Der Sanipass - von Südafrika nach Lesotho - ein letztes Abenteuer

Diese Passstraße, die den Osten Lesothos mit Südafrikas Provinz KwaZulu-Natal verbindet - die einzige Passstraße übrigens -  führt hinauf in die Drakensberge auf eine Höhe von 2873 Meter über den Meeresspiegel. Unendliche viele Serpentinen warten dort auf den Reisenden, die letzten 1330 Höhenmeter werden auf einer Länge von 6,5 km mittels zahlreicher haarstäubender Haarnadelkurven überwunden. Damit ist der Pass der drittsteilste der Welt. Und natürlich ist er nicht asphaltiert.
Wir waren uns nicht sicher, ob wir das schaffen können. Aber wir hatten einfach keine Lust eng aneinandergepresst und schwitzend bei einer organisierten Tour in einem Fahrzeug durchgeschüttelt zu werden, noch dazu ohne die Entscheidungsmöglichkeit an den Stellen zu halten, um zu fotografieren oder was auch immer, an denen wir das für richtig halten.
Also haben wir es versucht...



Der Tembe Park - feels like coming home...

Der Tembe Elephant Park im Maputaland, unweit der Grenze zu Mosambik und dem indischen Ozean, ist einer der Orte, die wir in Südafrika tatsächlich jedes Mal besucht haben. Und obwohl sich im Laufe der Jahre vieles verändert hat, ist es immer ein wenig das Gefühl, als würde man nach Hause kommen.
Vor einiger Zeit habe ich ein Video über den Park gemacht, das ich bisher hier noch nicht eingestellt habe. Das wird jetzt hiermit nachgeholt. Vielleicht mögt ihr einmal schauen...


( unbezahlte Werbung, da Orts- und Lodgenennung )

