Dresden in Farbe

In der nächsten Nacht lauschen wir dem fallenden Regen und den stöhnenden Geräuschen eines ausdauernden Liebesspiels, das durch irgendein geöffnetes Fenster für die gesamte Nachbarschaft zu vernehmen ist. Ob hierfür Dresdner Bürger oder Hotelgäste verantwortlich sind, lässt sich nicht ergründen. Ist auch nicht wichtig. Auf alle Fälle ziehe ich meinen imaginären Hut vor der Kondition. Alle Achtung!
Der Regen verabschiedet sich am nächsten Morgen, während wir ausgiebig frühstücken. Nachdem wir gestern die Dresdner Altstadt unsicher gemacht haben, geht es heute in die äußere Neustadt. Wir wollen vor allem die Kunsthofpassage mit ihren bunten Fassaden und den besonderen Geschäften ansehen und außerdem ein wenig durchs Viertel bummeln. Vielleicht einen Blick in das "schönste Milchgeschäft der Welt" mit den bunten Steingutfliesen werfen, mal sehen was kommt. Und weil sich so ein buntes Viertel mit Worten schlecht beschreiben lässt, kommen jetzt erstmal ganz viele bunte Bilder.
Blaue Fassade mit Wasserspielen in der Kunsthofpassage. Bei Regen und im Sommer auch zu jeder vollen halben Stunde gluckst und gurgelt hier das Wasser durch die Rohre.
Gelbe Fassade in der Kunsthofpassage
Grüne Fassade im Hof der Tiere in der Kunsthofpassage
Kunsthofpassage, Hof des Lichts. Es gibt hier wirklich tolle Geschäfte, in denen man nicht so alltägliche Dinge kaufen kann.
Überall laden Tische und Stühle zum verweilen ein.
Kaffee wird noch gekocht wie früher, den Kuchen gibts gerne mal aus dem Weckglas.
Kreative Ideen für die Thekengestaltung...
...ebenso wie für die sonstige Deko.
Auch das restlliche Viertel hat reichlich kreative Farbgestaltung...
 ...ganz unterschiedlicher Stilrichtungen,
die Weltoffenheit zeigt sich auch in Form von importierten Getränken, natürlich in Farbe...
selbst die Autos sind heute irgendwie bunter.
Auch der bunte geflieste Milchladen, den wir zum Schluss noch besuchen, passt heute ins Programm.
Ein wunderschönes Viertel, das zum bummeln und sich treiben lassen geradezu einlädt. Das etwas andere Dresden halt.
Nach ausgiebiger Bummelei finden wir an unserem Auto, hurra, ein Ticket, da wir unsere Parkzeit um lausige 10 Minuten überzogen haben. Das haben wir nicht nur der Politesse zu verdanken, sondern auch einer der leckersten Falaffeln, die ich bisher gegessen habe und die wir uns auf dem Rückweg zum Auto unbedingt noch gönnen mussten. Ein Traum!
Wir haben noch Zeit und beenden unseren Tag mit einem Besuch des Parks rund um Schloss Pillnitz. Hier sorgt das bunte Herbstlaub und die Abendsonne für die nötige Färbung. Und mit diesen Fotos möchte ich mich aus Dresden verabschieden.


Dresden - die Altstadt - ein barockes Disneyland?

