Wales IV: Pembroke, einige Irrfahrten, Little Haven und Broad Haven

Wir starten heute ohne Frühstück. Kein Brot mehr- kein Frühstück. Auf dem Weg nach Pembroke wird es sicher irgendwo die Möglichkeit geben etwas zu essen. Denken wir. Aber Pustekuchen! Als wir auf dem Parkplatz hinter der Burg stehen, ist unser Magen immer noch leer. Auch das idyllisch aussehende Café auf der anderen Seite der Brücke hat kein breakfast im Programm. Doch zumindest können die uns verraten, wo wir ein gutes Frühstück bekommen. An der Mainstreet liegt auf der linken Seite, kurz nach der Abbiegung zur Millbridge, ein eher unscheinbares Lokal, dort wird auch Frühstück serviert. Und was für eins! Superfreundliche Bedienung, guter Kaffee und absolut reichhaltig. Wirklich empfehlenswert. Leider haben wir weder den Namen noch ein Foto. Trotzdem ist es eigentlich nicht zu verfehlen.
So gestärkt beginnen wir mit der Besichtigung des imposanten Bauwerks. Für 5.00 £ pro Person kommen wir hinein und erhalten sogar einen Prospekt auf Deutsch, der durch die Burg führt und eine Menge geschichtlicher Informationen enthält.
Den Rundgang beginnen wir im ältesten Teil der Burg, der

von dem eindrucksvollen Bergfried beherrscht wird. Über 22 Meter hoch und mit einem Durchmesser von 15 Metern, 5 Stockwerken und einer steinernen Kuppel schon sehr besonders.
Danach führt der Rundgang durch die Ruinen verschiedener Wohngebäude, von dem im Erdgeschoss liegenden Küchenbereich  gehts dann eine dunkle Wendeltreppe hinab in eine riesige Naturhöhle, die sogenannte Woganhöhle.
Hier hallt es ordentlich, ein Spaß für die kleinen Kinder, die sich mit uns dort aufhalten. Wahrscheinlich wurde die Höhle als Lager oder Bootshaus genutzt. Wir werfen noch einen Blick in den Gefängnisturm, wo die Gefangenen in einem dunklen Verlies direkt neben dem Küchenbereich untergebracht waren. Bestimmt kein gutes Gefühl, wenn man weiß, dass hinter den dicken Mauern leckere Speisen und fetttriefende Braten brutzeln, während man selbst sich von Wasser und Brot ernähren muss.


Es ist warm, ein leichter Wind weht und die Burg wirkt wunderbar verwunschen. Wir sitzen ein wenig auf einer Bank im Schatten, bevor wir uns den Außenbereichen zuwenden.