3 Generationen auf Rügen

Meine Tochter hat mit mir gemeckert... Dass ich noch nicht über unseren letzten Frauenausflug hier berichtet habe. Und Recht hat sie. Das habe ich tatsächlich noch nicht. Dabei ist das inzwischen bald ein Jahr her. Das geht natürlich gar nicht, deshalb hole ich es hiermit nach.
Versetzt euch also aus diesem verregneten Märzsonntag in den Juni des vergangenen Jahres. Ja, ihr habt es richtig in Erinnerung, heiß war es. Aber das ist ja nicht schlimm. Wir haben zwar ein altes Auto, aber eine Klimaanlage hat das Teil schon. Außerdem haben wir es ja nicht weit. Nach Rügen soll es gehen und das schafft man von Hamburg aus in weniger als drei Stunden.
Denken wir. Während wir sorglos unser Picknick an der Autobahnraststätte zu uns nehmen. Glücklicherweise im Schatten. Aber wir haben unsere Routenberechnung ohne die problematische A 20 gemacht. Die ist zwar für eine Autobahn relativ neu, aber trotzdem schon ziemlich marode. Ein Teil der Straße hat sich in den letzten Jahren in ein sandiges Loch verabschiedet und scheint nicht so richtig reparabel. Am moorigen Untergrund soll es liegen. Was aber nun zu tun sei, ist eher strittig.  Und so wird der Autobahnverkehr geschickt umgeleitet. Mitten durch den kleinen Ort Langsdorf wälzen sich nun also bis zu 100.000 Fahrzeuge. Täglich wohlgemerkt. Die armen Bewohner, denkt man da sofort. Vorher ein Kuhdorf, liegt es inzwischen eigentlich auf der Autobahn. Nur die Fließgeschwindigkeit ist dort deutlich geringer. Das führt zu... - ja, ihr habt es richtig erraten - gigantischen Staus. Und in genau so einem befinden wir uns schließlich. Na toll!
Die Klimaanlage unseres alten Passats tut ihr möglichstes - man hört sie förmlich ächtzen - aber nach einer halben Stunde Fortbewegung im Schneckentempo gibt sie den Geist auf. Verständlicherweise. Wir versuchen also kreativ mit der Sonne und der Hitze umzugehen, benutzen Regenschirme als Sonnenschutz, fächeln uns mit allem was sich dazu eignet Luft zu, während der Schweiß an uns herunterläuft. Tja, irgendwas ist ja immer!
Als wir endlich unsere Ferienwohnung in Sellin erreicht haben, sind wir froh unsere verschwitzten Körper im leichten Seewind abkühlen zu können. Die Ferienwohnung ist toll, trotzdem verlassen wir sie gleich wieder und machen uns auf den Weg Richtung Seebrücke. Allerdings nicht ohne vorher in der mit prachtvollen Villen in Bäderarchitektur gesäumten Wilhelmstraße noch ordentlich was zu essen. Wegen des Wohlbefindens natürlich. So ein gut gefüllter Magen macht schon ein bißchen glücklich...
Vom Steilufer bietet sich ein wirklich schöner Blick auf die Seebrücke, wir steigen hinunter - Oma kann den Fahrstuhl nehmen - spazieren über das Wasser - das leider ordentlich voller Seetang ist - und schießen alberne Fotos. Die Seebrücke in Sellin gibt es schon seit 1906, allerdings mit großen Unterbrechungen. Eisgang sorgte im Winter 1941/42 für große Schäden, nur das Brückenhaus blieb erhalten, 1978 wurde dann alles abgerissen und erst 20 Jahre später wieder aufgebaut. Ist wirklich gut gelungen! Es gibt sogar eine Taucherglocke am Ende der Brücke, die wir aber nicht genutzt haben.
Den Abend verbringen wir auf der Terrasse unserer Ferienwohnung, froh darüber, dass es sich abkühlt und man tatsächlich auch schon ein Jäckchen überziehen mag.
Der nächste Tag gehört dem Baumwipfelpfad auf Rügen. Kennt ihr nicht? Das ist eine wirklich tolle Idee! Auf gleicher Höhe wie die Wipfel des Waldes bekommt man einen ganz anderen Einblick in die Tier- und Pflanzenwelt, von ganz oben einen tollen Ausblick auf Ostsee und Bodden. Erstmal allerdings muss man natürlich hochwandern. Wobei man unterwegs die Möglichkeit hat sich noch über das Hochwandern hinaus sportlich zu betätigen. Oder seine Gehirnwindungen zu trainieren.
Oben angekommen belohnt einen die wunderbare Aussicht, bevor man sich dann wieder auf den Weg nach unten begibt. Das ganze Vergnügen ist mit 11 Euro pro Erwachsenem auch kein Schnäppchen, aber auf jeden Fall sein Geld wert. 
Den Rest des Tages verbringen wir mit Shoppen in Binz - auch hier ist es mit den Schnäppchen eher schwierig - und Baden in Sellin, bevor wir erneut lecker essen und uns zur Ruhe begeben. Man muss auch der Erholung Raum geben in so einem Kurzurlaub.