Nun also Dresden.
Im Februar 1945 wütete nach einem alliierten Bombenangriff ein Feuersturm, der die Altstadt fast vollständig zerstörte. Semperoper, Frauenkirche, Taschenbergpalais, Residenzschloss, Zwinger, alles Opfer der Flammen und Bomben und deshalb mehr oder weniger ein Trümmerhaufen. So ist das, was wir heute als Altstadt Dresdens bezeichnen, nicht wirklich alt, sondern in den vergangenen Jahrzehnten neu aufgebaut oder bestenfalls teilrestauriert. Tatsächlich hatte ich darum ein wenig Angst auf ein barockes Disneyland zu stoßen.
Unser Hotel, das Ramada Resident Hotel Dresden, befindet sich in Laubegast, im südöstlichen Randgebiet der Stadt. Wir haben da ein absolutes Schnäppchen ergattert und zahlen nur 49 Euro inkl. eines hervorragenden Frühstücks für die Übernachtung. Und zwar fürs Doppelzimmer und nicht pro Person. Darüber hinaus gibts dort Fahrräder zu mieten, der Elbradwanderweg ist nicht weit entfernt und wir wollen mit den Fahrrädern in die Innenstadt fahren. Das Wetter zeigt uns noch einmal, dass auch der Oktober ein bißchen Sommer beinhalten kann, es ist wunderbar warm und sonnig. Den ersten Abend nehmen wir die kleine Personenfähre und essen am anderen Ufer im Licht der Abenddämmerung. Im Freien. Ohne zu frieren. Wahnsinn.
Am nächsten Morgen nach dem Frühstück gehts dann los. Mit dem Rad immer die Elbe entlang.
Der Weg ist super ausgebaut, lässt sich einwandfrei fahren und bietet wirklich tolle Ausblicke auf die Elbschlösser samt Weinberge und auf die zauberhaften Villen am anderen Ufer. Unzählige Jogger, Radfahrer, Inlineskater und Kinderwagenschieber nutzen den Radweg.
In der Innenstadt angekommen schieben wir unsere Räder durch die Münzgasse und schließen sie vor der Hochschule für bildende Künste gegenüber der Frauenkirche an. Von hier aus gehts zu Fuß weiter. Erstmal Karten fürs historische grüne Gewölbe besorgen. Dort erhält immer nur eine bestimmte Anzahl Besucher innerhalb bestimmter Zeitkontingente Einlass. Wir haben versäumt Tickets im Internet zu ordern, doch tatsächlich ist das kein Problem, für heute gibts noch reichlich Tickets. 12 Euro zahlen wir inkl. eines Audioguides.
Hier muss ich jetzt einmal kurz August den Starken vorstellen. Sächsischer Kurfürst von 1694 - 1733. Nicht dass ich ihn tatsächlich kennen würde. Allerdings scheint er mir ein recht goldgieriger, sich wichtigmachender Herrscher gewesen zu sein, anders kann ich mir seine Hinterlassenschaften nicht erklären. Unter seiner Herrschaft entstanden die meisten der barocken Bauten und das historische grüne Gewölbe diente schon damals der Ausstellung seiner Sammlerleidenschaft. Nichtsdestotrotz ist der Rundgang durch die Ausstellung wirklich beeindruckend, genauso wie die bauliche Wiederherstellung der Einrichtung. Fotografieren ist im historischen grünen Gewölbe nicht erlaubt, wer also Fotos möchte klickt einfach auf den Link: Historisches grünes Gewölbe
Nächster Stop Frauenkirche.
Von 1726 - 1743 erbaut stürzte die ausgebrannte Kirche zwei Tage nach den verheerenden Bombenangriffen im Februar 1945 ein. Die Ruine war jahrzehntelang Mahnmal, bis einige Jahre nach der Wende mit dem Wiederaufbau begonnen wurde. Was nicht unumstritten war, es gab viele Stimmen, die die Ruine als Mahnmal gegen Krieg erhalten wollten. Doch nun ist sie fertig. Steht auf dem Neumarkt, fast als wäre nichts geschehen. Nur die verwendeten alten, dunklen Sandsteinziegel innerhalb der Fassade erinnern daran, dass dies keine alte Kirche ist.

Zur Kuppel hinauf fährt heute ein Aufzug, um hinaufzukommen müssen 8 Euro gezahlt werden. Nicht grad wenig, muss ich da denken, für den Hamburger Michel, der deutlich höher ist, werden lediglich 5 Euro fällig. Aber egal, der Blick von oben lohnt sich genauso wie der Blick ins Innere der Kirche.

Als wir später am Neumarkt in einem Eiscafé ein Eis bestellen wollen, erklärt uns der Kellner, es täte ihm









Leid, Eis gäbe es heut keines, da grad eine große Ladung Christstollen gekommen wäre. Tja, auch wenn es sich
draußen nach Sommer anfühlt, ist wohl doch schon ein bißchen Weihnachten in diesem Monat.
Wir bummeln
weiter durch die Innenstadt, finden immer wieder neue Detailles, die faszinieren, doch tatsächlich vermisse ich ein wenig Authentizität in diesem Viertel. Es ist vielleicht nicht unbedingt ein Disneyland, aber auf mich wirkt es nicht wirklich historisch gewachsen. Mir fehlt ein wenig echtes Leben rundherum. Doch das ist mein persönlicher Eindruck.
Nächster Stop: Semperoper


Auch ein beeindruckendes Gebäude. Wir hätten gerne einen Blick hineingeworfen, doch die nächste mögliche Führung ist erst um 22.30 Uhr, das ist uns dann doch ein wenig zu spät. So schlendern wir über den Platz Richtung Zwinger, schauen noch einmal kurz auf die Hofkirche und das Residenzschloss, die erhaben gegenüber thronen, bevor wir an der Schinkelwache vorbei den zwinger betreten.





