Zu einem Urlaub gehört auch immer die Heimreise und die steht heute auf dem Plan. Ein letztes Mal im Riad Mimouna schlafen, mit Wellenrauschen als nächtliche Geräuschkulisse. Das werde ich vermissen, wenn wir wieder durch heimisches Vogelgezwitscher geweckt werden. Hoffentlich hat sich das mit dem Schnee zu Hause inzwischen erledigt. Wir stehen früh auf, obwohl unser Flug in Marrakesch erst am Abend geht, doch unsere bisherigen Erfahrungen mit den hiesigen Straßenverhältnissen haben uns vorsichtig werden lassen. Man weiß ja nie.
Duschen, die gestern noch nicht verstauten Dinge in die Koffer packen und dann noch einmal hinauf in den Frühstücksraum mit der gigantischen Aussicht. Wir sind die ersten hier oben, setzen uns an einen der Tische direkt am Fenster und sehen den Möwen zu, die um uns herum ihre Kreise ziehen. Erst als wir fertig sind finden sich die nächsten Gäste hier oben ein.
Dann auschecken und unsere Koffer allein durch die noch stillen, inzwischen wohlvertrauten Gassen Essaouiras ziehen.
Unser Suzuki ist durch das französische Parken ziemlich eingekeilt, wir können nicht mal den Kofferrraum öffnen. Als wir überlegen, die Wagen davor und dahinter selber zu verschieben, erscheint ein verschlafen wirkender Parkplatzwächter und erledigt das für uns. Nachdem wir alles verstaut und noch einmal an der Tankstelle den Reifendruck kontrolliert haben, machen wir uns auf den Weg.
Auch hier wieder die Ziegen auf den Arganbäumen
Überraschenderweise entpuppt sich die Strecke nach Marrakesch als zweispurige, super ausgebaute Straße mit nur wenig Verkehr. Wer in Südmarokko nur diese beiden Städte besucht, bekommt einen völlig falschen Eindruck von den dortigen Straßenverhältnissen. Mindestens europäisch würde ich sagen, zur Zeit sicher besser als manche der durchlöcherten Straßen in Hamburg.
So erreichen wir Marrakesch viel früher als geplant, finden durch den dichten Verkehr bis zum Flughafen und suchen vergeblich nach einem Hinweisschild, wo die Mietwagen abgestellt werden sollen. Das hatten wir auch noch nie. Es gibt diverse Parkplätze, aber kein Schild der weltweit agierenden Autovermietungen. Der gute Mann an der Schranke versteht unser "Voiture retour..." nicht so wirklich, lässt uns aber auf den Parkplatz fahren. Die Auto- vermieter finden wir nach langem Suchen versteckt im Flughafengebäude. Sehr clever. Denn dann geht es wieder gemeinsam auf den Parkplatz. Praktisch geht anders. Danach haben wir noch un- endlich lange Zeit bis der Schalter der Transavia com. endlich öffnet. Leider war es aus irgendwelchen Gründen nicht möglich Plätze vorzubuchen. Obwohl wir die entsprechende Mail von klm erhalten haben. Nach Gepäckabgabe und Passkontrolle sitzen wir eng beieinander mit vielen anderen Passagieren im Wartebereich.
Unser Flug startet erst nach19 Uhr, in Marrakesch geht gerade die Sonne unter. Auf Wiedersehen Marokko.
Durch die Zeitverschiebung erreichen wir Amsterdam nach Mitternacht, der Flughafen macht tatsächlich einen verschlafenen Eindruck. Der Anschlussflug nach Hamburg geht erst morgen früh um viertel nach sieben. Für den unschlagbaren Preis von 270 Euro hin und zurück muss man diese kleine Unanehmlichkeit auch in Kauf nehmen. Wir wussten ja, dass wir auf dem Flughafen übernachten müssen. Was wir nicht wussten ist, dass der Bereich, den wir dafür auserkoren hatten um diese Uhrzeit nicht erreichbar ist, da die Passkontrollen zwischen dem internationalen und dem innereuropäische Bereich geschlossen sind. Schade!
