Südafrika - St. Lucia - Wale und Wunder


Vom Tembe Elephant Park starten wir am späten Vormittag Richtung St. Lucia. Auch hier waren wir bereits zweimal und SA-Urlaub Nummer drei geht auch nicht ohne St. Lucia. Irgendwie sind wir wohl Wiederholungstäter.

St. Lucia liegt wie eine Insel umgeben vom iSimangaliso Wetland Park direkt am indischen Ozean. Subtropisches  Klma, wunderbare Strände, jede Menge Hippos - gelegentlich auch mitten im Ort -,
viele Guesthouses und Hotels, gute Restaurants und Bars, Supermärkte, Bootsvermieter und Tourenveranstalter - das alles macht St. Lucia zu einem großartigen Ferienort. Darüber hinaus liegt es auch noch ideal, um andere Sehenswürdigkeiten zu erreichen. Der Hauptgrund für uns aber sind Wale. Von Juni bis November sind sie vor St. Lucia zu finden, nutzen den warmen, nährstoffreichen indischen Ozean, um ihre Kälber zu gebären, ziehen dabei dicht an der südafrikanischen Küste entlang. Während unseres ersten Urlaubs haben wir sie sehen können, beim zweiten Mal hat uns die hohe Brandung und starker Wind einen Strich durch die Rechnung gemacht. Mal sehen, ob es diesmal klappt?



Erstmal müssen wir aber ankommen. Doch wir sind nur eine kurze Strecke gefahren und schon landen wir in einer Polizeikontrolle. In unseren bisherigen Südafrikaurlauben wurden wir durch so etwas immer durchgewunken, diesmal aber werden auch wir rausgezogen. Das ist immer ein komisches Gefühl, sofort hat man irgendwelche Berichte über Willkür und Korruption im Kopf und fühlt sich seltsam hilflos ausgeliefert. In diesem Fall völlig überflüssig, nachdem unsere Papiere geprüft wurden, dürfen wir weiterfahren. Die Strecke nach St. Lucia ist gut zu befahren, auch wenn heute Samstag ist, was stets für mehr Fußgänger und Tiere auf und neben den Straßen sorgt. Wir halten kurz vor Hluhluwe bei Ilala Weavers für eine Pause. Hier kann man nicht nur von Frauen gefertigtes Kunsthandwerk erstehen, sondern auch hervorragend essen und trinken. Außerdem eignet es sich natürlich als Toilettenstop.



In der Ferne können wir immer wieder dunkle Wolken erspähen. Irgendwo geht wohl der von vielen Südafrikanern so sehr erwünschte Regen nieder. Richtig! Die Straßen sind nass, als wir in St. Lucia ankommen, Pfützen stehen in den Senken, es muss ordentlich geregnet haben.

Das Pompano Guesthouse ist schnell gefunden und gefällt uns auf den ersten Blick ziemlich gut. Vier Zimmer gruppieren sich um einen Pool, eine offene Lounge und der Frühstücksbereich laden zum Sitzen ein. Die total liebe und hilfsbereite Gastgeberin organisiert uns in kürzester Zeit erst einen Tisch in unserem Lieblingsrestaurant, dem Brazas und die Walsafari für morgen früh. Im Nachhinein verdient sie dafür ein besonders großes Lob, denn nur an diesem Tag werden die Waltouren stattfinden, an allen anderen Tagen ist dann der Wind zu stark


Nach einer kurzen Pause wollen wir dann in die Stadt bummeln, doch kaum stehen wir vor der Tür, beginnt es erneut zu regnen. Na, toll! Also fahren wir mit dem Auto zum Essen, so wie es die Südafrikaner fast immer machen und in St. Lucia sowieso,  denn hier sind im Dunkeln auch gerne mal die Hippos auf den Straßen unterwegs, um das grüne Gras in den Vorgärten abzuweiden. Das Essen im Brazas ist genauso lecker, wie wir es in Erinnerung haben. Die Espetadas - das sind marinierte Fleischspieße der besonderen Art - sind nach wie vor unvergleichlich, das Fleisch zergeht gewissermaßen auf der Zunge. 