In einem der durch Wehrgänge verbundenen Türme gibt es eine anschauliche Ausstellung zur Geschichte der Burg, die auch jüngeren Besuchern das Leben und vor allem auch das Sterben auf und um diese Burg näherbringt.
Pembroke sonst bietet keine besondere Attraktionen. Da wir inzwischen genug Gebäude gesehen haben, wollen wir uns nun der Natur zuwenden. Am Südende der zirka 30 km entfernten St. Brides Bay, liegen einige felsige Inseln, die über einer halben Million Seevögeln eine Heimat bieten. Unter anderem sollen dort auch Papageientaucher nisten. Die wollen wir sehen. Im letzen Schottlandurlaub ist uns das leider nicht gelungen.Von dem kleinen Ort Martin´s Haven starten Bootsfarhrten zur Insel Skomer.
Die Dame aus dem Navi erledigt diesmal ihren Auftrag zuverlässig. Natürlich sind es erneut Singletrackroads, natürlich sind sie heckengesäumt, natürlich sind sie kurvig. Doch unsere neue Walesmap sagt, dass keine anderen Straßen vorhanden sind. Insofern ist das in Ordnung.
Strand von Little Haven
Leider fährt das letzte Boot nach Skomer bereits um 12 Uhr und wir kommen erst um viertel nach zwölf auf dem Parkplatz in Martin´s Haven an. Tja, zumindest heute wohl keine Puffins ( engl. Papageientaucher) . Der wirklich freundliche Parkplatzwächter erklärt uns, dass wir fürs Parken 5.00 £ bezahlen müssten. Wir beschließen uns einen netten Strand zu suchen und drehen um. Statt eines Strandes finden wir wunderschöne Steilküsten, Leuchttürme, die nicht mehr betrieben werden, Orte, die nur aus Einbahnstraßen bestehen, Kühe und Schafe. Alles unter einem tiefblauem Himmel,
sonnendurchflutet. Nach einer Stunde haben wir keine Lust mehr und befragen unseren Reiseführer. Wir entscheiden uns für Little Haven, ein kleines Dörfchen mit pastellfarbenen Ferienhäuschen und einem kleinen Kiesstrand. Am Strand halten wir es dann nur ein Stündchen aus, ein böhiger Wind weht hier, zum baden ist es zu kalt.
Wir schlendern durch den Ort, trinken ein Kännchen Tee, entdecken nette Fahrzeuge und gehen dann den Küstenweg hinauf. Von hier hat man traumhafte Ausblicke.
Wir sehen zu, wie sich das Was- ser lang- sam zurückzieht. Bei Ebbe soll es möglich sein von Little Haven ins benachbarte Broad Haven am Strand zu Fuss zu laufen. Bei Flut sind die beiden Dörfer wieder getrennt. Die ersten Wagemutigen kann man bereits durchs Wasser waten sehen.
Über uns schwirrt die ganze Zeit ein kleiner Greifvogel auf der Suche nach Beute, vielleicht ein Rotmilan, aber eigentlich habe ich gar keine Ahnung von Greifvögeln. Faszinierend, wie er nahezu mühelos in der Luft zu stehen vermag, um dann ganz plötzlich hinabzustoßen. Irgendwann fliegt er weiter. Wir beschließen nach Broad Haven zu fahren, um dort etwas zu essen.
Broad Haven hat einen langen Sandstrand, an dem es erstaunlicherweise absolut windstill ist. Also fish & chips holen und ab damit an den Strand. Die Portionen sind riesig und wir haben keine Chance diese Mengen zu schaffen, obwohl es wirklich richtig lecker ist.
Danach machen wir einen Strandspaziergang. Es ist wärmer als am Nachmittag und das Licht der tiefstehenden Sonne ist wunderschön.
Hier können wir im Kleinen bewundern, was wir zuvor im Großen gesehen haben: Burgen. Mit viel Liebe zum Detail an den Strand gebaut.
Der Weg nach Little Haven ist immer noch nicht trockenen Fusses möglich, doch das hindert hier niemanden. Es scheint eine regelrechte Wanderbewegung von einem Ort zum anderen hier am Strand zu geben. Nett zu beobachten.


Doch langsam wird es Zeit zurückzufahren. Wir wollen morgen früh los, es geht weiter in den Norden Wales, nach Llandudno. Wir müssen noch ein paar Lebensmittel einkaufen und unsere Sachen in der Ferienwohnung zusammenräumen. Also, Sand von den Füßen streifen und Aufbruch. Mal sehen wie gut wir morgen den Weg finden.




Wales III: Tenby und Manorbier

Der nächste Morgen, das gleiche Ritual. Akrobatische Badbenutzung, danach Frühstück an der frischen Luft. Wir haben nur noch Reste und müssen am Abend irgendwas einkaufen.
Danach machen wir uns auf den Weg- mit ausgeschaltetem Navi- Richtung Tenby. Tatsächlich ist es so einfach, dass man sogar mit der ziemlich groben ADAC-Karte hinfindet.
Tenby wäre meine erste Wahl für eine Unterkunft gewesen. Leider habe ich aber nichts gefunden, was bezahlbar und angemessen gewesen wäre.  Was schade ist, wie wir im Laufe des Tages feststellen werden.
Wahrscheinlich errichteten die Wikinger bereits im frühen Mittelalter eine Siedlung bei Tenby. Die mittelalterlichen Stadtmauern sind heute noch zu sehen und wegen der relativ geschützten Lage blickt Tenby auf eine wechselhafte Geschichte zurück. Im viktorianischen Zeitalter entwickelte es sich dann zu einem Seebad für die wohlhabende Bevölkerung.
Der Ort verfügt über eine super Ausschilderung. Direkt an der Touristeninfo gibt es ein Langzeitparkhaus, das auch verhältnismäßig günstig ist.
Ich muss noch schnell eine kurze Anmerkung zur Toilettensituation in Wales loswerden. Ich habe selten so gut ausgeschilderte, saubere mit allem bestückte Toiletten gefunden wie hier. Darüber hinaus sind diese auch noch kostenlos. Für alle mit schwacher Blase ein absolutes Highlight. Auch an der Touristeninfo finden wir so ein öffentliches Klo, hurra!
Mit einem Stadtplan bewaffnet machen wir uns auf den Weg. In die Altstadt finden wir durch einen Einlass in der alten Stadtmauer.
Kaum durchschritten hat das Städtchen unser Herz schon erobert. Ein wirklich zauberhafter Ort. Wir stehen in mittelalterlichen Straßen und Gassen voller Pubs, Eisdielen und Souvenierläden. Wunderschöne Fassaden in kräftigen Farben, geschmückt mit Blumen. Blumen sind hier wirklich allgegenwärtig. Einfach schön!