Wir irren eine Weile umher, versuchen kurzfristig im Yotel schiphol airport, das direkt im Terminal liegt, also ideal für Transitreisende, noch ein Zimmer zu bekommen, aber alles ist ausgebucht. Um 2 Uhr nachts haben wir im oberen Bereich einige Liegen ausfindig gemacht. Sogar Decken liegen hier herum. Allerdings ist die Form dieser Liegen wenig ergonomisch, zum schlafen nicht ganz so der Hit. Trotzdem dösen wir dort ein paar Stunden unter Neonbeleuchtung (bitte, lieber Flughafen, wenn das jemand liest, warum gibt es keine Ruhebereiche mit gedämmten Licht? Und wenn soviel Geld für hochwertige Liegen ausgegeben wird, warum nicht welche, auf denen man sich tatsächlich ausstrecken kann?), gönnen uns dann einen niederländischen coffee to go zu Flughafenpreisen und steigen in unsere Maschine Richtung Hamburg.
Hamburg empfängt uns wie immer: bewölkt! Aber mit Temperaturen im Plusbereich, immerhin ein Grad warm, oder eher kalt ist es, als wir ankommen.
Für unsere Koffer hat entweder der Platz im Flugzeug nicht gereicht oder die sieben Stunden auf dem Amsterdamer Flughafen waren zu kurz, um sie umzuladen. Sie kommen jedenfalls nicht gemeinsam mit uns in Hamburg an. Können aber problemlos geortet werden und am späten Nachmittag bringt ein Taxi sie zu uns nach Hause.
Hallo Hamburg, da sind wir wieder.
Heute geht es auf zu unserem letzten Etappenziel, Essaouira, eine alte Hafen- und Handelsstadt am Atlantik, zirka 170 km von Agadir entfernt. Die Medina Essaouiras zählt seit 2001 zum Unesco-Weltkulturerbe.
Alles, was ich vorab über diese Stadt gelesen habe, macht mich extrem neugierig. Andalusisch geprägte Altstadt, ehemals portugiesische Handelsstadt, unverwechselbares Flair, Künstler- und Musikszene, in den frühen Siebzigern Hippietreffpunkt, die Stones, Bob Marley, Jimmy Hendrix und Jim Morrison haben sich hier aufgehalten, außerdem ein bekannter Surfertreffpunkt und ein Fischereihafen mit Werft. Diese Stadt scheint vielseitig zu sein.
Aber noch sind wir in Taroudant beim Frühstücken im ungemütlichen Speisesaal des Palais Salam, die Reisegruppen sind glücklicherweise schon durch. Danach alles eingepackt und ab zum Auto, Backschisch für den Parkplatzwächter und los gehts.
Wolken hängen am Himmel. Dann öffnet dieser seine Schleusen. Auf dem Weg nach Agadir sind wir froh, dass unsere Scheibenwischer funktionieren. Scheint hier nicht bei allen Autos der Fall zu sein, diverse halten während des monsunartigem Regens am Straßenrand an. Mein Mitleid gilt all den Mofa- und Radfahrern, sowie den Fußgängern, die sich auf unterschiedlichste Arten versuchen vor dem Regen zu schützen. Ein Treckerfahrer flüchtet unter seinen Anhänger.
Bei Agadir fragen wir einen der allgegenwärtigen Polizisten nach dem Weg, der uns freundlich empfiehlt "toute à droite". Wir halten uns daran und finden gut durch die Stadt. Hinter Agadir ist der Atlantik erreicht, das Wasser rollt in großen Wellen an den Strand, der weite Horizont ist eine Wohltat für meine Augen. Ich bin halt doch ein Kind des flachen Landes.
Wir machen eine Pause auf einem wilden Grundstück mit Blick über das Wasser und verspeisen unsere mitgebrachten Brötchen. Ein schöner Ort.
Entlang der Küstenstraße wird überall gebaut, hier wird wohl in den nächsten Jahren einiges touristisch erschlossen und die jetzt streckenweise noch einsame Küste wird ihr Gesicht verändern.
Irgendwann verlässt die Straße die Küstenlinie, wir erreichen das Arganölgebiet. Hinter fast jeder der zahlreichen Kurven steht einer der hier ansäßigen Bauern und preist seine Produkte zum Verkauf an.