Auch der nächste Tag fängt erstmal wieder mit Essen an, lecker Frühstück mit Blick auf Pool, allerdings scheint heute Morgen die Sonne, hurra! Es ist trotzdem noch etwas frisch, als wir uns zu Fuß auf den Weg zur Whale-Office machen. Nach all den Auto- und Safarifahrten ist es wirklich schön sich mal wieder bewegen zu können, gefühlt haben wir die letzten Tage nur in irgendwelchen Fahrzeugen verbracht. Und damit wir nicht aus der Übung kommen, dürfen wir alle in einem Anhänger Platz nehmen und werden damit von einem Trecker zum Strand gezogen. Einen Hafen gibt es nämlich in St. Lucia nicht - also keinen mit Zugang zum Meer jedenfalls. Unsere Walsafari startet also vom Strand und glaubt mir, das allein ist schon ein besonderes Erlebnis.
Wir sehen aus wie die Männer von der Müllabfuhr in unseren orangen Regenjacken und Schwimmwesten. Nachdem alle schön verkleidet sind, gibt´s von unserem Skipper klare Instruktionen wie man zu sitzen und sich festzuhalten hat. Und schon gehts los. Ein leistungsstarker Trekker schiebt uns mittels einer Stange in die Brandung, das ganze scheint sich automatisch zu lösen und die 300 PS-Motoren lassen uns davon schießen. Jede Welle hebt uns ein wenig aus den Sitzen, lässt uns kurzfristig in der Luft stehen und mit einem lauten Rums wieder auf dem Wasser landen. Wenn man es als Achterbahnfahrt betrachtet, macht es sogar richtig Spaß.
Nachdem wir die Brandung hinter uns gelassen haben, begrüßen uns langgezogene Wellen, die sich leicht ausbalancieren lassen. Von der Gruppe Italiener, die gemeinsam mit uns an Bord sind, ist einer inzwischen ziemlich grün im Gesicht, er hängt für den Rest unserer Seefahrt mehr oder weniger über der Reling. Armer Kerl!



Kurze Zeit später haben wir die erste Gruppe junger Wale vor uns. Unser Skipper nutzt die Strömung, so dass wir die Tiere nicht verschrecken, wir dümpeln ganz langsam in ihre Richtung. Was für gigantische Tiere! Wir stehen breitbeinig, staunend, halten uns mit einer Hand irgendwo fest, versuchen mit der anderen vernünftige Fotos zu machen. Nicht ganz einfach, zumal man bei dem Wellengang nie so genau weiß, wo die Wale wieder auftauchen. Und hat man sie einmal fokussiert, hebt die nächste Welle sie wieder aus dem Blickwinkel.



Die Wale sind neugierig, kommen näher und umrunden unser Boot. Wahrscheinlich fragen sie sich, welcher seltsamen Walart wir denn angehören.

In der Ferne sehen wir Wale springen, mit Worten kann ich einfach nicht wiedergeben was für ein Schauspiel das ist. Unser Skipper erzählt uns, dass sie das tun, um sich von überschüssiger Haut zu befreien. Ich finde es einfach unglaublich, dass diese Kolosse es schaffen ihre Körper so weit aus dem Wasser zu heben. Irgendwie wirkt es, als hätten sie eine Menge Spaß dabei.
Die zwei Stunden vergehen wie im Fluge. Also für uns. Für den Italiener wohl eher nicht. Der ist absolut fertig, als wir wieder an Land sind und schlurft auf seine Frau gestützt Richtung Trecker. Es hat seine Vorteile seefest zu sein.