Wir schlendern Richtung Wasser. Tenby hat das Glück gleich mehrere Strände zu haben, geteilt durch den Castle Hill gibt es einmal den North Beach mit dem kleinen Hafen, Castle Beach und South Beach. Alles wunderbare Sandstrände, pitoresk umrahmt von Felsen und pastellfarbenen Häusern.
Wir werfen einen Blick in die St. Marys Church aus dem 13. Jahrhundert mit faszinierenden verschnörkelten
Holzschnitzereien. Stille umfängt uns. Ein paar Gläubige entzünden gerade Kerzen und spontan steigt der Wunsch in mir auf es ihnen gleich zu tun.  Manchen Menschen, die ich kenne, würde ein wenig Fürbitte sicher nicht schaden.
Wir beschließen am Hafen einen Kaffee zu trinken, werfen auf dem Weg einen Blick in den chaotischsten, aber liebenswürdigsten Buchladen, den ich bisher gesehen habe.
Er liegt direkt neben dem Tudor Merchants House und ich frage mich, wie der reizende Besitzer hier den Überblick behält.
Jeder Zentimeter scheint von Bücherstapeln belegt, so dass kaum Platz bleibt sich hindurchzuschieben und man mit der Angst leben muss irgendwas zu Fall zu bringen.
Das  schräg daneben liegende Tudor Merchants House ist das Wohnhaus eines Händlers aus dem 15. Jahrhundert und an sich kann man es besichtigen. Nur heute nicht. Heute ist dort eine Schulveranstaltung. Schade!
Im Hafen trinken wir einen Kaffee, knabbern einen Bourbon-Cream-Cookie dazu, schauen den kreischenden Möwen nach, während wir auf einer der zahllosen Bänke sitzen und den Sonnenschein genießen. Perfekt!


Danach gehts hoch zum Castle Hill, auf dem noch die Ruinen der normannischen Burg stehen, ganz oben auf dem Hügel ein einsamer Turm, umgeben
von Bänken, die wiederrum zu einer Rast einladen. Bänke gibt es hier unendlich viele, häufig mit einer Gedenktafel versehen, die an einen Ver- storbenen erinnert. Eine schöne Sitte, die dafür sorgt, dass wir uns ständig irgendwo hinsetzen. Und die Aussicht genießen. Aber wir haben ja auch Urlaub.
Wir besuchen noch einige Geschäfte, kaufen für unser Mittagspicknick ein paar Cornish Pasties, wunderbar herzhaft gefüllte Teigtaschen unterschiedlich in Form und Geschmack, die wir wiederrum auf einer der vielen Banken sitzend, genüsslich verzehren.
Am frühen Nachmittag beschließen wir dann weiterzufahren. Eigentlich wollen wir nach Pembroke, um uns die dortige Burg anzusehen, aber wir entscheiden spontan anders und biegen Richtung Manorbier ab. Ein schöner Name übrigens, er wird tatsächlich Män-er-bier ausgesprochen, was bei mir erneut Kopfkino auslöst. Manorbier ist ein kleines Dorf mit einem schönen Sandstrand, an dem sich Manorbier-Castle schroff aus dem Grün erhebt.


Also Auto auf dem obligatorischen Parkplatz abstellen, Parkgebühr bezahlen und hoch zur Burg stiefeln. Eintritt   5 £, das ist in Ordnung. Die Burg, oder was davon übrig ist, gefällt uns ausgesprochen gut. Die Gebäude gruppieren sich um einen schönen Garten, es wirkt fast, als wäre das ganze in privater Hand.