Für den Sonntag haben wir eine Schiffsfahrt geplant. Los geht es schon morgens von der Seebrücke in Sellin. Wir wollen uns die Kreidefelsen im Norden ansehen, natürlich vom Wasser aus und da nicht alle in unserer familiären Gruppe so richtig gut zu Fuß sind, geht das am besten mit dem Schiff. Die Adler-Schiffe laufen die einzelnen Seebäder an und fahren bis zu den Kreidefelsen, bevor sie sich dann auf den Rückweg machen. Wir haben Glück und ergattern einen der Tische am Oberdeck. In der Hoffnung, dass der Seewind Kühlung bringt.
Was er nicht wirklich tut, aber was soll´s. Die Sonne bratzt ordentlich, vor allen Dingen während in den Seebädern neue Passagiere zusteigen, ein Entrinnen nicht in Sicht. Während der Fahrt breitet der Kapitän über Lautsprecher seine besondere Sicht der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung in den östlichen Bundesländern Deutschlands aus, verrührt das Ganze mit geschichtlichen Details und Anekdoten der Gegend, um am Ende den Schluss zu ziehen, Merkel ist an allem Schuld... wobei er das anders ausgedrückt.
Nichtsdestotrotz sind die Kreidefelsen beindruckend, auch wenn die etwas dunstige Sicht wirklich gute Fotos verhindert, und auf der Rückfahrt kommt sogar so etwas wie frischer Wind auf. Hurra! Ein gelungener Ausflug!
Wegen der Hitze beschließen wir auch diesen Nachmittag am Sassnitzer Strand zu verbringen, genau wie gestern. Allerdings ist damit nicht der Strand an der Seebrücke gemeint, dort macht der Seetang das Baden nicht unbedingt zu einer Wohltat, das Wasser riecht auch unangenehm. Wir nutzen stattdessen  den feinsandigen Südstrand, der alles bietet, was wir so brauchen. Toiletten sind vorhanden, Kaffee kann man trinken, Sand und Wasser gibt es natürlich sowieso. Und Möwen. Die einem durchaus dicht auf die Pelle rücken können. Wenn sie sich etwas zu Essen erhoffen.
Ein Gewitter zieht auf, Zeit sich vom Acker zu machen. Nicht dass wir noch nass werden.
Am Abend regnet es sturzbachmäßig und wir müssen uns ein Restaurant suchen, in dem wir drinnen speisen können. Nicht ganz einfach, Sellin scheint ausgebucht. Zum Schluss sitzen wir in einem überteuerten Hotelrestaurant mit gediegenen Kellnern und kommen uns ein wenig fehl am Platze vor. Das Essen schmeckt trotzdem.
Montagmorgen, der Regen hat aufgehört. Heute geht es zurück nach Hamburg. Aber dort müssen wir erst am Abend sein, genug Zeit noch ein wenig Sightseeing zu machen. Wir packen nach dem Frühstück, verstauen unsere Koffer im Auto und machen uns auf den Weg. Erster Stop: das Jagdschlößchen Granitz. Umgeben von Wald thront es auf dem 107 Meter hohen Tempelberg und ist mit dem Auto nicht zu erreichen. Man kann zu Fuß hinwandern. Schwierig mit Oma. Aber Kutschen soll es geben. Und eine Bahn. Die von den Parkplätzen losfahren. Am ersten Parkplatz, den wir anfahren, gibt es keine Möglichkeit, um weiterzukommen. Kutschen fahren schon mal gar nicht, erfahren wir. Am zweiten Parkplatz steht bereits die Bimmelbahn und wir hechten kurz vorm Türenschließen hinein. Auf dem Weg nach oben beschallt uns fröhliche, ganz eigene Bimmelbahnmusik.
Der Spielplatz verführt uns alle dazu noch einnmal Kind zu sein, danach geht es mit einem kurzen Spaziergang hoch zum Schloss. Das ich übrigens uneingeschränkt empfehlen kann. Das Innere des ehemaligen Jagdsitzes der Putbuser Fürstenfamilie beherbergt neben wechselnden Ausstellungen auch viele historische Möbelstücke in seinen Sälen. Wirklich großartig ist die freitragende gußeiserne Wendeltreppe, die mit 154 Stufen auf den extravaganten Mittelturm des Schlößchen führt. Natürlich steigen wir hinauf und genießen die wunderbare Aussicht. Auch mit Wolken schön!
Als letztes Highlight fahren wir schließlich das Haus kopfüber an. Das findet ihr in Putbus und hier steht einfach alles auf dem Kopf. Der besondere Clou dabei: dreht man die Fotos, erweckt das den Eindruck, dass man auf den Möbelstücken turnt. Und mit diesen Fotos möchte ich mich von euch und der Insel Rügen verabschieden. Die ist auf jeden Fall immer eine Reise wert.