Den Rest des Tages verbringen wir an St. Lucias Strand. Es ist nicht unbedingt Badewetter, aber in der Sonne kann man es wirklich gut aushalten.
Was wir sonst noch in St. Lucia gemacht haben?
Wir haben uns jeden Abend den Bauch voll geschlagen... Einfach lecker!
Einen Tagesausflug in den Hluhluwe-Imfolozi-Park. Der war so spektakulär, der bekommt einen eigenen Bericht.
Einen Ausflug zum Cape Vidal. An unserem letzten Tag hört sich die Wettervorhersage vielversprechend an. 28° und den ganzen Tag Sonne. Perfekt für einen Strandtag! Die beiden Damen, die unser Guesthouse betreiben, haben uns Cape Vidal empfohlen, die kennen sich aus, also nichts wie hin. Cape Vidal ist Teil des iSimangaliso Wetland Park. iSimangaliso bedeutet Wunder in der Sprache der Zulu und dieser Park ist wirklich wie ein Wunder. Er ist so gar nicht das, was man in Südafrika erwarten würde, denkt man doch eher an ausgedörrte Steppenlandschaften. Doch hier ist üppiges Grün die vorherschende Farbe, man findet die größte bewaldete Dünenlandschaft der Erde, ausgedehnte Feuchtgebiete, an Regenwald erinnernde Vegetation. Hier leben die größten Krokodil- und Nilpferdpopulationen Südafrikas, die letzten verbliebenen Sümpfe sind Teil des Parks und man findet eine unglaublich vielfältige Tierwelt vor.


Die Feuchtgebiete des Parks sind eine willkommene Abwechslung nach all den Tagen im trockenen Buschland. Wir freuen uns über all das Grün, das tropfende Nass und die frischen Farben. 
Cape Vidal entpuppt sich als Traumstrand, fast weiß ist der feine Sand, der sich scheinbar endlos sowohl nach links als auch nach rechts erstreckt, als wir aus dem Pinienwald heraustreten. Vorgelagert sind einige Riffe, die der Brandung an manchen Stellen und manchen Tagen wohl etwas von der Stärke nehmen. Heute allerdings bläst der Wind kräftig, wir sind froh ein geschütztes von Pinien beschattetes Plätchen zu finden, am Strand selber ist man automatisch sandgepökelt.



Die Brandung ist heftig, schwimmen dadurch schwierig bis unmöglich. Doch es geht seicht ins Wasser, man kann sich auf den Beinen halten und irgendwann findet man den Spaß wieder, wenn man sich auf die Wellen einlässt.



Einlassen muss man sich auch auf die Samangoaffen in den Bäumen, die sich gerne an den Taschen und Rucksäcken zu schaffen machen, auf der Suche nach irgendwelchen Leckereien. Wer jedoch ein wenig wachsam ist, bekommt sie auch immer wieder gut verscheucht. Allerdings scheinen einige Leute damit große Probleme zu haben, wie wir amüsiert feststellen können. Eine vierköpfige deutsche Familie lässt sich inmitten des Pinienwaldes nieder, um dort ihr Picknick zu sich zu nehmen und so werden wir belustigt Zeuge ihres Kampfes gegen den Affenclan. Es ist am Ende nicht ganz klar wer jetzt eigentlich Sieger dieses Disputs ist. Selten so gelacht!


Wir verbringen ein paar chillige Stunden in der Sonne, genießen diesen unglaublichen Blick auf den indischen Ozean, während wir unser mitgebrachtes Biltong und ein paar Nüsse essen. Der Lebensmittelladen ist außerhalb der Saison nämlich geschlossen, wer nichts dabei hat, der hat Pech. Schließlich machen wir uns auf den Weg zurück, nicht ohne dabei noch ein paar Büffel, Zebras und Nashörner zu entdecken. Was für ein Ausflug!
Tatsächlich haben wir nur einen kleinen Teil dieses wunderbaren Parks gesehen, zwischen St. Lucia und Cape Vidal liegen nämlich nur 35 Kilometer. Wie gut, dass wir im nächsten Jahr noch einmal wiederkommen, dann bleibt sicher Zeit für den Rest des Parks.