Thias hält irgendwann an, möchte etwas kaufen, ohne so recht zu wisssen was. Kein Problem. Prompt haben wir einen noch schnell abgewischten Esslöffel Honig-Mandel-Schokoladenmus im Mund. Schmeckt nicht schlecht, gibts aber nur im Riesenglas für die 20-Personen-Großfamilie zu kaufen. Eigentlich brauche ich gar nichts, komme aber um eine Probe des Arganöl, das ein wenig muffig schmeckt, nicht herum. Im Endeffekt fahren wir mit einer kleinen Flasche kosmetischen Öls für 50 Dirham weiter, die wir auch nicht haben wollten. Na gut!
Kurz vor Essaouira sehen wir dann doch noch Ziegen auf den Arganbäumen. Die Blätter dieser Bäume sind wohl besonders schmackhaft. Im Internet wird gewarnt, dass viele der Hirten ihre Ziegen auf den Bäumen anbinden, um für die Fotos Geld zu bekommen. Diese Ziegen sind definitiv freiwillig auf dem Baum, und zwar ohne Anbindung. Natürlich kommt trotzdem ein Hirte herbeigeeilt, als wir anhalten, doch da wir kein Kleingeld mehr haben, können wir ihm nichts geben. Was für ihn völlig ok. ist.
Essaouira empfängt uns mit Sonnenschein und blauem Himmel. Wie bereits in Marrakesch ist es auch hier nicht möglich mit dem Auto in die Medina zu fahren.
Ein Park-
platzwächter winkt uns ein, bittet uns französisch zu parken, also ohne eingelegten Gang, damit er die Autos ggfs. verschieben kann und wir zahlen ein Ticket für drei Tage.
Dann organisiert er uns noch einen Führer, der uns und unser Gepäck im Handkarren (also natürlich nur das Gepäck im Handkarren) durch die verwinkelten Gassen der Medina zum Riad Mimouna führt. Das liegt direkt an der Festungsaußenmauer am Meer.
Wir haben ein zauberhaftes Eckzimmer mit vier Fenstern, die Blick auf den tosenden Atlantik bieten. Das Geräusch der brechenden Wellen wird unsere nächtliche Untermalung werden. Ein Traum! Nachdem wir jede Ecke unseres Zimmers inspiziert haben, gehts hoch auf die Dachterrasse, die noch mehr Aussicht bietet, um dort einen Cappuccino zu trinken.
Danach machen wir uns auf den Weg die Stadt zu erkunden. In der Hoffnung, dass wir später auch zu unserem Riad zurückfinden.
Essaouira entpuppt sich als genau die besondere Stadt, die in den Reiseführern beschrieben wurde. In den kleinen verwinkelten Gassen gibt es unzählige kleine Restaurants und Cafés, Künstlergalerien und Handwerksläden, in denen man Kleinode aus Thujaholz erstehen kann oder wunderbare lichtdurchflutete Bilder, Schmuck, Kleidungsstücke, Musik. Lauter ausgefallene Besonderheiten.
Immer an derselben Ecke sitzt all die Tage ein älterer Herr in seiner Djellabah, der Mützen strickt. Was fertig gestrickt ist, hängt an einem der vielen Nägel an der Hauswand hinter ihm und kann für 40 Dirham erworben werden.
Anders als sonst in der arabischen Welt kann man hier bummeln gehen ohne sofort angesprochen zu werden. Niemand versucht uns etwas aufzuschwatzen. Und zwischendurch spielt sich das normale Alltagsleben ab, es wird Fußball gespielt in den Gassen, die Katzen bekommen die Speisereste hingelegt und wir können immer wieder beobachten, wie die einheimische Bevölkerung das Gebot befolgt, den Armen und Bedürftigen zu geben. Selbstverständlich in ihren Gesten, ohne dabei herablassend zu wirken.
Noch bevor wir den Hafen gesehen haben, hat die Stadt uns in ihren Bann gezogen. Hier trifft Moderne auf Tradition, bummeln Frauen im traditionellen Haik, einem weißen Umhang mit schwarzem Gesichtsschleier neben Europäerinnen in Trägertops. Doch es scheint sich niemand dabei unwohl zu fühlen. Die alten portu- giesi- schen Festungs mauern stehen noch, innerhalb dieser befinden sich diverse kleine Handwerksbetriebe und Galerien. Wir bummeln hindurch und sind erstaunt über die günstigen Preise.
