Luxor im Januar 2010 - Ägypten einmal anders


Eine Reise nach Luxor im Januar hat zwei entscheidende Vorteile. Erstens hat der normale lichtentwöhnte Nordeuropäer die Möglichkeit seinen Bedarf an Sonnenschein, Wärme, Farben..., ja vor allen Dingen Farben, und blauem Himmel zu decken. In dieser trüben Jahreszeit so wichtig! Und zweitens sind die Reisen zu dieser Zeit einfach günstig. Wenn man erstmal da ist, erschließt sich noch ein weiterer Vorteil. Es sind andere Menschen unterwegs in Luxor im Januar. Nicht die Reisenden, die wir auf den vergangenen Ägyptenreisen getroffen haben. Was vielleicht an der Art der Reise lag. Auf jeden Fall aber auch am Hotel.


Wir hatten uns ein Hotel auf der Westseite des Nils ausgesucht, auf der Seite der Toten, Luxor, und somit dem alten Theben mit seinen Tempeln gegenüber. Das Gezira Garden liegt einen kurzen Fußweg vom öffentlichen Fähranleger entfernt in einer kleinen nicht gepflasterten Gasse, neben einer Art Kamelgarage. Es ist ein einfaches Drei-Sterne-Hotel, hervoragend geeignet für Individualreisende, auch viele alleinreisende Frauen sind dort anzutreffen.
Hier bekommt man jede Unterstützung, die man benötigt. Das Personal ist ausgesprochen hilfsbereit und freundlich, das Essen gut und auch Sonderwünsche werden erfüllt, wenn irgendwie möglich.
Von hier aus wollen wir starten, um all die Dinge noch einmal in Ruhe anzuschauen, die wir auf unserer Nilkreuzfahrt vor einigen Jahren bereits gesehen hatten. Immer in der Gruppe, zwar mit vielen Informationen versehen, aber mit viel zu wenig Zeit, sie wirken zu lassen. Und vielleicht auch Dinge, die wir dort noch nicht gesehen hatten.
Um nach Luxor zu kommen, benutzen wir die öffentliche Fähre, die uns umgerechnet zirka 10 Cent pro Überfahrt kostet.
Der Luxor-Tempel ist direkt von der Corniche, der Promenade am Nil, zu sehen und bildet so eine Art Mittelpunkt der Stadt. Erbaut wurde er unter Amenophis III. (1390-1353 v. Chr.) einem Pharao der 18. Dynastie. Unter Ramses II. wurde dieser Tempel mit einer Sphinxenallee mit dem Tempel von Karnak verbunden. Im Jahr 2010 arbeitet man daran, diese Verbindung wieder herzustellen. Da dafür der Abriss verschiedener Gebäude notwendig wäre, u.a. einer koptischen Kirche, ist dieses Vorhaben recht umstritten.