Südafrika - Emirates und der Tembe Elephant Park

Südafrika. Endlich. Warum wir immer wieder dahin fliegen? Das erkläre ich in einem anderen Beitrag. Das habe ich mich nämlich selber schon gefragt. Und ich verrate euch vorher: Es ist nicht nur wegen der Elefanten.
Apropos fliegen, diesmal fliegen wir mit Emirates. Mit der Vorstellung von Luxus pur im Kopf. Die gleich schon bei der Gepäckabgabe verscheucht wird, da die gute Dame dahinter die erste in unserer Reisegeschichte ist, die unser Handgepäck wiegt. Sieben Kilo darf das haben, da wir zumindest auf dem Hinflug irgendeine Billigvariante gebucht haben. Tja, dank des mitgenommenen Laptops und der Fotoausrüstung liegt einer unserer Rucksäcke mit neun Kilo doch reichlich darüber. Es folgt hektisches Umpacken unsererseits und irgendwann passt es dann. Mit leichten Schweißperlen auf der Stirn geht es durch die Kontrolle und wir starten pünktlich Richtung Dubai.
Wir werden ordentlich versorgt und haben reichlich Entertainment zur Auswahl. Das war es dann aber auch schon. Einen riesigen Unterschied bei Sitzabstand und Beinfreiheit kann ich nicht wirklich erkennen. Nach etwas über sechs Stunden Flug begrüßt uns Dubai Airport mitten in der Nacht mit nicht nur gefühlten, sondern tatsächlichen 38°. Also tagsüber möchte ich hier nicht sein.
Der Bustransfer zum Flughafengebäude braucht über 15 Minuten, glücklicherweise kühlt die Klimaanlage auf angemessene Temperatur runter. Nachdem unsere Pässe noch einmal kontrolliert werden, unser Handgepäck erneut durchleuchtet, versuchen wir uns zu orientieren. Leider zeigt die Anzeigetafel kein Gate für unseren Weiterflug nach Johannesburg, so dass wir lange Zeit orientierungslos und ziemlich müde zwischen Scheichs und tief verschleierten Frauen sitzen. Die man übrigens auf der Damentoilette ohne Verschleierung beim Auffrischen des Lippenstifts wiedertreffen kann. Hartnäckiges Nachfragen bringt dann irgendwann Klarheit, obwohl die Anzeigetafel das weiterhin konsequent verschweigt. Schlaftrunken wandern wir schließlich unserem Gate entgegen und stellen dabei fest, dass unsere Vorstellungen von diesem Flughafen so gar nicht der Wirklichkeit entsprechen. Keine Ahnung was wir uns genau vorgestellt haben, irgendwas Spektakuläres, entsprechend den Bildern der Hotels und Wolkenkratzer, aber eigentlich ist es nur ein ganz normaler Flughafen. Bißchen mehr Marmor, dafür aber viel weniger Sitzplätze als ein durchschnittlicher europäischer Flughafen.
Mitten in der Nacht heben wir erneut ab, es gibt noch einen Nachtsnack und wir fallen trotz der Enge schließlich in einen unruhigen Schlummer. Kurz nach zehn Uhr Ortszeit erreichen wir Johannesburg. Das entspricht der deutschen Uhrzeit, es gibt keine Zeitverschiebung. Ratzfatz sind wir durch die Passkontrolle, angeln unsere Koffer vom Gepäckband, tauschen Geld und holen unseren Mietwagen ab. Das geht so schnell, dass wir uns schon auf der Straße befinden bevor wir richtig begriffen haben, dass wir angekommen sind. Hurra, wir sind in Afrika!
Unser erstes Ziel ist ein Gästehaus in Piet Retief oder wie der Ort seit 2010 heißt: eMkhondo. Das bedeutet, wir haben noch 300 Kilometer Autofahrt vor uns. Und die können ganz schön lang werden, wenn man nicht so richtig ausgeschlafen ist, mir fallen mehrfach die Augen zu. Glücklicherweise bin ich nur Beifahrer. Unterwegs kaufen wir Biltong und Wasser, damit wir etwas zu kauen haben. Tatsächlich schaffen wir es heil anzukommen.