Auf dem Weg zum Hafen gönnen wir uns
einen frisch gepressten Orangensaft an einer kleinen Bude, den wir sitzend auf der Hafenmauer trinken. Hier weht es ziem lich und wir wer- den von kreischenden Möwen umkreist.
Wir schlendern weiter Richtung Hafen, es ist bereits später Nachmittag. Den ummauerten und von Festungstürmen flankierten Fischereihafen betreten wir durch das Port de la Marine. Im Wasser und auf Land gezogen liegen leuchtend blaue Holzboote, davor stapeln sich Netze in unterschiedlichsten roten Färbungen.
Vereinzelt sehen wir Fischer beim Netze flicken. An der Kaimauer werden noch ein paar Fische ausgenommen, Möwen flattern aufgeregt und ungeduldig auf Abfälle wartend überall herum. Eines der blauen Holzboote erhält gerade einen neuen Anstrich.
Unsere Füße schmerzen vom vielen Laufen, deshalb belassen wir es für heute bei einem kurzen Blick in diesen überaus interessanten Hafen und beschließen an einem frühen Vormittag noch einmal vorbeizuschauen, wenn die Fischer hier ihren Fang verkaufen.
Auf dem Rückweg plagen mich Magenschmerzen, trotzdem esse ich noch einen Crèpe am Marktplatz. Was nicht besonders schlau ist, denn den Abend verbringe ich dann abwechselnd im Bett oder auf der Toilette. Essen gehen fällt also heute für mich aus, ich bleibe bei Tee, kuschel mich in die warmen Decken und lausche der Brandung, die sich an den Felsen unter unseren Fenstern bricht.
Am nächsten Morgen geht es etwas besser. Wir frühstücken im Speiseraum mit Blick auf den brausenden Atlantik und den heute morgen wolkenverhangenen Himmel. Vorsichtshalber bleib ich noch weiterhin bei Tee und lasse auch schweren Herzens den selbstgepressten Orangensaft weg. Da- nach ma- chen wir uns wie- der auf und lassen uns durch die Gassen der Altstadt treiben. Hinter jeder Ecke warten neue Einblicke. Unzählige Geschäfte breiten ihre Waren auch auf dem Pflaster aus, machen die ohnehin engen Durchgänge noch ein wenig schmaler. Trotzdem haben wir Spaß daran diese Stadt zu erkunden. Aus einem Geschäft erklingt Musik, eine samtene Frauenstimme erfüllt die Gasse. Wir gehen vorbei, halten kurze Zeit später wieder an, um dann umzukehren und die CD zu kaufen. Rokia Traoré aus Mali, einfach zauberhaft. Nicht unbedingt marokkanische Musik, aber doch vom Klang eine Hommage an Afrika, auch wenn ich tatsächlich nicht ein Wort davon verstehe.
Wir kaufen außerdem einen aus einer Teekanne und einigen Zahnrädern und Schrauben gefertigten langbeinigen Vogel, um den wir tatsächlich sehr feilschen müssen, ein paar Ohringe und noch andere Dinge, die wir nicht brauchen. Über die wir uns aber sehr freuen.
Immer wieder kommen wir an Katzen und Kätzchen unterschiedlichster Größe und Farben vorbei und ich fühle mich ständig versucht eines davon mitzunehmen. Für den Hafen sind wir auch heute bereits wieder zu spät, den sparen wir uns für morgen auf und besuchen stattdessen den Strand von Essaouira, angeblich einer der längsten der Region. Wegen der starken Strö- mung und eben- solchem Wellen- gang zum Baden eher nicht so geeignet, hat sich dieser Strand zu einem Treffpunkt der Wellenreiter und Kitesurfer entwickelt. Hier werden Kurse gegeben, man sieht Anfänger und Profis und es macht wirklich Spaß ihnen einfach nur zuzusehen.
Man kann natürlich auch reiten, sowohl Kamele als auch Pferde warten hier auf Kundschaft. Insgesamt scheint es uns eher ein Strand für Aktivurlauber zu sein, wir haben niemanden gesehen, der nur in der Sonne lag. Was vielleicht auch am Wind und den noch nicht hochsommerlichen Temperaturen liegt.