(Dieser Bericht enthält kostenlose Werbung, da Ortsnennung etc.)



Essen im Dunkeln - ein ungewöhnliches Erlebnis

Dieser Bericht wird fast ohne Fotos auskommen. Denn sie wären eh nur schwarz gewesen. Wir haben einen ungewöhnlichen Ausflug unternommen, an einem regnerischen Samstagabend sind wir in die Hamburger Speicherstadt gefahren, um etwas zu essen. Was ist daran ungewöhnlich, fragt ihr euch jetzt? Wir konnten unser Essen nicht sehen. Nur riechen und schmecken. Ja, richtig! Wir waren bei Dinner in the Dark.
Seit dem Jahr 2000 existiert die permanente Ausstellung Dialog im Dunkeln in der Hamburger Speicherstadt. So ist es inzwischen fast 20 Jahre her, dass ich diese Ausstellung das erste Mal besucht habe. Eine Erfahrung, die ich einige Male wiederholt habe und wegen ihrer besonderen Intensität nie vergessen werde. Sie gibt uns Sehenden einen Einblick in die Welt der Blinden. Kleine Gruppen von höchstens 8 Personen werden von einem blinden oder sehbehinderten Guide durch die stockfinstere Ausstellung geführt. Man erhält einen "Blindenstock" und erkundet mit vorsichtigen Schritten diese ungewohnte dunkle Welt. Man spürt die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit unter den Füßen, man nimmt die Umgebungsgeräusche viel intensiver wahr, man tastet sich zögerlich durch diese besondere Ausstellung, ist manchmal froh über eine Schulter, an die man sich hängen kann oder eine sprachliche Orientierungshilfe. Eine ganz besondere Erfahrung, bei der man Menschen an ihren Stimmen erkennen lernt und seine Sinne völlig neu entdeckt.

Auch das Dinner in the dark wird inzwischen seit etlichen Jahren im Dialoghaus angeboten. Trotzdem haben wir es als Hamburger bisher nicht geschafft, dort einmal zu speisen. Doch unter dem Tannenbaum befand sich im letzten Jahr eine Essenseinladung für dieses besondere Event und so standen wir, leicht nassgeregnet, schließlich im Foyer des Dialoghauses. Unser Guide holte uns vor dem Ausstellungsbereich ab, prüfte unsere Eintrittskarten, versah uns mit den Blindenstöcken und los ging´s in die inzwischen ein wenig vertraute Ausstellung. Bei einem Stop in einer Bar, in der man erst einmal einen freien Stuhl finden musste, kann ein Getränk geordert werden. Hierbei empfiehlt es sich, dieses in der Hand zu behalten, es kommt durchaus vor, dass der ein oder andere es mit einer schwungvollen Handbewegung vom Tisch fegt. Die Vorspeise, drei verschiedene Salate in kleinen Gläschen, wurde uns an Stehtischen in einem belebten Stadtteil - vielleicht St. Pauli - gereicht und wir konnten feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, diese mit einer kleinen Gabel unfallfrei  in den Mund zu befördern. Auch bei der Bestimmung der Salatinhalte gab es durchaus unterschiedliche Wahrnehmungen. Lediglich vom Geruchs- und Geschmackssinn abhängig zu sein, scheint das Erkennen von kalten Speisen zu erschweren.

Im Restaurant angekommen, wurden wir an unseren bereits eingedeckten Tisch gebracht. Auch hier galt es den Abstellplatz der bestellten Getränke im Auge... nein im Sinn zu behalten, damit kein Malheur passiert. Mit dem ersten Teller, der aus der Küche herangetragen wurde, war klar, was es zum Dinner geben würde, der intensive Geruch von Rotkohl verbreitete sich im Restaurant. Tatsächlich konnten wir darüber hinaus auch den Duft der Rouladen erschnüffeln, was ich zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Die Kartoffelklöße waren dann eindeutig am Geschmack zu erkennen und auch an Festigkeit und Konsistenz beim Zerteilen auf dem Teller. Insgesamt war das Essen hochwertig und ausgesprochen lecker, wir haben es sehr genossen. Noch mehr genossen haben wir es aber unsere sonst nicht so beachteten Sinne zu nutzen und so viel über die Welt der Blinden herausfinden zu können. Eine sehr besondere, großartige Erfahrung!

Das Dinner in the Dark wird am Freitag und Samstag angeboten, startet ab 19 Uhr und kostet zur Zeit 69 Euro. Ich wünsche euch viel Spaß bei einem Besuch.

