schon viele Male dort war, kehre ich immer wieder gerne zurück.
Wir wohnen auf der westlichen Seite des Nils, der Seite der Toten. Warum die Seite der Toten? Die alte Stadt Theben mit ihren angeblich hundert Toren lag am östlichen Nilufer, hier lebten die Menschen,  doch die Toten wurden im Westen bestattet, dort wo die Sonne untergeht, hier finden wir all die bedeutenden Gräber und Totentempel.
Heute findet man hier das eher ländlich geprägte Ägypten, manchmal auch ziemlich kreativ ausgestaltet, es ist meist ruhig und friedlich zwischen den irgendwie immer unfertigen Häusern. Unser Hotel liegt in einer kleinen, ungepflasterten Gasse, hier sind Hühner auf der Straße oder auch mal auf den Dächern, man hört die Rufe von Eseln und Kühen, Kinder spielen im Staub, Männer sitzen rauchend auf kippeligen Stühlen im Schatten, Katzen beäugen uns von den Mauern und der Ruf des Muezzin legt sich über das Ganze wie eine vertraute Decke.
Wenn wir nach Luxor hinüberfahren wollen, nutzen wir die Fähre. Touristen findet man hier nicht so viele, die meisten nehmen eher eines der Motorboote, um die Seite zu wechseln, wir aber zahlen gerne 1 ägyptisches Pfund ( zirka 0,05 € ) für die Fahrt, und sitzen dann auf Holzbänken zwischen winkenden Schulkindern, die uns freundlich angrinsen,  kopftuchumhüllten Frauen mit prall gefüllten Einkaufstaschen und ins Gespräch vertiefte Männer in Galabiyas oder westlicher Kleidung. Die Fähre verkehrt 24 Stunden am Tag, günstiger kann man den Nil nicht überqueren.
Was man in Luxor machen kann? Das was man in den meisten Städten so macht, nämlich die Sehenswürdigkeiten besichtigen. Haben wir natürlich auch gemacht. Als erstes in den Luxortempel. Wir starten früh am Morgen, da es wenig Sinn macht bei 35° oder mehr durch die Tempel zu streifen. Stellen fest, dass sich seit unserem letzten Besuch doch einiges verändert hat. Die Wiederherstellung der schnurgeraden Sphinxallee, die einst den Karnaktempel mit dem Luxortempel verband, ist schon ziemlich fortgeschritten. Das zeigt sich auch darin, dass allein während unseres Aufenthaltes eine weitere Verbindungsmöglichkeit zwischen Nilufer und Innenstadt verschwand, der Übergang, den wir am ersten Tag noch nutzten, ist an unserem letzten Tag einfach weggerissen, Autos und Kutschen kommen nicht mehr hinüber, die Menschen klettern die Böschung allerdings noch hinab und wieder herauf. Die Stadtbevölkerung, die mit ihren Häusern, Moscheen und koptischen Kirchen für diese Verbindung wird weichen müssen, ist wahrscheinlich nicht so begeistert von diesem Vorhaben.
An dem Bau dieses Tempels waren so allerhand Pharaonen beteiligt, Amenophis III. (1390-1353 v. Chr. ) errichtete den Tempel auf irgendetwas Altem, das hier bereits stand, sein Sohn Echnaton baute eifrig weiter, der so jung gestorbene Tut-Anch-Amun hatte seine Finger im Spiel und der ewig und überall anzutreffende Ramses II. mit seiner unendlich lang andauernden Regierungszeit hat sich natürlich auch verewigt. Sogar Alexander der Große war tausend Jahre später hier noch aktiv. Was fühle ich mich klein zwischen den Säulen all dieser geschichtlichen Größen.
Über die Jahrtausende fanden auch die verschiedensten Religionen hier ein Zuhause, schon im alten Ägypten wurde die vielfältige Götterwelt einmal kurzfristig ausgehebelt, als Echnaton die Götter auf den einen Sonnengott Aton reduzieren wollte. Was nicht von Dauer war. An den Wänden des Tempels finden sich Überreste christlicher Kirchenmalerei, oben auf den Mauern thront die Moschee Abu el-Haggag. Zum Zeitpunkt ihrer Errichtung war der Luxor-Tempel nämlich unter dem Sand begraben.
Übrigens kann man diesen Tempel auch im Dunkeln besuchen, da er bis 21 Uhr geöffnet ist. Das haben wir auch gemacht und es ist auf jeden Fall empfehlenswert.
Den Karnak-Tempel muss man natürlich auf jeden Fall besuchen, das ist der Tempel der Superlative. Hier hat wohl jeder Pharao, der auf sich hielt, irgendetwas hinzugefügt, umgebaut, je nach Sympathie auch mal etwas abgeschlagen und durch seinen eigenen Namen ersetzt. Im Grunde genommen eine Jahrtausende währende Super-Baustelle. Als Tipp: Wer in Luxor weilt, sollte seinen Besuch so planen, dass er vor 10 Uhr liegt. Dann nämlich treffen die Reisebusse aus Hurghada mit Hunderten von Tagestouristen ein und der Karnak-Tempel sieht in etwa so aus...
Wer aber bereits um 6 Uhr zu Beginn der Öffnungszeit da ist, der kann fast allein zwischen den hohen Säulen herumstreifen. Allerdings muss man wissen, dass keine Ticketoffice morgens in der Frühe schon Wechselgeld hat, da ist Kreativität gefragt. Wir haben uns das Wechselgeld oft erst geholt, wenn wir den jeweiligen Tempel wieder verlassen haben, zuvor hatte der Ticketofficemann das auf unserem Ticket quittiert. Das hat jedes Mal großartig funktioniert.
