Oudtshoorn - Wo man auf Höhlen, Erdmännchen und Union Berlin trifft

Der Prince Alfred Pass hat uns über die Outeniqua Mountains gebracht, die R 341 bringt uns nach Oudtshoorn, führt uns durch kleine Ortschaften und an Bergen vorbei auf deren Gipfeln doch tatsächlich der Schnee glitzert. Winter in Südafrika.
Die kleine Karoo ist sehr ländlich und dünn besiedelt. Obwohl es sich hier um eine Halbwüste handelt, wirkt die Landschaft nicht nur karg und steinig, sondern ist bewachsen und teilweise durchaus grün zu nennen. Landschaftlich erinnert mich die Umgebung an die Weite Amerikas, also zumindest stelle ich sie mir so vor, denn bisher war ich noch nicht dort. Manchmal blühen am Wegesrand sogar gelbe oder orange Blümchen.
Unsere Gästefarm mit dem interessanten Namen de Zeekoe liegt etwas außerhalb von Oudtshoorn, ist etwas größer und über deutsche Reiseanbieter buchbar. Was man auch gleich merkt, hier sind eine ganze Menge Reisegruppen unterwegs und auch eine ganze Menge Deutsche. Wir haben uns für diese Unterkunft entschieden, da von hier die meerkat-tours starten sollen. Meerkat hat übrigens weder was mit Meer noch mit Katzen zu tun. Das ist hier einfach nur das Wort für Erdmännchen und auf die freuen wir uns natürlich ganz besonders.
Glücklicherweise sind wir nicht direkt im Hauptgebäude der Farm untergebracht, sondern haben ein "rustic cabin" gebucht und das gefällt uns wirklich ziemlich gut. Es liegt an einem kleinen See, zwei Kilometer vom Haupthaus entfernt, hat eine schöne Terrasse mit Blick aufs Wasser und ist auch für Selbstversorger gut geeignet. Es gibt sogar einen Kamin.
Allerdings bedeutet das auch, dass man zum Frühstück oder Dinner entweder zwei Kilometer hin und wieder zurück läuft oder sich ins Auto setzt. Nachdem wir den Nachmittag bereits für einen ausgedehnten Spaziergang um den See genutzt haben, der uns mit reichlich Vögeln überrascht hat, entscheiden wir uns für die faule Alternative. Wir nehmen den Wagen.
Wir sind in der Straußengegend - Oudtshoorn hat in Bezug auf Strauße eine lange Tradition. Anfang des letzten Jahrhunderts fanden die Federn ihren Weg auf die Hüte europäischer Damen und deren Gelder den Weg in die Geldbörsen der Straußenfarmbesitzer.  Heute ist das mit den Hüten vorbei, auch Staubwedel sind nicht mehr so gefragt und so werden die Strauße mehr oder weniger für die Touristen gehalten und natürlich wegen des Fleisches. Das übrigens ausgezeichnet schmeckt, wie wir am Abend feststellen. Was uns nicht ganz so gut gefällt, ist die Traumschiffmusik, die während unseres gesamten Aufenthalts im Restaurant im Hintergrund läuft. Aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache.
Zurück in unserer Hütte begrüßt uns ein Feuer im Kamin, der Heater ist an und die Heizdecke im Bett eingeschaltet. Ääh, was für Temperaturen werden hier heute Nacht erwartet?
Die Nacht ist kalt, die Temperaturen liegen nahe am Gefrierpunkt. Dabei hatten wir tagsüber tatsächlich fast zwanzig Grad. Unsere Hütte ist leider nicht so gut abgedichtet und hat am Morgen gefühlte Gefrierschranktemperatur. Aus dem See steigt Nebel, das Wasser ist wohl deutlich wärmer als die Luft. Aber die Sonne geht zuverlässig über den Bergen auf, der Himmel ist blau und keine Wolke an demselben. Was will man mehr?
Nach dem Frühstück, übrigens dank Feuer im Ofen in einem kuscheligen Frühstücksraum, machen wir uns auf den Weg Richtung Cango Caves. Dabei handelt es sich um ein Höhlensystem in den Swartbergen und laut Reiseführer soll es sich um eines der schönsten der Welt handeln.