(Kostenlose Werbung, da Ortsnennung und Ausstellungsnennung)


Madeira 3 - blumige Insel im Atlantik - Levadawanderung und botanischer Garten Funchal

So eine Woche auf Madeira ist nicht wirklich lang, die Zeit vergeht wie im Flug. Für heute haben wir unsere erste Levadawanderung geplant. Wobei Wanderung als Begriff hier wohl eher übertrieben scheint. Eigentlich ist das Ganze eher so etwas wie ein entspannter Spaziergang. Wo man die Informationen für solche Wanderungen findet? In einem kleinen roten Taschenbüchlein, dem Wanderführer von Rother. Hier sind 60 Touren unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade akribisch beschrieben und tatsächlich scheint jeder deutsche Urlauber auf Madeira ihn bei sich zu führen.
Ribeiro Frio, ein kleines Dörfchen im Gebirge und Ausgangspunkt unserer Wanderung, ist bei unserer Ankunft bereits total überfüllt und zugeparkt. Hoffentlich wollen die nicht alle den selben Weg gehen... Allerdings starten unterschiedliche Touren von hier aus.
Wir quetschen uns in eine kleine Parklücke an der Straße, wechseln Schuhe und ziehen Jacken über - im Schatten ist es noch empfindlich kühl - und machen uns auf den Weg. Wohin wir wandern? Zum Balcoes de Ribeiro Frio, auf Deutsch also zum Balkon von Ribeiro Frio.
Wir wandern natürlich nicht allein durch den schattigen Nebelwald, dem heute eindeutig der Nebel fehlt, sondern befinden uns in reichhaltiger Gesellschaft, aber ohne dass es störend wäre. Ein wenig märchenhaft wirkt dieser Wald, nachdem man ihn betreten hat, Bäume und Äste sind mit Moos überzogen, lange Bartflechten hängen wie Geisterfinger von den Zweigen herab, ab und zu verirrt sich ein Sonnenstrahl durchs Geäst.
Der Weg verläuft eben, immer an einer Levada entlang und ist auch für nicht so geschickte Wanderer wie mich wunderbar zu bewältigen. Darüber hinaus erreicht man schon nach kurzer Zeit eine kleine Bar, die sowohl Essen als auch Getränke und einen schönen Talblick anbietet. Natürlich nutzen wir diese für einen Kaffeestop, wobei wir sofort von zwei neugierigen Kätzchen in Beschlag genommen werden.
Die Bar ist sehr individuell dekoriert, bei schlechtem Wetter könnte man auch drinnen sitzen, der Kaffee ist lecker, der selbstgemachte Poncha - den wir auf dem Rückweg trinken - ebenfalls und für alle Wanderer mit schwacher Blase gibt es hier auch eine Toiletteneinkehrmöglichkeit.
Von hier aus erreicht man den Balkon bereits innerhalb kurzer Zeit, nachdem man einen Felsdurchbruch passiert hat und ab dem Hinweisschild dem gepflasterten Pfad gefolgt ist.
Die wunderbare Aussicht auf den Pico do Arieiro, den Pico das Torres und den Pico da Gato teilen wir dann natürlich mit vielen Urlaubern und einer Menge Finken, die hier ausgelegtes Futter und ein kleines Wasserbecken in den Felsen finden und mutig zwischen all den Menschen herumflattern.
Es ist noch reichlich Zeit über, als wir wieder am Auto ankommen und die Parklücke für andere räumen. Was also machen wir mit dem angebrochenen Tag?
Wir entscheiden uns für den botanischen Garten in Funchal, von dem wir vorab bereits eine Menge Gutes gehört hatten. Er liegt etwa drei Kilometer oberhalb von Madeiras Hauptstadt und wurde bereits 1960 eröffnet, und zwar auf einem Gelände, das ehemals dem Schotten William Reid gehörte, der hier auf Madeira im 19. Jahrhundert mit Weinhandel und Hotelbetrieb zu Reichtum kam.
Tatsächlich entpuppt sich der Garten als zauberhaft, das Wetter ist perfekt für einen Besuch, die Luft frisch und klar - nicht zu warm - der Himmel blau und die Sonne lässt die Farben der Blüten strahlen.
Wir verbringen den Nachmittag auf den verschlungenen kunstvoll gepflasterten Wegen zwischen Kakteen, Bananenstauden und exotischen Pflanzen. Ein wirklich lohnenswerter Besuch! Zum Abschluss gibt es noch einmal Getränk im Café mit Aussicht auf das unter uns liegende Funchal, bevor wir uns genau auf den Weg dorthin machen, um noch etwas Leckeres zu essen.
Tja, und dann holen mich leider die Bazillen ein, die wahrscheinlich bereits in Hamburg reichlich verteilt wurden und von denen ich auch den mir zustehenden Teil abbekommen sollte. Im Urlaub nicht unbedingt das, was man sich wünscht. So verbringe ich die letzen beiden Tage mehr oder weniger in meinem Bett, auf dem großen Balkon oder auch am Pool auf einer Liege in der Sonne. Schade eigentlich! Aber das lässt sich nicht ändern. Da müssen wir wohl noch einmal wiederkommen.