Zwischen all diesen gigantischen Säulen des Karnak-Tempels, den 134 Papyrusbündelsäulen im Säulensaal, fühle ich mich vor allen Dingen... klein. Unvorstellbar, wie all das vor Jahrtausenden mit den einfachsten Mitteln errichtet wurde.
Wer hier übrigens die ausgetretenen Touristenpfade verlässt, findet auch im ansonsten vollen Tempel noch einsame Orte. Am heiligen See kann man entspannt sitzen und mit Blick auf denselben einen Kaffee trinken. Wir sind auf unseren Streifzügen auf den westlich gelegenen Chons-Tempel gestoßen, den wir nur mit zwitschernden Vögeln teilen mussten, sonst war dort kein Mensch unterwegs.
Hier muss in den vergangenen Jahren ordentlich restauriert worden sein, wirklich farbenprächtige Reliefs schmücken die Wände.
Doch wenden wir uns nun der westlichen Seite des Nils zu. Theben-West oder Bar el-Gharbi, wie die Einheimischen sagen, was nichts anderes als Westseite bedeutet.Hier haben wir die meisten Besichtigungen mit dem Fahrrad gemacht. Ja, Fahrräder kann man mieten. Sie entsprechen vielleicht nicht unbedingt deutschem Standart, aber sie fahren, man ist relativ unabhängig beim Sightseeing und kommt auch eher mal mit der Bevölkerung in Kontakt. Wer mit dem Taxi oder Reisebus unterwegs ist, hat diese Möglichkeit wahrscheinlich nur eingeschränkter.
Wir haben unsere Besichtigungen in die frühen Morgenstunden verlegt, da es uns nach elf Uhr zum Radfahren dann doch zu heiß war. Die meisten Tempel und Gräber und auch die Ticket-Office öffnen aber bereits um 6 Uhr, insofern ist das kein Problem.
Hier gibt es übrigens nicht nur die Gräber im Tal der Könige, die man besichtigen kann, sondern noch unendlich viele andere. Man könnte meinen, dass das gesamte Gebirge durchlöchert ist, so viele Eingänge kann man unterwegs entdecken. Natürlich waren wir im Tal der Könige, inzwischen bereits zum dritten Mal und trotzdem ist es immer wieder neu. Das liegt unter anderem daran, dass nicht immer die gleichen Gräber geöffnet haben. Diesmal tun sich die Gräber von Merenptah, Ramses III. und Tausret und Sethnacht für uns auf. Ein jedes ein Augenschmaus.
Fotografieren ist im kargen Tal der Könige und in den Gräbern streng verboten... es sei denn man hat ein Fotopermit. Das kann man vorher an der Kasse kaufen, wir haben das leider versäumt. Tatsächlich wird das auch stark kontrolliert und ich kann nur jedem davon abraten ohne Permit Fotos zu machen. Drei Gräber sind im Ticket inklusive, für die Besichtigung des Grabes von Tut-Anch-Amun zahlt man noch einmal extra.
Tatsächlich gefallen mir die kleinen Gräber in Deir-el-Medina irgendwie noch viel besser. Hier haben die Arbeiter am Hang über ihrer Siedlung ihre eigenen Gräber angelegt, sozusagen nach Feierabend. In diesen Gräbern finden sich viel mehr Szenen aus dem alltäglichen Leben, die Farben wirken oft noch so frisch, als wären sie grad gemalt. Und auch hier darf man nicht fotografieren. Eigentlich. Doch jeder der für die einzelnen Gräber zuständigen Führer bietet genau das an, allerdings unter dem Siegel der Verschwigenheit und gegen ein ordentliches Bakschisch. Im Endeffekt kann das teurer werden, als so ein Fotopermit für das Tal der Könige...
Wo wir sonst noch so waren? Natürlich auch im Tal der Königinnen, an den Memnonkolossen, im Hatschepsuttempel, im Carterhouse und in meinem Lieblingstempel, dem Totentempel von Ramses III., Medinet Habu. Das ist nicht nur der größte heute noch erhaltene Tempel in Theben West, sondern auch der Tempel mit den am Besten erhaltenen Farben. Denn schließlich waren all diese Tempel früher mal richtig bunt, man kann es sich kaum vorstellen.
Ich denke, ihr habt jetzt genug Säulen gesehen, obwohl das wirklich nur ein Bruchteil dessen ist, was wir fotografiert haben. Und das was wir fotografiert haben, ist nur ein Bruchteil dessen, was man in und um Luxor herum finden und besichtigen kann. Wochen könnte man hier verbringen und hätte immer noch nicht alles gesehen...
Aber einen Tempel habe ich noch. Das Ramesseum. Den Totentempel Ramses II. Der mit der ewig langen Regentschaft. Von seinem Totentempel blieben leider eher bescheidene Ruinen erhalten. Doch gerade das macht den Reiz dieses Tempels aus. Er ist so unperfekt und man braucht ein wenig Fantasie, um sich vorzustellen wie er einst erhaben vor der grandiosen Kulisse der kargen Felsenwände stand.
Wir sind früh am Morgen dort und werden nur vom Zwitschern der Vögel begleitet. Niemand begleitet uns oder erklärt ungefragt etwas, das wir schon wissen oder gar nicht wissen möchten, keiner erhofft ein Bakschisch von uns. Es ist seltsam ruhig und friedlich hier, während wir durch die Überreste dieses einstmals großen Tempels streifen. Ich kann einen Besuch hier wirklich nur empfehlen.
Natürlich haben wir noch viel mehr gemacht. Einen Ballonflug zum Beispiel. Eine Felukenfahrt. Mit dem Fahrrad den Nil entlang, das ländliche Ägypten kennengelernt. Doch davon will ich dann später berichten. Wir lesen uns.