Zum Sonnenuntergang finden wir uns auf der Festungsmauer bei den aus dem 16. und 17. Jahrhundert stammenden Kanonen ein. Sie wirken immer noch schussbereit, so als könnten jeden Moment feindliche Flotten oder plündernde Piraten auftauchen. Hier trifft sich auch die Jugend von Essaouira, mit Handys bewaffnet bevölkern sie die Mauern, um dem abendlichen Bad der Sonne im Atlantik zuzusehen.
Als die Sonne schließlich spektakulär untergeht, sind wir ziemlich durchgefroren und hoffen, dass unser ausgewähltes Restaurant, das La Licorne, vielleicht schon ein wenig vor sieben Uhr öffnet. Was nicht der Fall ist. Wir stehen mit anderen Deutschen - natürlich...wer sonst isst so früh am Abend - vor der geschlossenen reichverzierten Tür und sehen der Putzfrau zu, die irgendwie leicht mürrisch den Eingang wischt und die Tür direkt vor unserer Nase wieder sorgfältig verschließt.
Das La Licorne entpuppt sich als stilvolles Restaurant mit ausgezeichnetem Essen und sehr gutem Wein. Allerdings ist es hilfreich, dass zumindest ich genug französisch kann, um die Speisekarte zu lesen. Die ist nämlich ausschließlich auf französisch. Interessant ist auch, dass mehrmals im Laufe des Abends der Strom ausfällt, was aber niemanden zu stören scheint. Wahr- scheinlich sind deshalb unzählige Kerzen im ganzen Restaurant verteilt, was sehr zum besonderen Ambiente beiträgt.
Wir verlassen nach zwei Stunden wunderbar gesättigt und aufgewärmt das La Licorne, um den inzwischen vertrauten Weg ins Riad Mimouna zurückzuschlendern.
Der letzte ganze Tag unseres Urlaubs bricht an, wir beginnen ihn erneut oben auf der Dachterrasse beim ausgiebigen Frühstück.
Heute sind wir früh genug und machen uns als erstes auf den Weg in den Hafen. Über uns der strahlend blaue Himmel und eine Sonne, die es gut mit uns meint. Das Licht ist einfach fantastisch, alles wirkt wie frisch gewaschen. Am Himmel flattern kreischend die Möwen, immer auf der Suche nach Fischabfällen. Auf dem Weg schauen wir noch einmal in einige Geschäfte, kaufen aber diesmal nichts.
Ein leichter Wind weht uns den Fischgeruch entgegen, hinter der Kaimauer wird er gerade ausgenommen. Immer erkennbar am Möwengewimmel.
Man könnte glauben die treten stets im Rudel auf.
Das Treiben im Hafen zu beobachten ist wirklich besonders spannend. Tat sächlich bieten hier die ein- zelnen Fischer ihren Fang an einfachen Holzbuden an, gegen die Sonne abgeschirmt mit Planen. Hier scheint es wirklich alles zu geben, sogar ein kleiner Katzenhai ist dabei. Wir dürfen fotografieren und bekommen eine französisch/englische Erklärung zu den angebotenen Fischen.
Sogar größere, nicht so vertrauenserweckend wirkende Schiffe sind hier
unterwegs, werden mit Kühleis befüllt und liefern ihren Fang dann wohl
eher in der Fischauktionshalle ab.
Insgesamt wirkt es, als wäre der Fischfang hier üppig, doch das täuscht. Die marokkanischen Fischer schwärmen von Zeiten, als es möglich war ein Vielfaches der heutigen Menge aus dem Wasser zu holen. Heute kreuzen vor marokkaníschen Hoheitsgewässern internationale Hightech-Fangflotten, die mit ihren engmaschigen Netzen die Meere leerfischen. Deshalb verliert Essaouira als Fischereihafen zunehmend an Bedeutung.
Doch im Moment lebt dieser Hafen noch und es macht viel Freude hier der Betriebsamkeit zuzusehen. Als wir das Ende der Mole erreicht haben, einen Blick auf den gegenüberliegenden weiten Sandstrand geworfen haben, drehen wir um und wechseln auf die andere Seite des Hafenbeckens. Unterwegs sehen wir erneut die ausgebreiteten dunkelroten Netze, die hier mit viel Geduld geflickt werden. Ich frage mich, ob die Netze mit der Farbe der Purpurschnecken gefärbt werden, jenem Farbstoff, der den vorgelagerten Inseln ihren Namen gab und schon im 1. Jahrhundert zu hohen Preisen an die Römer geliefert wurde.