Für die sich im Zwinger befindlichen Museen sind wir ein wenig spät, es haben auch nicht alle auf und wir sind wohl auch nicht die richtigen Museumsgänger. So sitzen wir ein wenig an den plätschernden Brunnen, machen einen Rundgang über die Zwingerbalustrade, bewundern das Nymphenbad, bevor wir in der Münzgasse noch etwas deftiges essen. Wir schaffen es grad noch vor dem Dunkelwerden mit dem Fahhrad zurück zum Hotel, der Radweg ist nämlich nicht beleuchtet. Für morgen ist die Neustadt geplant, die vielleicht irgendwie mehr die Altstadt ist. Schauen wir mal.

Burg Hanstein und die Teufelskanzel

Als Liebhaber alter Steine haben wir unseren Aufenthalt im Klausenhof natürlich gleich mit dem Besuch der darüber liegenden Burg verbunden. Wobei... Burg ist vielleicht nicht ganz richtig, eher Burgruine oder irgendetwas dazwischen.
Die Burg Hanstein kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Erstmals erwähnt im 11. Jahrhundert, wechselte sie die Eigentümer, wurde zerstört, wieder aufgebaut und gelangte schließlich in den Besitz des Mainzer Erzbischofs. Ja, man wundert sich zuweilen welches Eigentum in welche geografischen Gebiete gehört. Nicht dass das von Bedeutung wäre. Doch jener (also der Mainzer Erzbischof) gab den Bau der heutigen Burg in Auftrag. Heinrich und Lippold von Hanstein machten sich also ans Werk und auch nachfolgende Generationen taten das ihrige dazu. Zu guten Zeiten gehörten 21 Dörfer zum Gericht Hanstein. Doch da den Herren von Hanstein der Erwerb einer Stadtherrschaft nicht gelang, waren sie im 14. und 15. Jahrhundert von der wirtschaftlichen Entwicklung abgeschnitten und sahen sich zeitweise zum Raubrittertum gezwungen. Irgendwas ist ja bekanntlich immer. Die Schweden zerstörten die Burg dann teilweise im dreißigjährigen Krieg, seitdem ist sie nicht mehr dauerhaft bewohnt.
Vom Klausenhof im Ort Bornhagen brauchen wir zwanzig Minuten hinauf bis zur Burg, die widerrum in Rimbach liegt. Für 3 Euro Eintritt erhalten wir einen Flyer und dürfen selbständig übers Burggelände streifen.
Wir steigen hinauf auf einen der Türme und suchen von hier oben nach sichtbaren Zeichen, wo genau die innerdeutsche Grenze verlief, werden aber nicht fündig. Da die DDR-Grenztruppen den Nordturm der
Burg aber als Be- obachtungsturm nutzten, muss die Grenze von hier aus sichtbar gewesen sein. Später zeigt uns der junge Mann am Ticketschalter, wo genau sie lag, inzwischen nur noch zu erkennen dadurch, dass die Bäume dort weniger hoch   sind. Nach 25 Jahren wachsen die letzten Spuren langsam zu.
Die Räumlichkeiten der Burg Hanstein kann man übrigens mieten, auch Hochzeiten im restaurierten Rittersaal sind möglich. Viele Veranstaltungen finden dort statt, unter
anderem ein gut besuchtes jährliches Mittelalter- spektakel. Die Burgruine war auch Drehort für den Kinofilm "Der Medicus".
Im Sommer gibt es am Eingang der Burg auch die Möglichkeit eine Kleinigkeit zu essen oder etwas zu trinken, bei unserem Besuch im Oktober ist das Mini-Restaurant leider geschlossen.
Den zweiten Tag unseres Aufenthaltes im Klausenhof wollen wir eigentlich für eine Wanderung nutzen. Wobei ich dabei noch vorausschicken muss, dass wir nicht wirklich die Wanderer sind. Nicht , dass ihr da zuviel erwartet. Unsere Art der Fortbewegung beschreibt sich eher durch das Wort Spaziergang. Außerdem neige ich dazu in irgendwelche Löcher zu treten, über Wurzeln zu stolpern oder auszurutschen. Bin also nicht so die Hardcorewanderin.