(Kostenlose Werbung, da Orts,- Hotel,- und Buchnennung)





Madeira 2 - blumige Insel im Atlantik - sonnige Tage und Wanderungen

Der Neujahrsmorgen 2019 begrüßt uns immer noch mit leichtem Regen. Doch der Himmel sieht irgendwie heller aus, vielleicht nur, weil wir es glauben möchten. Irgendwo im Osten über dem Meer scheint es sogar einen blauen Streifen zu geben. Beim Brunch im Hotel können wir sehen, dass die unterhalb unseres Hotels am Strand laufende Küstenpromenade komplett unter schwarzem Sand begraben ist. Immer noch rollen einige der hohen Wellen über sie hinweg und schirmbewaffnete Menschen in bunten Regenjacken versuchen ihnen hüpfend und springend auszuweichen.
Nachdem wir ausgiebig gegessen haben, beschließen wir dem blauen Streifen am Himmel entgegen zu fahren. Dort im Nordosten liegt die Ponta de São Lourenço, die wir bereits vom Flieger aus sehen konnten. Im Gegensatz zum Rest der Insel soll es hier relativ niederschlagsarm und auch baumlos sein. Wir hoffen, dass das gute Wetter dort zuerst ankommt und wir haben tatsächlich Glück.
Mit dem Wetter ist das auf Madeira ja so eine Sache. Gleich bei unserer Ankunft riet uns der freundliche Herr an der Rezeption, bevor wir uns auf Wanderschaft begeben, erst ihn oder die Wettervorhersage zu kontaktieren. Denn wenn in Funchal die Sonne scheint, kann es an der Nordküste durchaus wie aus Eimern schütten. Manchmal hängen die Wolken in den Bergen fest und man ist dort in dicken Nebelschwaden unterwegs. Obwohl die Insel mit zirka 30 x 50 Kilometern nicht sehr groß ist, hat sie in Punkto Wettervielfalt reichlich zu bieten. Aber nicht nur in dieser Hinsicht.
Wir brauchen mit dem Auto etwas über eine halbe Stunde, um  den kostenlosen Parkplatz zu erreichen, der Ausgangspunkt für diese beliebte Wanderstrecke ist. Natürlich sind wir nicht alleine dort, viele Menschen scheinen die gleiche Idee gehabt zu haben und der Parkplatz ist bereits relativ voll. Die Wanderung wird als leicht bis mittelschwer beschrieben - was auch immer das heißen mag - für die einfache Strecke werden 1,5 bis 2 Stunden veranschlagt. Wir sind eigentlich eher Wanderneulinge und machen noch bevor wir losgehen aus, dass wir nur so weit gehen, wie ein jeder von uns mag.
Also Fleecejacke an, Kamera umhängen, Regenjacke,Wasserflasche, ein paar Nüsse und eine Salami in den Rucksack und los gehts. Erstmal ein kleines Stück über einen Hügel rechts des Parkplatzes, um die schöne Aussicht zu genießen und die vielen kleinen Steintürmchen zu bewundern, die, von wem auch immer, dort errichtet wurden.
Los gehts. Über einen Holzsteg und dann erst einmal immer bergauf. Die Wege sind gut befestigt und auch für uns nicht Trainierte gut zu bewältigen. Blümchen blühen zwischen den Felsen, die Ausblicke sind phänomenal. Sonne und Wolken wechseln sich ab, wir klettern stetig rauf und runter, weichen Entgegenkommenden aus und stoppen, um zu fotografieren oder zu Atem zu kommen. Herrlich ist es hier!
Eine kurze Pause, ein Stück Salami für jeden, das mit reichlich Wasser heruntergespült wird. Wir klettern noch ein wenig weiter, während der Himmel sich langsam wieder zuzieht. Hallo? Was soll das jetzt? Zwischendurch überlege ich, ob es irgendwo eine Möglichkeit gibt, hinter einem Busch zu verschwinden. Allerdings mangelt es hier an Büschen und auch passende Felsen kann ich im Moment nicht erspähen. Wobei durchaus spektakuläre Exemplare um uns herum existieren. Die sich nur für meine Zwecke eher weniger eignen.