Interessant ist auch der Anblick einer Moschee, die auf dem Tempel errichtet wurde, der zu dieser Zeit wahrscheinlich von reichlich Sand verschüttet war.
Wunderbar, wenn man diese imposanten Bauten mit ihrer tausend- jährigen Geschichte in Ruhe auf sich wirken lassen kann. Ein Kaffee auf dem Gelände, mit Blick auf den Luxortempel kann ich wirklich nur empfehlen.
Ein weiteres Muss auf dieser Seite des Nils ist natürlich der Karnaktempel. Dieser Tempel war über Jahrtausende hinweg das größte Heiligtum der alten Ägypter. Wir wählen den Weg zu Fuss die Corniche entlang, um ihn zu erreichen. Man kann natürlich auch eine der diversen Pferdekaleschen nehmen, aber wegen des bedauernswerten Aussehens dieser Kreaturen, haben wir davon lieber Abstand genommen.
Die alte Sphinxallee ist am Eingang zum Tempel erhalten und man bekommt eine Ahnung davon wie das alte Theben ausgesehen haben mag. Karnak ist wirklich ein Tempel der Superlative. Zwei Jahrtausende lang hat wohl fast jeder Pharao diesem Komplex etwas hinzugefügt. Oder etwas abgerissen. Wer heute hindurchschlendert kommt sich vor allen Dingen klein vor.
Unendliche Mengen an Säulen, Obelisken, Inschriften, Pylonen befinden sich auf dem Gelände. Man könnte hier Tage verbringen und würde staunend immer noch neues entdecken.
Für Karnak braucht man Zeit. Und natürlich ist Karnak nie leer. Doch wer sich individuell in diesen Tempel begibt, hat immer wieder Möglichkeiten den allgegenwärtigen Reisegruppen auszuweichen und steht unvermutet alleine zwischen den riesigen Statuen.
Oder den gigantischen Säulen. Und fragt sich, wie die Menschen es damals geschafft haben mit ihren einfachen technischen Hilfsmitteln solche Bauwerke zu errichten.
Immer wieder er- schließen sich neue Durch- blicke, noch mehr Nischen, noch mehr Steinblöcke. Am heiligen See kann man eine Pause machen und etwas trinken. Wir kommen dort am späten Nachmittag an, die meisten Reisegruppen sind inzwischen durch. Ein idealer Ort zum Verweilen, unter blühendem Oleander.
Die vielen Bruchstücke der Vergangenheit sind übrigens noch lange nicht zusammengefügt. Unendliche Mengen an Stein, teilweise mit Nummern versehen, warten noch darauf zu einem sinnvollen Ganzen zusammengesetzt zu werden. Deshalb bleibt Karnak auch eine unvollendete Baustelle, deren Gesamtbild nie fertig zu werden scheint. Und bietet die Aussicht auf einen neuen Ausblick bei jedem erneuten Besuch. Empfehlenswert ist auch der Besuch der Lightshow am Abend unter dem Sternenhimmel, der einem das