Das Gästehaus in Piet Retief ist nur ein Zwischenstop. Tatsächlich wollen wir den Tembe Elephant Park erreichen, das hätten wir aber in einer Tagestour so nicht geschafft. Also übernachten wir im Gästehaus (aloecountrylodge) einer Familie, die bereist vor fünf Generationen aus Deutschland ausgewandert ist. Erstaunlicherweise wird hier immer noch ein sehr gutes Deutsch gesprochen, so dass es sich angenehm plauschen lässt. Wir bekommen einen super Restauranttipp und schlagen uns so am Abend im Munch den Magen voll. Solltet ihr mal nach Piet Retief kommen, geht dort essen, das Filetsteak ist ein Traum! Dazu gibt es einen guten Rotwein und dank des Umrechnungskurses verlassen wir das Restaurant nur um wenig mehr als 20 Euro leichter. Hach, Südafrika, schön hier zu sein!
Es ist empfindlich kalt geworden, als wir wieder im Gästehaus ankommen. Ist ja Winter hier. Wobei der von den Temperaturen eher unserem Sommer entspricht. Heizung gibt es keine, also wickeln wir uns fest in unsere Bettdecken, nachdem wir den bereitgestellten Schnaps getrunken haben, der uns aufwärmen soll und sind kurze Zeit später eingeschlafen. Es ist übrigens noch keine 21 Uhr, aber was macht das schon? So finden wir perfekt wieder in unseren afrikanischen Rhythmus.
Am nächsten Tag gehts weiter Richtung Tembe Elephant Park. Unser Navi streikt, keines der eingegebenen Ziele ist ihm bekannt. Gut, das Maputaland an der Grenze zu Mozambique ist touristisch noch nicht so erschlossen, aber dass unser altes Tomtom sich hier gar nicht auskennt ist schon etwas seltsam. Egal, wir haben einen guten Reiseführer und fahren nach Karte. Außerdem waren wir bereits zweimal hier, das wird sich wiederfinden lassen.
Kurz vor Mkuze verlassen wir die N2 und biegen ab Richtung Jozini. In diesem quirligen Flecken tanken wir, beeindruckt vom Treiben ringsherum. Wir scheinen die einzigen mit weißer Hautfarbe in diesem Ort zu sein, für uns Europäer ein eher ungewöhnliches Gefühl. Frisöre bieten in fantasievoll gestalteten Blechhütten längs der Straße ihre Dienste an, zwischen parkenden Autos hüpfen etliche Ziegen auf der Suche nach Futter, ein buntes Durcheinander von Waren, Gemüse und Obst wird angeboten und unzählige Menschen sind auf den Straßen unterwegs, Mütter mit Kindern auf dem Rücken, die gleichzeitig ihre Waren oder Einkäufe auf den Köpfen balancieren, coole Typen mit verwegenen Sonnenbrillen, ich könnte stundenlang sitzen und gucken. Aber wir müssen weiter.
Die Straße entpuppt sich als deutlich besser, als bei unserem ersten Besuch, nur noch wenige Potholes, vor allen Dingen keine mehr in denen man den ganzen Wagen hätte versenken können, das macht das Fahren fast entspannt.
Wir erreichen den Park um kurz nach zwei, so dass wir es nach dem Einchecken  grad noch schaffen am Nachmittagsgamedrive teilzunehmen. Es hat sich einiges verändert in der Lodge seit unserem letzten Besuch 2012. Am Eingang gibt es inzwischen eine Rezeption, die Zahl der Zelte hat sich fast verdoppelt, das Restaurant ist überdacht. Die Gäste sitzen nicht mehr an einer langen Tafel, sondern an einzelnen Tischen. Das finde ich tatsächlich irgendwie schade, ist man doch sonst immer so schnell ins Gespräch gekommen. Doch wie immer begrüßt uns das Personal mit Gesang und Tom, der Manager, heißt uns willkommen mit den Worten: welcome back home. Und genau so ein Gefühl ist das auch.  