Nach etwas über einer Stunde und vielleicht der Hälfte des Weges beschließen wir umzudrehen. Die ersten untrainierten Beine fühlen sich durch das Gekraxel ein wenig butterweich an, die Salami hat nicht jeden gesättigt und der Himmel sieht auch nicht mehr so richtig gut aus. Wir müssen es beim ersten Mal ja auch nicht übertreiben! Also zurück zum Parkplatz! Was keine schlechte Entscheidung ist, allerdings hätten wir sie besser so eine Viertelstunde früher treffen sollen. Dann wären wir trocken beim Auto angekommen. So aber können wir die Erfahrung machen, dass sich Wanderpfade innerhalb kürzester Zeit in Sturzbäche verwandeln können und auch die besten Regenjacken in manchen Fällen einfach nicht wirklich trocken halten. Von Jeans, Schuhen und Rucksäcken mal ganz zu schweigen. Da ist noch Luft nach oben bei unserer Ausrüstung...
Als wir am Auto ankommen, hört der Regen freundlicherweise wieder auf. So durchfeuchtet beschließen wir erstmal zum Hotel zurückzufahren, um uns zu trocknen und umzuziehen. Komplett versteht sich.
Den Abend verbringen wir in Funchal, bummeln ein wenig durch die Stadt, wundern uns, wie bereits in Lissabon, über die teilweise ziemlich verfallenen Gebäude, die einen morbiden Charme verströmen und erfreuen uns außerdem an der sehr besonderen Weihnachtsbeleuchtung, die hier noch überall zu finden ist. Apropos finden, es ist uns sogar gelungen einen der raren Parkplätze in der Altstadt zu ergattern. Noch dazu kostenfrei, da ja heute ein Feiertag ist. Was für ein Glück!
Natürlich finden wir auch ein nettes Lokal - was nicht so schwer ist angesichts der Auswahl - und probieren eines der Nationalgerichte Madeiras, den Degenfisch mit Banane, der übrigens ausgezeichnet schmeckt. Vorab einen leckeren Poncha - auch so etwas, was es nur hier zu geben scheint - eine sehr schmackhafte Mischung aus Aguardente (Zuckerrohrschnaps) Zitronen- oder Orangensaft und Honig. Ein insgesamt ereignisreicher Tag findet hier einen angenehmen Ausklang.
Der Plan für den nächsten Tag bei passender Wetterlage ist das Erkunden der Nordküste. Wir wollen mit unserem Mietwagen bis Porto Moniz fahren und wenn dann noch genug Zeit ist, durch das Gebirge zurück. Das ganze möglichst auf den eher kleineren Straßen, da sieht man mehr. In den letzten Jahren wurden hier auf Madeira sehr viele Straßen und vor allen Dingen Tunnel gebaut - man hat manchmal das Gefühl mehr unter als über der Erde unterwegs zu sein, so ein wenig wie in den Höhlen von Moria, nur moderner - was für Inselumrundungen und das schnelle Vorankommen natürlich hervorragend ist. Davon abgesehen gefallen mir die kleinen Straßen besser, allerdings können die auch spontan mal mit Felsbrocken auf der Fahrbahn und Schlaglöchern ungeahnten Ausmaßes in derselben aufwarten. Das Wetter ist uns freundlicherweise wohlgesonnen, wir starten früh bei strahlend blauem Himmel.
Wir entscheiden uns den Encumeada Pass zu nehmen, statt minutenlang in einem unter dem Berg hindurchführenden Tunnel zu verschwinden, was sich als gute Idee herausstellt. Der Pass bietet eine hervorragende Aussicht, mehrere Levadawanderwege starten von hier, doch für heute haben wir andere Pläne und trinken lediglich einen Kaffee draußen in der kühlen Luft in einem Gasthaus am Weg, bevor es wieder in Serpentinen hinuntergeht.