Vorher statten wir allerdings der Farmschule noch einen Besuch ab. Wenn ich alles richtig verstanden habe, handelt es sich hierbei um eine Initiative der umliegenden Farmen, die diese Schule erst ermöglicht haben, nämlich das Zeekoegat School Project. Wir werden durch die Schule geführt, erhalten eine Menge Informationen, bekommen viele gesangliche Einlagen zu hören und freuen uns über strahlende Kinderaugen und unbedarfte Tanzeinlagen. Die Kinder erhalten hier zwei Mahlzeiten am Tag, tatsächlich soll es für einige das einzige Essen sein, was sie am Tag zu sich nehmen. Viele von ihnen müssen jeden Tag etliche Kilometer zu Fuß zurücklegen, um die Schule zu erreichen und in der kleinen Karoo sind die Sommer heiß und die Winter durchaus kalt. Uns wird wieder einmal vor Augen geführt wie priviligiert wir leben. Wie wenig wir das häufig zu schätzen wissen. Insgesamt schon eine besondere Erfahrung.
Die Cango Caves sind eine der Hauptattraktionen der kleinen Karoo und dementsprechend voll ist es hier auch. Wobei man jetzt im Winter auch ohne Vorbuchung an einer Führung teilnehmen kann, in der Hauptsaison empfiehlt es sich wohl übers Internet vorzubuchen. Es gibt zwei unterschiedliche Touren, eine Standart- und eine Abenteuertour. Bei der Abenteuertour soll es durch enge Spalten gehen und als bekennendes Weichei ist das eher nichts für mich. Für die Standarttour zahlen wir 110 Rand ( zirka 7 Euro) und los gehts. Da wir so viele sind, wird unsere Gruppe noch einmal geteilt und Mathilda führt uns in deutscher Sprache durch die Säle. Die sind wirklich beeindruckend, kommen meiner Meinung nach aber nicht an die slowenischen Karsthöhlen heran. Eine Gänsehaut bekomme ich aber, als Mathilda im Dunkel der Höhle die südafrikanische Nationalhymne anstimmt und ihr Nkosi sikelel’ iAfrika den Raum füllt und ein Mitglied unserer Gruppe danach die Akkustik des großen Saals mit einer Arie von Händel testet und ihr Lascia ch'io pianga der im Dunkel liegenden Höhlendecke entgegenschwebt. Fantastisch und mit Worten nicht zu beschreiben.
Der Rückweg von den Höhlen führt uns wiederum durch Oudtshoorn. Wir benötigen noch Bargeld für die Meerkat-Tour am nächsten Morgen. Juhu, wir haben erneut den Freitag erwischt, was bedeutet, lange Schlangen an den Geldautomaten. Als wir endlich dran sind, freuen wir uns über den großen Stapel Zwanziger, den wir erhalten und der kaum ins Portemonaie passt.
Den Nachmittag vertrödeln wir auf unserer Veranda mit Blick auf den See, nachdem wir unsere Sockenwäsche erledigt haben. Von denen sind für vier Wochen Urlaub einfach nicht genug vorhanden. Zum Abschluss des Tages dinieren wir standesgemäß im The Colony im Queenshotel in Oudtshoorn, schließlich haben wir Hochzeitstag und vor uns hat bereits 1947 die englische Königsfamilie hier gegessen. Seit der Kolonialzeit scheint sich hier auch nicht viel verändert zu haben, auf dem Balkon sitzt ein Pärchen, sie mit Hut und wehendem Schal in einem weißen Mantel, er im Anzug mit Krawatte - was für ein Bild! Doch das Essen ist gut und das leicht angestaubte Ambiente passt hervorragend in dieses Hotel.
Am nächsten Morgen: endlich die Meerkat-Tour. Frühes Aufstehen ist angesagt.Treffpunkt ist um 6:45 Uhr, nicht etwa auf der Farm , wie wir vermutet haben, sondern an einer Kreuzung einige Kilometer entfernt. Man muss also nicht unbedingt im de Zeekoe übernachten, der einzige Vorteil ist, dass es etwas günstiger wird, wenn man in bar bezahlt (500 statt 600 Rand pro Person, z.Zt. also zirka 6 Euro Unterschied).
Hier empfängt uns Devey, so eine Art südafrikanischer Crocodile Dundee, zumindest vom Äußeren her, mit der typischen Kopfbedeckung und wettergegerbtem Gesicht. Vom Treffpunkt aus geht es dann im Konvoi mit den eigenen Fahrzeugen noch ein paar Kilometer weiter, die Autos werden abgestellt, Kaffee oder Tee ausgeschenkt und dazu die typisch südafrikanischen Trockenbiscuits gereicht. Danach kann, wer möchte, auch noch die Bushtoilette nutzen, bei der es sich zumindest für die Frauen auch um eine Art tatsächliche Toilette handelt. Schließlich greift sich jeder einen Campingstuhl und eine Decke und wir wandern gemeinsam los.