Auf der anderen Seite des Hafenbeckens befinden sich die Schiffswerften.
Hier werden die alten Holzschiffe noch fachgerecht restauriert. Gegen eine kleine Spende erhält man eine Führung und kann sich die Werften im Detail ansehen. Von hier hat man außerdem einen her- voragenden Blick auf die teilweise schon sehr marode wirkenden Schiffs- trawler. Die aber immer noch in Betrieb sind und ihren Dienst tun.
Zum Schluss besichtigen wir den alten Festungsturm, die Bastion Sud, die direkt am Hafen liegt und einen wunderbaren Blick auf die Altstadt, den Atlantik, die vorgelagerten Inseln und den Hafen ermöglicht. Der Eintritt kostet lächerliche 10 Dirham und man sollte keinesfalls versäumen diesen Turm zu besteigen. Selten habe ich einen Ausblick so genossen wie diesen, sitzend auf einer der Festungsmauern, auf gleicher Höhe mit den Möwen, die sich von den Aufwinden tragen lassen und scheinbar mühelos über der Bastion kreisen.
Schon der Weg nach oben bietet Einblicke und Durchblicke der besonderen Art. Um durch manche Löcher oder Schießscharten zu schauen und zu fotografieren, wurden touristen- freundlich kleine Holztreppchen aufgestellt.
Wir verbringen eine lange Zeit
oben auf der Bas- tion Sud und machen mit Sicherheit Hunderte von Fotos. Ohne Gitter und Begrenzung direkt über den Klippen des Atlantiks zu sitzen, gemeinsam mit Menschen aus unterschiedlichsten Herkunftsländern, ist schon ein ganz besonderes Erlebnis.
Irgendwann verspüren wir aber Hunger und machen uns über die ausgetretenen Steinstufen wieder auf den Weg nach unten.
Kommen noch einmal an den von Möwen umkreisten Fischern vorbei, die wir beim Ausnehmen der Fische fotografieren dürfen, trinken einen Esspresso, bei dem uns ein Musiker begleitet, übrigens auf einem sehr interessanten Instrument, das mit einer selbsthergestellten Plastiksehne bestückt ist.
Landen auf der Suche nach dem passenden Restaurant in einem sehr verfallenen Viertel am Nordrand der Medina. Hier ist die Mellah, das alte Judenviertel. Wahrscheinlich verirrt sich hierher eher selten ein Tourist, man sieht Gebäude in unterschiedlichen Stadien des Verfalls, provisorisch abgestützte alte Torbögen und leider auch eine Menge Müll. Schade um den ehemals sicherlich schönen Ort. Schließlich essen wir eine Kleinigkeit im Pasta Baladin. Hier kann man aus unterschiedlichen Pasta und Saucen wählen, alles wird frisch in der winzigen offenen Küche zubereitet und von den superfreundlichen Mädels serviert. Das ganze für 50 Dirham, wirklich toll.
Den Rest des Nachmittags verbringen wir auf der Dachterrasse des Riad Mimouna, genießen noch einmal die Sonne, lesen ein wenig, bevor wir uns abends erneut auf den Weg machen. Wir haben noch ein paar Mitbringsel zu besorgen, Schälchen aus Thujaholz, ein handgeschnitztes Kästchen mit Würfeln und andere Kleinigkeiten.
Danach gehen wir wieder auf Restaurantsuche und landen schließlich im Silvestro. Der Italiener Silvestro kochte bereits am Hof von Rabat, er und seine marokkanische
Frau bedienen immer selber und das Essen ist ausgezeichnet. Genauso wie die Ausstattung des Restaurants und die dazu passende Filmmusik aus Casablanca.
Wir genießen unseren letzten Abend, während sich die Tische um uns herum bis auf den letzten füllen. Ein gelungenes Abschlussessen, auch wenn es ausnahmsweise mal nicht marokkanisch ist.
Wir sind ein wenig traurig, dass dieser Urlaub sich bereits dem Ende zuneigt, könnten problemlos noch ein paar Tage länger bleiben. Morgen müssen wir zurück nach Marrakesch und am Abend geht unser Flug zurück nach Amsterdam. Schade!