Die Lage am Wasser macht es noch reizvoller, die vielen Lücken im Mauerwerk gewähren immer neue, interessante Ausblicke. Ein schöner, irgendwie verwunschen wirkender Ort. Übrigens im Jahr 1146 der Geburtsort einer der größten Gelehrten des Landes, eines gewissen Giraldus Cambrensis oder Gerald von Wales. Ich muss zugeben, ich habe noch nie von ihm gehört, aber er soll sich als Historiker, Schriftsteller und Dichter einen Namen gemacht haben. Er hat einen wirklich schönen Geburtsort, das muss man ihm lassen.

 
Danach laufen wir zum Sandstrand, den wir von den Türmen der Burg bereits gesehen haben. Das Wasser ist ziemlich weit weg, es ist Ebbe.
Wir machen eine lange Pause, schaffen es sogar ins kalte Wasser der irischen See, bevor wir irgendwann feststellen, dass nicht mehr viel Zeit ist, wenn wir noch etwas einkaufen wollen.
Zurück fahren wir über Pembroke, um kurz zu schauen, ob es sich lohnt dort morgen die Burg zu besichtigen. Sie ist absolut imposant, es wird sich lohnen. Dann werden wir leichtsinnig und schalten das Navi an. Tja, und befinden uns kurze Zeit später wieder auf einer dieser wunderbaren, heckengesäumten, kurvenreichen Single-Track-Roads in the middle of nowhere. Der Sparladen, in der Nähe unserer Ferienwohnung, schließt demnächst, uns sitzt ein wenig die Zeit im Nacken. Ich habe das dringende Bedürfnis die Dame in diesem Navi ordentlich zu würgen und das Gerät anschließend aus dem Fenster zu werfen. Sollen sich doch die Schafe damit vergnügen. Mäh!
Als wir dann gerade noch rechtzeitig dort ankommen, kaufen wir als erstes eine ordentliche Waleskarte. Damit das endlich ein Ende hat. Und natürlich alles, was wir fürs Abendessen brauchen. Zurück in der Ferienwohnung begrüßen uns die Mücken dann hocherfreut und während wir unser Abendbrot essen, tun sie sich an uns gütlich. Ein allgemeines Festmahl also! Aber im Grunde genommen ist es alles nicht so schlimm. Als die Sonne untergeht, sitzen wir mit einem Wein auf einer Bank mit Blick auf Moor, ignorieren die Mücken und lassen den Tag entspannt ausklingen.







Wales II: Pentre Ifan, Newport, Fishguard und St. David

Der zweite Tag in unserer komfortablen Ferienwohnung beginnt, wie fast überall auf der Welt auch, im Badezimmer. Hier noch einmal eine Information für alle, die daran zweifeln, dass ein komplettes Badezimmer auf zirka einem Quadratmeter unterzubringen ist. Es geht! Allerdings ist es dann nicht mehr
unbedingt zweckmäßig. Ein Blick in den Spiegel wird zum Beispiel nur möglich, indem man sich mit einem Knie auf dem Klodeckel abstützt, den Kopf  vor der Wand positioniert und nach rechts guckt. Oder ihn kurzerhand abnimmt. Den Spiegel natürlich, nicht den Kopf. Was meine Wahl ist. Ich lege den Spiegel dann auch gleich wieder weg, da mir das Gesicht mit dem vom Bremsenstich zugeschwollenen Auge irgendwie nicht zusagt. Auf der Toilette sitzend, kann man die Knie auf der erhöhten Duschwanne abstützen, allerdings muss man zuvor einen Platz für seine Füße gefunden haben. Dafür muss man sich beim Duschen mit Duschstange und Vorhang arrangieren und wenn man die Haare waschen möchte, ein wenig in die Knie gehen. Ein Traum! Wir nehmen es mit Humor und betrachten das ganze als Morgengymnastik.