Bis zum Bau der Erdmännchen, dort werden die Campingstühle aufgeklappt, wir wickeln uns gegen die Morgenkälte in die Decken und warten. Ja, was soll ich sagen, schon kurze Zeit später stehen sind sie draußen, strecken ihre Körper den wärmenden Sonnenstrahlen entgegen und scheinen uns Menschen überhaupt nicht wahrzunehmen. Durch jahrelange Gewöhnung gehört unsere Spezies für die Erdmännchen zur Landschaft, wir sind nicht gefährlich, auch Unterhaltungen sind kein Problem. Nur Aufstehen sollen wir möglichst nicht und auch keine hektischen Bewegungen machen.
Wir sitzen und staunen. Staunen noch mehr, als die 4 Babys aus dem Bau krabbeln und unter Aufsicht im Eingangsbereich herumtollen können, während sich die anderen Tiere auf Jagd begeben. Was für ein Erlebnis! Diese etwas andere Safari kann ich auf jedem Fall uneingeschränkt empfehlen, es ist einfach nur großartig!
Voll geflasht machen wir uns auf den Rückweg, frühstücken erst einmal ordentlich, natürlich untermalt von Traumschiffmusik und überlegen danach, was wir mit dem Rest des Tages noch anfangen können. Straußenfarmen sind ja auch ein Besuchermagnet in dieser Gegend... Aber wir haben keine Lust auf die kommerziellen Farmen, die Straußenrennen veranstalten und Menschen auf den Vögeln reiten lassen. Das geht gar nicht! So suchen wir eine Weile im Netz und stoßen dabei auf das Straußennest. Eine Gästefarm von deutschen Auswanderern. Gleich vorweg, da ist es nicht vorgesehen, dass man als Besucher einfach so vorbeikommt, diese Straußenfarm ist ausschließlich für Gäste der Farm gedacht. Aber das wissen wir nicht und so machen wir uns auf den Weg. Unser Fiesta rollt über die staubige Strecke, bis wir nach einiger Zeit in der Einsamkeit ankommen, neugierig beäugt von den Straußen in ihren Gehegen und schwanzwedelnd begrüßt von zwei Golden Retrievern, die sich über den unerwarteten Besuch zu freuen scheinen. Schnell wird klar, dass wir nicht mal eben bei den Straußen hineinschauen können, trotzdem nimmt sich Carmen die Zeit uns die Gästebereiche und das Rondavel zu zeigen. Hier kann man sicher super und total individuell betreut übernachten ( Straussennest ). 
Schließlich gibt sie uns den Tipp noch einmal bei ihrem Mann auf dem Fußballplatz vorbeizuschauen. Fußballplatz?
Kurze Zeit später durchfahren wir ein Tor mit der Aufschrift Eisern Union und trauen unseren Augen kaum. Ein Rasenplatz. Hier in der steinigen Karoo. Mit Tribüne. Und Flutlichtanlage. Ein Volleyballfeld im Hintergrund. Wie ist das möglich?
Ganz einfach. Mit viel Engagement. Und mit Unterstützung deutscher Fanclubs, allen voran die des 1. FC Union Berlin. Wir verbringen hier einen kurzweiligen Nachmittag auf der Alten Försterei 2, während auf dem Platz ein Freundschaftsspiel stattfindet. Kommen aus dem Staunen nicht heraus, was Dario Urbanski hier ermöglicht hat. Erhalten ganz viele Informationen, während auf dem Platz die jugendlichen Spieler für reichlich Tore sorgen. Wer mehr wissen möchte, findet auf der Webseite ( 1.FC Union-Lategansvlei  ) jede Menge Infos. Wir sind selten so beeindruckt gewesen. Hier kann man es wirklich sehen: Fußball verbindet. Nicht nur Länder, auch Menschen. Wenn sich jemand darum kümmert. Auch und gerade als Hamburger und eher dem FC. St. Pauli zugetan müssen wir vor dieser Leistung den Hut ziehen. Einfach großartig!
Morgen werden wir Oudtshoorn auf der Route 62 wieder verlassen. Schon jetzt kann ich sagen, dass es auf unserer "Gardenroute" eines der Highlights war. Hier werden wir sicher noch einmal vorbeischauen.






Kommentare:

  1. Toller Beitrag. Vielen Dank dafür und ganz liebe Grüße aus Oudtshoorn!!!!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wir haben zu danken für den großartigen Nachmittag. Respekt für all das, was ihr da leistet.
      Liebe Grüße aus dem verregneten Hamburg :)

      Löschen