Mystische des Glaubens der alten Ägypter näher bringt. 
Der Rückweg zum Fähranleger führt dann an den Nilkreuzfahrtschiffen und am beleuchteten Luxortempel vorbei, während auf der westlichen Nilseite die Sonne untergeht.
Das Gezira Garden hat übrigens eine wunderschöne Dachterrasse, auf der abends das Essen serviert wird. Gegen die Januarkälte ( es kann Nachts auch mal unter 20° werden....) war dort während unseres Aufenthaltes abgeplant.
Im Hotel haben wir Bernd kennen- gelernt, der alleine unter- wegs ist. Wir machen uns gemeinsam auf ins Tal der Könige. Am Fähranleger warten immer Taxis, um Touristen dorthin zu bringen, den Preis sollte man vorher verhandeln. Im Tal der Könige waren wir bereits auf unserer ersten Ägyptenreise gewesen, natürlich stellen wir uns auch dieses Mal an den Gräbern an, um uns gemeinsam mit den anderen Touristen dort durchzuschieben. Sehenwert sind sie auf jeden Fall.
Hauptsächlich wollen wir aber den Weg vom Tal der Könige zum Hatschepsut-Tempel übers Gebirge finden. Wir hatten im Reiseführer gelesen, dass sich spektakuläre Ausblicke bieten. Nachdem wir von den normalen Touristenpfaden abgebogen sind, bieten sich gleich mehrere Führer an, die im Schatten der Felsen warten.
Nachdem wir mit einem einig geworden sind, führt er uns auf ziegenpfadähnlichen Wegen nach oben.
Auch dort finden sich Hinweisschilder zur Ticketoffice. Nicht, dass jemand die verpasst.
Die Ausblicke auf den Hatschepsut-Tempel sind schon besonders, schon deshalb lohnt es sich hier hinauf und wieder hinunter zu klettern.
Dieser Totentempel scheint direkt aus der Felswand herauszuwachsen und wirkt besonders durch seine Schlichtheit. Er besteht aus zwei Terrassen, die über eine Rampe zu erreichen sind. Erbauen ließ ihn ab dem Jahr 1475 v. Chr. eine Frau, die als Pharao regierte, Hatschepsut.
Wir beschließen von hier aus mit dem Sammel- taxi bis zum Inspektorat zu fahren. Dort soll es ein kleines Restaurant geben, das die Ausgräber für ihre Pausen nutzen.
Nach einiger Zeit hält tat- sächlich eines der Sammeltaxis und wir klettern auf die Ladefläche.  Sitzen dort gemeinsam mit Bauern, Frauen und Kindern aus der Umgebung. Am Inspektorat steigen wir wieder aus, orientieren uns Richtung Medinet Habu und sehen dann auf der linken
Seite den Eingang zum Restaurant Mohamed. Man sitzt draußen im Garten unter einem 600 Jahre alten Baum, vielleicht eine Sykomore, wir wissen es nicht genau. Es gibt keine Speisekarte, die Englischkenntnisse von Mohamed sind eher bescheiden und die Familienkatze macht es sich neben uns bequem. Wir wissen auch nicht genau was wir bestellt
haben, aber wir sind zuversichtlich. Und tatsächlich ist das Essen wirklich lecker, Fleischbällchen auf Reis mit einer scharfen Sauce, dazu eine eiskalte Cola. Köstlich!
Wenn wir nicht unterwegs sind, nutzen wir die Dachterrasse des Gezira Gardens, um uns zu erholen.
Man blickt auf Felder und Gärten der Umgebung, erhält so einen Einblick in das beschwerliche Alltagsleben der Menschen hier. Kann dabei die Sonne genießen und immer wieder einen Blick in sein Buch werden. Sollte es zu warm werden, könnte man sich im kleinen Pool abkühlen.Es reicht um ein paar Schwimmzüge zu machen.
Meist sind wir aber unterwegs. Wir haben uns Fahrräder gemietet. Einfache Räder ohne Gangschaltung. Sonst haben sie aber alles was man braucht. Auf der Westseite des Nils ist wenig Verkehr, das macht das Radfahren einfach.
Wir fahren Richtung Memnonkolosse und halten dort für ein genaueren Blick. 18 Meter sind sie hoch und inzwischen schon ziemlich verwittert. Schon im Altertum pilgerten hier Touristen her, auch weil der nördlichere der Kolosse nach einem Erdbeben im Jahr 27 n. Chr. jeden Morgen bei Sonnenaufgang einen singenden Ton von sich gab. Vermutlich durch Spannungen im Stein, ausgelöst durch die wärmenden Strahlen der Morgensonne. Ein wohlmeinender römischer Kaiser ließ sie reparieren, seitdem schweigen sie.
Wir besuchen noch einen hei- mischen Gemüse- markt, auf dem wir wohl die einzigen Europäer sind und kaufen dort ein paar Apfelsinen, die wir anschließend bei einer Rast verzehren.