Der Morgen begrüßt uns nach Tagen des Sonnenscheins mit freundlichem Nieselregen, der bereits das ganze Land nett durchtränkt hat. Na, toll! Nach ausgiebigem Frühstück beschließen wir trotzdem loszugehen, schließlich sind wir ja nicht aus Zucker. Also rein in die Regenklamotten und ab in den Wald. Wir wollen zur Teufelskanzel auf einem Rundwanderweg, der so zirka sieben Kilometer ausmacht. Das sollte zu schaffen sein.
Die Teufelskanzel. Klingt mystisch und geheimnisvoll. Eigentlich ein Aussichtspunkt von einer Klippe auf den hufeisenförmigen Werralauf, steckt hinter dem Namen natürlich eine alte Sage.
In einer Walpurgisnacht vor langer Zeit prahlte der Teufel, dass er den gewaltigen Felsen, auf dem er stand, auf den hohen Meißen in Hessen tragen könne, ohne einmal zu ruhen oder den Felsen gar abzusetzen. Die Hexen wetteten dagegen. Natürlich hat er dann geschummelt, sich auf dem Höheberg zur Ruhe gelegt und die misstrauischen Hexen haben ihn dort überrascht. Erschrocken fuhr er aus dem Schlaf und so ertappt stapfte er wütend mit dem Huf auf. In dem Abdruck dieses Hufeisens fließt jetzt die Werra, der Felsblock liegt noch heute auf dem Höheberg, der Teufel aber verschwand.
Während wir so durch den Wald wandern ohne jemand anderem zu begegnen, liegt Nebel zwischen den Bäumen und stetig tröpfelt es aus deren Wipfeln. Tatsächlich hat der feuchte Wald etwas verzaubertes, man erwartet fast den Teufel oder die Hexen aus dem Nebel auftauchen zu sehen. Passiert aber nicht. Stattdessen taucht irgendwann das Wirtshaus zur Teufelskanzel über uns zwischen den Bäumen auf, was uns freut, da wir inzwischen ziemlich durstig sind.
Zuerst aber wollen wir den Ausblick genießen, der aber heute durch Abwesenheit glänzt. Das ganze Tal ist nebelverhangen. Man sieht gar nichts! Na gut, dann verziehen wir uns halt in die Gaststube.
Hier brennt ein Feuer im Ofen, alte Kessel hängen von der Decke und es ist wirklich urgemütlich. Wir hängen unsere Regenjacken zum trocknen auf, bestellen etwas zu trinken und lassen die Atmosphäre auf uns wirken. Trotz des schlechten Wetters ist hier einiges los, allerdings ist das Wirtshaus auch mit dem Auto zu erreichen. Doch scheinen auch eine Menge Wanderer hier zu sitzen, sogar ein Mountainbiker trocknet grad vor dem Feuer.
Als wir wieder aufbrechen hat es endlich aufgehört zu regnen. Richtung Junkerkuppe geht es allerdings stetig bergauf und es wird immer nebeliger. Die Wegzeichen werden spärlicher, so dass wir uns zwischendurch beklommen fragen, ob wir hier immer noch richtig sind. Doch irgendwann taucht das Schild "Junkerkuppe, höchste Erhebung des Höhebergs 511 m" auf. Wir werden noch echte Pfadfinder!
Weiter gehts Richtung Lindewerrablick. Wobei wir schon vermuten, dass das bei dieser Wetterlage mit dem Blick wohl nichts werden wird. Der Wald hat hier fast etwas urtümliches. Entwurzelte Bäume am Boden, dazwischen wabern die Nebelschwaden, es fehlt nur noch der Ruf einer Schleiereule oder etwas ähnliches.

Die Nebelfetzen sind dann immerhin so freundlich uns einen kurzen Blick auf das Werratal zu erlauben. Im Sonnenschein sicher wunderschön hat der Ausblick jetzt doch eher etwas deprimierendes.
Zurück geht es dann über die alte Grenzkontrollstrecke der  DDR-Grenztruppen. Inzwischen ziemlich zugewachsen kann man sich kaum noch vorstellen, dass hier ehemals Grenzsoldaten mit ihren Fahrzeugen Patrouille fuhren.
Auf dem Parkplatz mit Blick auf Burg Hanstein bauen grad zwei Leute eine Verpflegungsstation für irgendeine Veranstaltung auf. Sofort bekommen wir Wurst und Kaffee angeboten. Wir müssen wohl ziemlich verhungert aussehen. Zeit, dass wir wieder in den Klausenhof kommen, um uns im Badezuber aufzuwärmen und noch etwas richtig gutes zu essen.