Pentre Ifan
Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg, wiederrum geleitet von der samtweichen, aber bestimmten Stimme der Dame aus dem Navi. Unser erstes Ziel ist Pentre Ifan, eine 4500 Jahre alte jungsteinzeitliche Grabkammer und gleichzeitig der größte Dolmen Wales. Auch hier irritiert mich die Routenführung etwas. Eigentlich liegt diese Stätte etwas abseits der A 487, die wir auch gestern bereits gefahren waren. Diese kreuzen wir aber nur so drei- bis viermal und nutzen ansonsten interessante Singletrackroads, gesäumt von meterhohen Hecken, auf der jede Geschwindigkeit über 30 km/h selbstmörderisch wirkt. Man hat das Gefühl, man fährt dauerhaft durch einen Tunnel ohne Dach. Sehr besonders. Tatsächlich kommen wir auch auf diesem Weg an, allerdings dauert es ein wenig länger.
Von einem kleinen Parkplatz, auf dem nur noch ein weiterer Wagen steht, führt ein schmaler, durch ein Gatter gesicherter Pfad zu dieser Stätte bei den Preseli Hills.
Auf den umliegenden Grasflächen weiden die unvermeidlichen Schafe. Wir haben diesen Ort ganz für uns allein. Es ist kaum vorstellbar, wie Menschen vor 4500 Jahren diesen 5 Meter langen und 16 Tonnen schweren Deckstein so auf den spitz zulaufenden , aufrecht stehenden Steinen positionieren konnten, dass er auch heute noch hält. Die Steine stammen übrigens aus den umliegenden Preseli Hills, genauso wie die 31 Monolithe in Stonehenge, die damit über die unglaubliche Entfernung von 386 km transportiert werden mussten.
Newport Castle
Wir verlassen diesen magischen Ort nach einer ausgedehnten Pause. Wollen weiter über Newport und Fishguard in Richtung des etwas entfernt liegenden St. Davids. Nachdem die Dame im Nawi uns erneut auf die Tunnelstraßen leiten möchte, wird sie kurzerhand abgewürgt. Sie scheint eine Vorliebe dafür zu haben. Wir fahren nach Karte, machen einen kurzen Stop in dem pittoresken Städtchen Newport, das unterhalb einer kleinen normannischen Burg liegt und bummeln ein wenig durch die Straßen.Hier findet gerade ein Bauernmarkt statt und wir decken uns mit frisch gebackenem Brot, Ziegenkäse und Schinken für ein Picknick am Wasser ein.


Von Fishguard oder Abergwaun, wie es auf walisisch heißt, gehen die Fähren nach Irland. Außer dem modernen Fährhafen gibt es dort aber auch noch einen alten Fischereihafen in der lower Town. Hier wurden Szenen von "Moby Dick" und "unter dem Milchwald" gedreht und hier machen wir Picknick auf einer Bank und betrachten dabei die wechselnden Nebelszenarien über dem Wasser der irischen See. Es hat etwas mystisches wie Landstriche und Wasser abwechselnd auftauchen und wieder verschwinden. Wir beschließen unser Picknick mit einem leicht überteuerten Eis von dem auf dem Parkplatz bereitstehendem Eiswagen und fahren dann weiter Richtung St. Davids. Die Dame aus dem Navigationssystem hat vorläufig Redeverbot, wir fahren mit Karte.

Die Kathedrale von St. Davids
Finden auch damit hin, obwohl diese ADAC-Übersichtskarte auch nicht gerade der Hit ist. Unser Auto stellen wir auf dem Besucherparkplatz ab, die Parkgebühren, die uns übrigens den ganzen Urlaub begleiten werden, sind relativ moderat.
Die Kathedrale, die aus dem 12. Jahrhundert stammt, wirkt schon von weiten imposant und beeindruckend. Beim Näherkommen stellen wir fest, dass sie heute wegen einer Trauerfeier der Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Das ist echt schade, denn das Innere soll noch beeindruckender sein. Wir sind ein wenig enttäuscht, aber es nützt ja nichts und so wenden wir uns den Ruinen des Bishops Palace zu.
Hier an diesem Ort gründete St. David ( walisisch Dewi Sant ) bereits im 6. Jahrhundert ein Kloster.  Der ehemalige Bischofssitz ist heute nur noch eine Ruine, doch man kann die frühere Pracht immer noch erahnen.

















Der Eintrittspreis ist mit 3,50 £ pro Person nicht zu teuer und die Anlage bietet interessante Durchblicke und Aussichten. Es gibt auf dem Gelände verteilt Informationstafeln auf englisch und walisisch, die sich nicht nur lesen lassen, sondern auf Knopfdruck den Text auch vorlesen. Unsere erste Begegnung mit der gesprochenen walisischen Sprache lässt uns staunend zurück. Eine ganz besondere Sprache, für deren Klang mir nichts wirklich vergleichbares einfällt.