Auf dem Weg nach Porto Moniz treffen wir immer wieder auf die alte Küstenstraße, die an der Steilküste zu kleben scheint. Allerdings ist sie überall gesperrt, was angesichts des mit Steinen übersäten, schmalen Asphaltstreifens wahrscheinlich auch besser ist. Wir machen einen kurzen Abstecher zum Hafen von Seixal, an dem sich außerdem ein idyllisch in der Sonne funkelndes Meeresschwimmbecken befindet. Es ist inzwischen so warm geworden, dass ich meine Jeans gegen Shorts tausche und kurzfristig ernsthaft darüber nachdenke, mich zu Wasser zu lassen.
Apropos Wasser, in demselben wohnen hier sehr farbenfrohe Krabben, die gar nicht mal so klein sind. Dieses Prachtexemplar scheint sich auf den Felsen zu sonnen, was ich ihm aufgrund der angenehmen Temperatur keineswegs verdenken kann. Die sehen schon sehr besonders aus...
Porto Moniz fahren wir hauptsächlich an, weil wir uns das sehr schöne Meeresschwimmbecken ansehen wollen. Und vielleicht auch darin schwimmen gehen, zumindest haben wir Badesachen mitgenommen. Dieses Fischerdorf liegt an der nordwestlichen Spitze von Madeira und soll normalerweise ziemlich schutzlos dem hier sonst eher unwirtlichem Wetter und dem tosenden Atlantik ausgeliefert sein.
Heute allerdings spülen keine Atlantikwellen ihr Wasser ins Becken, spiegelglatt und opalgrün liegt es vor uns. Wir erspähen auch einen einsamen Schwimmer, der zwischen den Felsen seine Bahnen zieht, während wir unsere mitgebrachten Brote verzehren. Wer hier schwimmen möchte, braucht übrigens keinen Eintritt zu zahlen, wer Glück hat, kann sogar mit Schnorchel und Tauchermaske ausgerüstet ins Becken hineingespülte Fische beobachten.
Wir entscheiden uns trotzdem dagegen uns dem einsamen Schwimmer anzuschließen, da wir den Rückweg über die ER209 durch die Hochebene Paul da Serra machen und evtl. noch ein wenig wandern wollen. Und das ganze natürlich möglichst, solange es noch hell draußen ist.
Während wir uns über enge Serpentinen langsam in die Höhe schrauben, kommen wir immer wieder an Aussichtspunkten vorbei, die einen spektakulären Blick auf die felsige Küstenlinie ermöglichen. Wir halten schließlich am Forsthaus von Fanal, weil in der Ferne ein Gleitschirm am Himmel seine Kreise zieht. Vernünftige Schuhe an und die Fleecejacke locker um die Hüften gebunden oder im Rucksack verstaut, machen wir uns auf den Weg.
Überall stehen hier Stinklorbeerbäume - obwohl ich keineswegs finde, dass die irgendwie stinken. Normalerweise soll es hier eher nebelig, als sonnig sein und etwas mystisches an sich haben. Feenwald nennen viele diesen Ort, die uralten Bäume sind moosbewachsen, Flechten und Farne schmiegen sich an ihre Äste oder wiegen sich im leichten Wind. Während wir langsam bergauf stapfen, liegen diese Baummethusalems im strahlenden Sonnenschein, was sie natürlich nicht weniger schön macht.
Oben angekommen bietet sich eine wunderbare Aussicht auf die Nordküste Madeiras. Wir schauen eine Zeit lang einem Gleitschirmflieger zu, der sich auf den Absprung vorbereitet. Er prüft sein Equipment penibel, ordnet Seile, rüttelt hier einmal, ändert dort etwas, bevor er sich todesmutig in die Tiefe fallen lässt, um dann elegant schwebend Richtung Meer durch die Lüfte zu gleiten.
Wir dagegen machen uns langsam auf den Rückweg, trinken an der Küste noch einen Kaffee, kaufen im Supermarkt etwas Essen ein und verbringen den Abend bei Kerzenschein und Rotwein auf unserem Riesenbalkon. Von unserer Woche sind immer noch drei volle Tage über. Mal sehen, womit wir diese füllen werden. Vielleicht lesen wir uns...



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