Dann fahren wir zum Tal der Noblen, lassen die Räder an einem Toilettenhäuschen stehen, für ein kleines Bakschisch haben die beiden Damen ein Auge darauf. Natürlich findet sich sofort ein Führer, der uns durch die wenig besuchten Gräber führt. Diese Gräber befinden sich unter dem Dorf Qurna, das inzwischen weitgehend verlassen ist, die Bewohner trieben früher durchaus lukrativen Handel mit Fundstücken aus ihren "Kellern".
Besonders sehenswert ist das Grab des Nacht, ein winziges Privatgrab, das mit Szenen aus seinem Alltag geschmückt ist. Nur vier Besucher dürfen gleichzeitig hinein, für die Wartenden gibt es eine Bank.
Wir kommen an Ausgrabungen vorbei, als wir wieder zu unseren Fahrrädern hinabsteigen.
Als wir weiterfahren werfen uns Touristen aus ihren Reisebussen durchaus seltsame Blicke zu. Europäer auf dem Fahrrad wirken wohl irgendwie befremdlich hier.
Im Restaurant Mohamed am Inspektorat machen wir eine Pause und dann gehts weiter Richtung Medinet Habu. Medinet Habu wurde unter Ramses III. erbaut, 1180-1155 v. Chr.
Er gibt eine Vorstellung davon, wie diese Tempel damals ausgesehen haben, nämlich in leuchtenden Farben gestrichen. Hier ist an vielen Stellen davon noch etwas erhalten.
Unsere Fahrräder schließen wir an einem Zaun an und setzen uns nach der Besichtigung in ein gegenüber liegendes Café.
Hier ist eine Deutsche beschäftigt, mit der wir ins Gespräch kommen und die uns interessant über ihr Leben hier in Luxor berichtet.
Am letzten Tag vor unserer Abreise ist es irgendwie schwül. Eher ungewöhnlich in einer Wüstenstadt wie Luxor. Wir fahren noch einmal mit der Fähre hinüber nach Luxor, wollen noch ein bißchen durch die Basare bummeln. Einen Blick auf das Winter Palace werfen und vielleicht noch irgendwo einen Tee trinken.
Amüsiert betrachten wir am Nachmittag das Treiben auf dem Nil. Touristen, die zu einer Felukenfahrt starteten, werden wegen der absoluten Windstille von einem Motorboot ins Schlepptau genommen und jetzt romantisch über den Nil gezogen. Bestimmt ein Highlight!
Bei Sonnenuntergang ist es regelrecht bewölkt und die Luft ist zum schneiden. Wir fahren wieder hinüber in unser Hotel und setzen uns nach dem Essen noch ein wenig an den Pool.
Da passiert, was in Luxor vielleicht alle 10 Jahre passiert, es beginnt zu regnen. Es dauert vielleicht 5 Sekunden, da geht allerorts das Licht aus. Wer einmal gesehen hat, wie elektrische Leitungen in Ägypten verlegt sind, der weiß warum. Zehn Minuten dauert der Regen, währenddessen irren die Hotelangestellten im Licht ihrer Handys durch die Gegend und versuchen irgendwas zu richten. Andere führen eine Art Regentanz auf, so freuen sie sich. Dann ist der Spuk vorbei und kurze Zeit später auch die Elektrik wieder instand gesetzt.
Bevor wir am nächsten Tag abreisen, bummeln wir noch ein wenig auf unserer Nilseite herum. Wir treffen Kinder, die mit selbstgemachten Spielsachen am Wasser spielen, improvisierte Cafés, die mit einfachsten Mitteln betrieben werden und leider auch jede Menge Plastikmüll, den ich hier nicht verschweigen möchte.
Um dafür ein Bewusst- sein zu ent- wickeln, fehlt es hier einfach noch an zu vielem Lebensnotwendigen. In unseren Augen sind die Menschen arm. Rein materiell...
Trotzdem bin ich mir nicht immer sicher, ob wir tatsächlich reicher sind. Selten habe ich so viele gastfreundliche, herzliche und offene Menschen kennengelernt wie hier in Luxor.

Kommentare:

  1. Was für ein schöner Bericht. Ich mag Luxor, dabei hauptsächlich die Westbank. Leider haben die Touristen heute dieses Fleckchen Erde komplett vergessen und es gleicht vor Ort eher einem Trauerspiel. Was ich aber vermisse, wart ihr nicht im Ramesseum? Ein wirklich kleiner feiner Tempel. So, jetzt lese ich mich aber nach und nach durch die anderen Berichte.

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  2. Schön, dass dir der Bericht gefallen hat. Wir waren tatsächlich nicht im Ramesseum. Ich kann dir nicht einmal sagen warum nicht. Aber das ist ein guter Tipp, beim nächsten Mal werden wir uns Zeit für ihn nehmen. Und für uns wird es auf jeden Fall ein nächstes Mal geben, denn dieser Ort hat einfach einen wunderbaren Zauber.

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