Der Tembe Elephant Park (Tembe Elephant Park) liegt im Maputaland an der Grenze zu Mozambique. In diesem Grenzgebiet gab es früher große Herden freilebender Elefanten, die besonders während des Bürgerkriegs in Mozambique stark gewildert wurden. 1983 wurde zu ihrem Schutz das heutige Reservat gegründet und erst 1992 für Besucher freigegeben. Das Land gehört den Tembe, einem Stamm des Tonga Volks, das hier seit Jahrhunderten lebt. Die freundlichen und  aufgeschlossenen Tembe verwalten den Park gemeinsam mit der staatlichen Naturschutzbehörde Ezemvelo KZN Wildlife. Und genau das ist das Besondere an diesem Park, nämlich dass der Park vom Tembe Volk selbst gemanagt wird, ein Großteil der Einnahmen der Lodge an die Dorfgemeinschaft zurückgeht, dadurch fortgehend Arbeitsplätze für die Menschen geschaffen werden und durch diese Zusammenarbeit der Artenschutz ebenfalls viel besser funktioniert. Ein wünschenswertes Modell für viele andere Teile der Welt. Tatsächlich ist Tom der einzige farbige Manager einer Lodge und eines Parks, den wir auf unseren Reisen kennengelernt haben. Darüber hinaus haben wir nirgendwo so freundliches und fröhliches Personal  erleben dürfen, und zwar vom Küchenpersonal bis zum Guide. Einfach immer wieder toll!
Unser Fahrer für diesen Aufenthalt ist Carlos. Es gibt hier - wie in den meisten Parks - morgens und abends einen Gamedrive. Tatsächlich ist es heute ziemlich heiß, über 30°, die Sonne strahlt und der mitgebrachte Fleecepullover für die evtl. kühlen Abendstunden ist erst einmal völlig überflüssig. Am Wasserloch stillen einige Nyalas und eine Herde Elefantenbullen gerade ihren Durst. Wenig Wasser scheint im Wasserloch zu sein, überhaupt ist es im Gegensatz zu unserem letzten Aufenthalt ziemlich trocken. Auf der weiteren Fahrt erfahren wir von Carlos noch eine Menge über die uns umgebende Botanik, unter anderem zeigt er uns eine Frucht, mit deren Hilfe sich die Milch der gehüteten Ziegen innerhalb kürzester Zeit in Joghurt verwandeln lässt. Sehr praktisch!
Bis zum Sundowner stoßen wir noch auf einen weiteren Elefantenbullen im Busch. Der Sonnenuntergang ist für uns Nordeuropäer irgendwie hastig, aber wunderschön anzusehen. Die Temperatur wird angenehmer. Über Funk kommt plötzlich die Durchsage, dass in der Nähe Löwen sind. Hektisches Einpacken, eine kurze Fahrt und da liegen sie im hochstehenden, trockenen Gras im schwindenden Abendlicht. Vier Löwendamen. Leicht angenervt von der unerwünschten Aufmerksamkeit ziehen sie sich etwas später in den Bush zurück.
Wir kehren zurück ins Camp und genießen unser Dinner bei Kerzenschein, wie immer angekündigt von einer aufgeregten Mitarbeiterin der Küche, der man unschwer ansehen kann, wie froh sie ist, es endlich fehlerfrei auf Englisch hinter sich gebracht zu haben. Über uns funkeln die Sterne am nachtschwarzen südlichen Himmel, als wir durch die Dunkelheit zurück zum Zelt gehen. Was kann es uns gutgehen...
So vergehen die Tage in ihrem ganz eigenen afrikanischen Safarirhythmus. Aufstehen noch vor Sonnenaufgang, wenn leichter Nebel zwischen den Mopanebäumen steht und die Konturen verwischt. Einen kleinen Kaffee oder Tee, vielleicht ein paar Früchte, dann geht es meist in Decken gewickelt los. An manchen Morgenden scheint der Park geradezu mystisch.
Manchmal  finden sich kleine, manchmal große Tiere auf der ersten Pirschfahrt, manchmal scheint der Park auch wie leergefegt. Jede einzelne Fahrt hat ihren eigenen Zauber, jede Begegnung ist einzigartig und immer wieder überraschend. Bei der Rückkehr gibt es ein opulentes Frühstück, danach ein wenig Zeit für Muße. Nach dem Lunch geht es dann erneut in den Park, neue Erlebnisse, neue Begegnungen, Gerüche, Geräusche und Geschichten, die Carlos uns erzählt. Unser Sein reduziert sich auf  300 Quadratkilometer Park, es ist einfach so faszinierend. Nie weiß man zuvor was der Tag einem bescheren wird, manchmal benötigt man wirklich viel Geduld, da