Mit der Feluke auf dem Nil

Tatsächlich habe ich es versäumt dieses Video hier zu verlinken, das wird jetzt nachgeholt. Am späten Nachmittag haben wir einen Spaziergang am Nil gemacht, das Licht war schon ein bisschen golden und die Sonne brannte nicht mehr gar so doll. Am Nil liegen viele Boote vertäut, Motorboote genauso wie die traditionellen Feluken. Unten am Nil sahen wir zwei Feluken vertäut am Ufer liegen, fast als hätte jemand versucht ein idyllisches Bild zu kreieren. Und um den normalen Ablauf mal umzukehren, haben wir den jungen Mann mit der Feluke angesprochen, nicht wie sonst üblich andersherum.
Ja, und mit ihm sind wir dann gefahren. Gleich zweimal, weil es so schön war. Wenn ihr nach dem Video auch Lust verspürt, ihr findet ihn und seine Prensesa Warda gegenüber des Winter Palace Hotels an der westlichen Nilseite.
Viel Spaß beim gucken...




Mit dem Ballon über Luxor

Ich war mir nicht sicher, ob ich mich trauen würde in so einen kippeligen Ballonkorb zu steigen. Und dann noch in Ägypten, wo die Sicherheitsvorkehrungen nicht immer das schaffen, was man sich davon verspricht, nämlich Sicherheit.
Doch was soll all das Nachdenken darüber, manchmal ist es gut einfach ins kalte Wasser zu springen, also in diesem Fall in den Ballonkorb zu krabbeln. Schließlich nutze ich jede Menge anderer Verkehrsmittel ohne mir darüber Gedanken zu machen was alles passieren könnte. Und was soll ich sagen? Ich bin so froh es getan zu haben. Ein großartiges Erlebnis. Noch dazu mit dem Eindruck mich in befähigten Händen zu befinden, denn unser Ballonfahrer war ein absoluter Profi und die restliche Crew absolut professionell.
Fasst euch ein Herz. Traut euch. Wir haben 80 Euro für diesen Flug bezahlt, hier in Deutschland bekommt man dafür wahrscheinlich grad ein Bahnticket...
Und jetzt begleitet uns auf unserem Flug... wenn ihr mögt




Wie ist eigentlich so eine Safari? Ein Tag im Hluhluwe-Imfolozi Nationalpark

Jeder Safaritag ist anders und jeder auf seine Weise schön. Dieser hier im ältesten Nationalpark Südafrikas wird mir auf jeden Fall in Erinnerung bleiben. Vielleicht habt ihr Lust uns zu begleiten?