Gebaut wurde dieser Palast für den Bischof Henry de Gower, der von 1327-1347 hier Bischof war und dessen Räumlichkeiten für das Mittelalter  erstaunliche Ausmaße hatten. Wir schlendern eine ganze Weile hindurch, machen gefühlte 500 Fotos und lassen das ganze auf uns wirken.
Danach stellt sich die Frage, Stadtbummel oder Strand? St. Davids ist ein wirklich hübscher, einladender Ort, wie wir beim Durchfahren gesehen haben. Wir entscheiden uns aber trotzdem für Strand, schließlich sind wir schon eine ganze Weile unterwegs und es ist ziemlich warm. Laut unserem Reiseführer findet sich in der Nähe die Whitesands Bay, dort wollen wir hin. Da unsere ADAC-Karte das nicht hergibt, hat die Dame im Nawi einen erneuten Einsatz und führt uns auch ordentlich dorthin.
Wir finden auf dem Parkplatz noch eine Lücke, dürfen auch gleich wieder 2 £ dafür bezahlen, und verbringen zwei gemächliche Stunden am Strand. Es herrscht gerade Ebbe, das Wasser ist ziemlich weit entfernt, der Strand nur mäßig bevölkert und von See her kommt ein leichter Wind. Mein Badeversuch scheitert am kalten Wasser, dabei bin ich da eigentlich nicht so empfindlich. Gemeinsam mit mir ist eine Jugendgruppe aus einer nahegelegenen Jugendherberge im Wasser, die sich laut quietschend gegenseitig mit dem kühlen Nass bespritzen. Ich verziehe mich wieder auf unsere Decke und beobachte die Wanderer, die den hier entlangführenden Pembrokeshire Coast Path, einem der spektakulärsten Fernwanderwege in Großbrittanien, entlang wandern. Er folgt der gesamten Küstenlinie und soll gigantische Ausblicke bieten. Wir treffen immer wieder auf Menschen mit Wanderschuhen, Stöcken und Rucksäcken, die Britten sind ein wanderfreudiges Volk.
Irgendwann brechen wir auf, um in unser kleines Cottage zurück zu fahren. Leider haben wir vergessen das Nawi mit unserer genauen Adresse zu füttern und können nur den Ort, Mynachlogddu, eingeben. Die Strecke, die wir dann fahren ist gar abenteuerlich, unendliche Tunnelstraßen, und ohne eine vernünftige Karte in keiner Weise nachzuvollziehen. Dann verkündet die Dame mit der samtweichen Stimme plötzlich: Sie haben ihr Ziel erreicht. Ach?! Tatsächlich? Irgendwie ist uns das hier nicht so wirklich bekannt. Der eine oder andere Hügel sieht ähnlich aus, Schafe gibt es hier auch, aber sonst...? Den Ort Glandy Cross, bei dem wir von der A 487 abgebogen sind und von wo wir den Weg wüssten, kennt die Dame leider auch nicht. Wir müssen improvisieren. Geben ein anderes Ziel ein, von wo aus Glandy Cross erreichbar ist, und finden auf Umwegen dann doch zurück.
Es ist spät, die Mücken begrüßen uns herzlich. Während wir das Essen zubereiten und versuchen zu lüften, ohne allzuviel Mücken Einlass zu gewähren, freuen sich die Insekten ebenfalls auf ihr Mahl. Wir essen schnell und räumen dann alles wieder ein. Ich vermute mal, die Mücken sind enttäuscht. Aus dem Fenster können wir beobachten, wie ein neuangekommenes Pärchen im Moor sitzend versucht, diese Blutsauger zu ignorieren. Es gelingt ihnen nicht wirklich und sie wirken aus der Ferne ein wenig unentspannt.
Nachdem wir eine Kerze unter dem Schälchen mit Citronelladuftöl entzündet haben, verziehen wir uns ins Bett, um noch ein bisschen zu lesen. Das Bett in der höhlenartigen Nische ist tatsächlich das einzige Highlight dieser Ferienwohnung, groß, bequem und irgendwie heimelich.
Morgen gehts nach Tenby. Das mit dem Essen hier müssen wir morgen irgendwie anders regeln.