scheinbar alle Tiere beschlossen haben sich ins tiefste Dickicht zurückzuziehen. Wenn man die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben hat, sich bereits aufs Frühstück oder Dinner freut, dann beschließt vielleicht ein Elefantenbulle unser Safarifahrzeug zu inspizieren. Oder eine Löwenfamilie schaut um die Ecke. Wer weiß? Wir beschließen jeden Tag mit dem Dinner im Kerzenschein, sitzen vielleicht noch etwas am Feuer und sind früh im Bett. Ich möchte euch nicht langweilen, indem ich euch die Erlebnisse eines jeden Tages schildere, berichte euch deshalb nur über die Highlights.
Eines Morgens auf dem Rückweg zum Camp, kurz vor dem Frühstück, kreuzt eine Elefantenherde unseren Weg. Inklusive Babyelefant. Wir stehen sicherlich 15 Minuten, warten bis sie passiert sind. Freuen uns ihnen zuzusehen und bemerken dabei, wie wunderbar alle aufeinander Acht geben. Elefanten sind bekannt für ihr ausgeprägtes Sozialverhalten, Familienbande sind unheimlich wichtig, es wird auf verschiedenste Arten kommuniziert, sie scheinen Mitgefühl und Trauer zu empfinden und sind überhaupt einfach großartig. Ich liebe Elefanten!
Ein anderes Mal erblicken wir nach einer Kurve plötzlich fünf Giraffen, die uns erst vorsichtig beäugen, dann aber einfach ignorieren. Zwei von ihnen beginnen unvermittelt mit einer Art Tanz, graziös wenden sie ihre langen Hälse, als würden sie sich umschlingen wollen, richten sich wieder auf und beginnen aufs neue.
Elefanten treffen wir immer wieder, klar, ist ja auch ein Elephantpark. Ganz besonders aber ist die Begegnung mit diesem Bullen, der inmitten einer Herde Elefantenkühe samt Kälbern wandert und beschließt unser Fahrzeug mal genauer zu betrachten. Er kommt so dicht, dass wir ihn hätten berühren können und mit einem Gemisch aus Angst und Faszination den Atem anhalten. Unglaublich! Genauso wie die Löwendame, die plötzlich dort auftaucht, wo wir unseren Kaffee trinken. Glücklicherweise war ich noch nicht hinter dem Busch verschwunden. Carlos scheucht uns schnell wieder ins Fahrzeug und kurze Zeit später schreitet die Lady hoheitsvoll hinter unserem Auto vorbei...
Natürlich sehen wir auch jede Menge Vögel, Antilopen und andere kleine Tiere. Und sollten wir einmal längere Zeit nichts entdecken, hat Carlos immer eine spannende Geschichte für uns bereit. Wie die über den Honeyguide, einem Vogel, der es bemerkenswerter Weise versteht, Menschen zu wilden Bienenstöcken zu führen. Er lässt sich sogar mittels einer Flöte herbeirufen, die sich die Hütejungen aus der Frucht eines Strauches herstellen. Dann wartet er geduldig, bis der Bienenstock offen ist, der Honig entnommen und verputzt dann die verbleibenden Larven und das Wachs. Die Welt ist ein Wunder!
So vergehen unsere vier Tage wie im Flug. Manchmal können wir müßig vor dem Zelt sitzen und bekommen dabei auch noch Besuch von einem Nyalapärchen. 
Manchmal sind wir aber auch ziemlich froh über die mitgebrachten Fleecepullover, denn im Gegensatz zu unseren vorigen Besuchen ist es an einigen Tagen doch schon fast empfindlich kühl, sehr, sehr windig und tatsächlich können wir auch einen Regenschauer samt Gewitter erleben. Doch glücklicherweise erwartet uns am Abend immer eine eingeschaltete Heizdecke unter den Decken. In der morgendlichen Kühle - um 5.30 Uhr werden wir freundlich geweckt -  kostet es dann ein wenig Überwindung sich unter die Außendusche zu stellen. Obwohl das Wasser wirklich heiß ist. Am Vormittag des vierten Tages müssen wir Tembe wieder verlassen. Wie immer fällt es schwer. Aber wir kommen wieder, das ist auf jeden Fall klar. Nächstes Jahr im Oktober. Da ist es sicherlich wärmer. Wir freuen uns schon.